
Die New York Times hat Regierungsdokumente über Guantanamo gesammelt - auch über die Männer, die demnächst nach Deutschland kommen© nytimes.com
Im Gegensatz zu al-A. soll der Palästinenser Mohammed Abdullah T. laut Untersuchungsbericht nie die Absicht gehabt haben, sich an den Kämpfen in Afghanistan zu beteiligen. Der Anhänger einer islamistischen Missionarsbewegung hatte sich ebenfalls im Oktober 2001 in die umkämpfte Region aufgemacht. Allerdings reiste T. nach Pakistan. Hier lernte er in einer Kleinstadt junge Araber kennen, so das Dokument, mit denen er auch den Süden Afghanistans bereist hatte. Als es in der Region zu gefährlich wurde, reiste er zurück nach Pakistan, wo er, so seine vermeintliche Aussage, von einem Pakistani in dessen Gästehaus eingeladen wurde. Ausgerechnet dieses Haus diente der al-Kaida als Unterschlupf, weshalb T. hier zusammen mit anderen al-Kaida-Kämpfern festgenommen wurde. Angeblich habe der junge Palästinenser nicht gewusst, mit welchen Extremisten er hier zusammengewohnt hat.
Die Militärermittler haben T. in dem Dokument Verbindungen zu der militanten Palästinenser-Organistaion Hamas unterstellt. Allerdings hat der junge Islamschüler selbst eingeräumt, dass lediglich zwei Onkels der Hamas angehörten, sein Vater aber Distanz zu ihnen pflegte. Am Ende stellen die Ermittler fest, dass sie keine Verbindungen zur al-Kaida oder den Taliban erkennen können, und dass sich T. auch von Selbstmordattentaten und ähnlichen Gewaltakten distanziert. Sollten die Akten stimmen, entsteht hier das Bild eines tiefgläubigen Fundamentalisten, der bislang keine Gewalt angewendet hat. Im Falle einer Freilassung gab T. an, möchte er weiter den Koran studieren, am liebsten in Mekka oder Medina, den zwei wichtigsten Städten im Leben des Propheten Mohammed. Nur nach Palästina will der Mann nicht zurück, wegen des Krieges zwischen seinen Landsleuten und Israel, so die Begründung.
Das Bild, das sich aus den US-Dokumenten ergibt, ist, dass es sich bei beiden Gefangenen um kleine Fische handelt. Fundamentalistisch in ihrem Glauben, aber unbedeutend im undurchsichtigen Getriebe des islamistischen Terrorismus. Zu ähnlichen Einschätzungen müssen auch die Beamten des Bundesinnenministeriums gekommen sein. Diese hatten drei Gefangene in Guantanamo besucht und verhört. T. und al-A. wurden für ungefährlich befunden. Den Sicherheitsbehörden der beiden Gastgeberländer sind die Guantanamohäftlinge dennoch suspekt. Der Angestellte einer Landesbehörde sagte stern.de: "Seien Sie sicher, dass sich unsere Leute noch einmal ganz genau ansehen werden, wen sie sich denn da eingeladen haben."