
Die Nato-Gegner bringen Unruhe ins beschauliche Elsaß, doch viele im Widerstands-Camp wollen einen friedlichen Protest© Boris Rössler/DPA
Dirk aus Freiburg sieht das ähnlich. Er ist schon seit einigen Jahren in der Antikriegsbewegung aktiv. "Die Nato führt gerade Krieg in Afghanistan und im Irak. Sie ist dazu da, die militärischen Interessen Deutschlands, Frankreichs und anderer westlicher Länder durchzusetzen", erklärt er und meint: "Merkel, Sarkozy und Obama wollen keine friedlichere Welt. Obama hat schon angekündigt, mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken. Merkel hat den Einsatz dort als Prüfstein für die Nato bezeichnet. Die Situation dort ist katastrophal. Deshalb wollen wir auch in Straßburg unsere Forderung nach einem Abzug der Truppen deutlich machen." Oskar ärgert sich auch darüber, dass soviel Geld für das Militär ausgegeben wird. "Für Bundeswehreinsätze im Ausland ist Geld da, und wenn wir mehr Geld für Bildung fordern, wird gesagt, es wäre keines da. Jetzt in der Wirtschaftskrise ist das noch krasser: Milliarden wurde an die maroden Banken gezahlt, aber für soziale Verbesserungen ist angeblich nichts übrig. Gestern haben wir gehört, dass auch bei Daimler Stellen gestrichen werden. Wir sind nicht bereit für militärische Interventionen zu zahlen, die ein Großteil der Bevölkerung auch noch ablehnt."
Der Tag vor dem Gipfel neigt sich seinem Ende zu. Quer über die Wiese marschiert die Clownsarmee. Den ganzen Tag über war sie unterwegs. Beim Supermarkt gab es die ersten kühlen "Kontakte" mit französischen Polizisten. Ein Haufen einheimischer Jugendlicher hingegen fand die knollennasigen Demonstranten herrlich komisch und folgte ihnen feixend bis zum Eingang des Camps.
Bauer Michel Burgmann macht Feierabend, als die Lagerfeuer vor den Zelten angezündet werden. Über dem Gelände kreist ein Polizeihubschrauber. Darunter fliegen die ersten Schwalben dieses Jahres. Im Juli will Burgmann auf den Wiesen Weizen säen. Dann wird alles so sein wie immer und nichts mehr an die Aufregungen dieses Aprilwochenendes erinnern. Mit Ausnahme einiger Fotos vielleicht. Die schießen die Ganzauer derzeit mit ihren Handys. Die Motive: Die nackten Hintern und die bunten Pace-Fahnen der "autonomen Terrordancer".