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15. September 2007, 10:12 Uhr

"Herr Rüttgers, sind Sie der schwarze Lafontaine?"

Jürgen Rüttgers in der Düsseldorfer Staatskanzlei im Gespräch mit den stern-Redakteuren Stefan Braun und Hans-Ulrich Jörges (r.)© Matthias Jung

Das ist ein Frontalangriff auf die Wirtschaftsliberalen. Verabschieden Sie sich vom Bündnispartner FDP?

Keineswegs. Wir haben hier in Nordrhein- Westfalen mit dem Koalitionspartner FDP ein sehr vernünftiges sozialpolitisches Programm auf den Weg gebracht. Ich bin mit meinem Partner sehr zufrieden.

Der heißt nicht Guido Westerwelle.

Aber Westerwelle gehört zum nordrheinwestfälischen Landesverband.

Sie schreiben eine Streitschrift gegen den Neoliberalismus - und wollen nicht mal mit Guido Westerwelle streiten?

Warten Sie es ab. Streit um den richtigen Weg für die Zukunft ist mir willkommen.

Wirklich gefährlich wird Ihnen die Linkspartei. Wenn sie sich etabliert, ist es vorbei mit schwarz-gelben Mehrheiten.

Langsam, langsam. Richtig ist: Wenn die Linkspartei in die Parlamente kommt und in Zukunft nur noch Regierungen möglich sind mit drei Parteien, dann hat sich die politische Landschaft in Deutschland radikal verändert. Das würde zu wachsender Instabilität führen. Deshalb ist zuerst mal die SPD aufgerufen, das zu verhindern.

Nicht nur die SPD. Auch die Union hat ein Problem und eine Aufgabe.

Da haben Sie recht. Auch die Union muss da was tun. Es geht nicht nur um Parteipolitik, sondern um unsere Demokratie.

Und was heißt das?

Man muss Lafontaine beim Wort nehmen. Das ist das Schlimmste, was man ihm antun kann. Dann entblättert sich, dass er nur große Sprüche und leere Versprechungen macht. Im Zeitalter der Globalisierung zu rufen: Wir werden das alles staatlich regeln, ist keine Antwort.

Trotzdem: Mit dem Erfolg der Linkspartei sind alle nach links gerückt. Freiheit und Sicherheit -das wäre als Grundmelodie für ein neues Parteiprogramm der CDU vor gar nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen.

Einspruch. Mit Oskar L. hat das nichts zu tun. Im Übrigen wird die Linkspartei nur wachsen, wenn die SPD falsch reagiert und wie in Nordrhein-Westfalen weiter nach links rückt. Dann landet sie im 20-Prozent- Bunker und kommt nicht mehr raus.

Oder sie bereitet das Linksbündnis vor - für die Zeit nach 2009.

Ich glaube das Gerede von der linken Mehrheit in Deutschland nicht. Sollte die SPD tatsächlich darauf spekulieren, soll es mir recht sein. Ich will die Helmut-Schmidt- Wähler für die CDU gewinnen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 37/2007

Sein neues Buch

Sein neues Buch "Die Marktwirtschaft muss sozial bleiben. Eine Streitschrift", Verlag Kiepenheuer & Witsch, ISBN-10: 3462039318, ISBN-13: 978-3462039313, 17,90 Euro

stern - Gespräch mit Folgen

stern - Gespräch mit Folgen Im August 2006 stieß Rüttgers mit seinen Thesen eine heftige Debatte in der CDU an

Interview: Stefan Braun, Hans-Ulrich Jörges
Seite 1: "Herr Rüttgers, sind Sie der schwarze Lafontaine?"
Seite 2: Das ist ein Frontalangriff auf die Wirtschaftsliberalen. Verabschieden Sie sich vom Bündnispartner FDP?
 
 
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