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24. Februar 2010, 16:26 Uhr

Showdown für das Alphatier

Und Zöpfe gab es so einige: 2003 trennte er sich von Herbert Reul, der schon seit 1991 dabei war. Auch sein Nachfolger, Hans-Joachim Reck, der Rüttgers immerhin zum Wahlsieg 2005 managte, zerstritt sich 2006 so endgültig mit Rüttgers, dass er zurücktrat und sich bis heute nicht über seinen ehemaligen Chef äußern möchte. Stattdessen hielt eine Riege junger Berater in der Staatskanzlei Einzug, die nach Ansicht von Insidern massiven Einfluss auf Rüttgers haben: Allen voran ist da 36-jährige Boris Berger, Abteilungsleiter für politische Planung, und wohl engster Vertrauter des Ministerpräsidenten. Rüttgers, der nach Einschätzung seines Biographen Kronenberg "überaus vorsichtig und latent misstrauisch" ist, vertraut niemandem so sehr wie dem für seine Kompromisslosigkeit bekannten Strategen.

Es könnte nun genau diese Strategie sein, die den Ministerpräsidenten in Bedrängnis bringt. "Er hat sich für den Neuanfang bewusst mit jungen Leuten umgeben", erklärt Politologe Kronenberg. "Dass mit deren Unerfahrenheit solche Dinge einhergehen können, wie wir sie jetzt erleben, das sind die Schattenseiten." Der nun geschasste, gerade mal 34 Jahre alte General Hendrik Wüst viel eher durch Energie und Ehrgeiz als durch Erfahrung auf. Vor Amtsantritt hatte er lediglich auf kommunaler Ebene und als Chef der Jungen Union Politik gemacht. Er war es auch, der für die umstrittene Videoüberwachung der SPD-Chefin Hannelore Kraft verantwortlich war, die bereits im vergangenen Jahr für Unruhe im Rüttgers-Umfeld sorgte.

Die Älteren in der NRW-CDU sehen sich durch das Scheitern des jungen Generalsekretärs in ihrer Meinung über Rüttgers Jungspunde bestätigt: "Wenn man ein bisschen Erfahrung hat, würde einem so etwas nicht passieren", merkt der Chef der Senioren-Union, Leonard Kuckart, gegenüber Stern.de vieldeutig an.

Der eigenen Partei weit voraus?

Dass Rüttgers nach dem Sponsoring-Debakel jetzt demütig auf mehr Parteieinbindung setzt, ist aber wohl unwahrscheinlich "Natürlich ist er ein Teamspieler - wenn er am Ende entscheidet, wo es langgeht", sagt Politologe Kronenberg. "Rüttgers ist das Alphatier". Dementsprechend leicht zu verschmerzen ist dann auch der Abgang des Generalsekretärs: Die wichtigen Wahlkampfentscheidungen trifft der Ministerpräsident sowieso selbst.

Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, in Jürgen Rüttgers lediglich einen opportunistischen Machtmenschen zu sehen. Denn all seine Vorstöße, die nicht selten auf Kosten der CDU im Bund gehen, sie sind auch Ausweis seines politischen Gespürs: Die Kritik an Hartz IV ist mittlerweile anerkannte Parteilinie. "Er war und ist bei vielen Themen, gerade im sozialen Bereich, der Partei voraus - und das nicht nur aus strategischen Gründen", hält sein Biograph Kronenberg fest. Vielleicht ist dass das einfache Geheimnis seines Erfolgs, vielleicht ist der 58 einfach moderner als die meisten seiner Parteikollegen. Im Arbeiter-Land NRW jedenfalls dürfte seine Linie und auch er selbst für seine Partei quasi alternativlos sein.

So wird die Landtagswahl am 9. Mai für Jürgen Rüttgers zur Schicksalswahl. Gewinnt er, dürfte sich seine Macht und die seines engen Führungszirkels in Düsseldorf noch weiter zementieren. Und mit einer möglichen Schwarz-Grünen Koalition könnte er auch bundespolitisch zum Vorreiter werden. "Wenn sich ihm die Chance für mehr Macht böte, er würde sicher nicht zögern", glaubt Biograph Kronenberg. Die Episode um die anrüchigen Werbebriefe wäre dann nur kleine, unschöne Episode in seiner Karriere - und Hendrik Wüst ein vergleichsweise kleines Opfer.

Von Lenz Jacobsen
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KOMMENTARE (10 von 12)
 
gesox (25.02.2010, 09:31 Uhr)
Nicht käuflich, aber...
"Ein Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist nicht käuflich", sagte Rüttgers.

Genau. Aber über Miete, Leasing und Ratenzahlung wird gerne gesprochen...
Uwe650 (24.02.2010, 20:54 Uhr)
2 Möglichkeiten..
1. er hat wirklich nichts gewusst von dem Sponsoring, dann ist er aber sehr blauäugig durch die Welt marschiert und hätte ja auch mal fragen können warum er dort 10 Min für ein Gespräch hat und dort noch nicht einmal anhalten darf - soviel Rückgrat sollte ein MP schon haben.
2. Er wusste es, jetzt geht es aber mit aller Kraft um die Machterhaltung um Merkeline das regieren zu erleichtern, also lügen dass sich die Balken biegen und Bauernopfer suchen, 1 hat er schon.

Was aber bleibt ist, wenn er Arsch in der Hose hat muss Rüttgers zurücktreten. Moralisch ist er bereit als käuflich geoutet, faktisch NOCH nicht, ist aber auch nur eine Frage der Zeit.

Juris1 (24.02.2010, 20:26 Uhr)
Machen Sie es Frau Käßmann nach
Wenn Sie , lieber Herr Rüttgers, nur halb so viel Anstand hätte, wie Frau Käßmann, wären Sie schon längst zurückgetreten. Nun ist mal schnell ein Bauernopfer gefunden.
Ich finde, NRW kann auf solche Politiker gut und gerne verzichten. Und by the way: Überreden Sie dann gleich Frau Müller-Piepenkötter zugleich zum Rücktritt. Dieser ist auch schon längst überfällig!
Teoguin (24.02.2010, 20:17 Uhr)
2,2 Promille
Wenn ich vergleiche:
Herr Jürgen Rüttgers wurde mit 2,2 Promille Alkohol im Blut ans Steuer.
Wie lange sollen wir auf seine Rücktritt warten?
Be61 (24.02.2010, 19:49 Uhr)
Wusste ers - muss er gehen. Wusste ers nicht - ebenfalls
Wie verkommen ist die politische Kultur in Deutschland mittlerweile? Da wird die Zeit eines Ministerpräsidenten verkauft - welches Demokratieverständnis steht dahinter? Immerhin bezahlen wir den Herrn fürstlich für seine Arbeit! Und Drückeranrufe bei Unternehmen, denen bei Nichtspende angedroht wird, dass der Herr Ministerpräsident sich das schön merken werde, wer ihn nicht unterstützt - Bananenrepublik Deutschland?

Aber wenn der arme Herr Rüttgers nichts von der eigenen Vermietung wusste? Dann ist er in seinem Amt am falschen Platz. So einfach ist das.
Leider befürchte ich, dass die NRW-Wähler im Mai das alles schon wieder vergessen haben und wir JüRü noch weitere 5 Jahre ertragen müssen ...
Nursery (24.02.2010, 19:40 Uhr)
Keine Option
Die Phrasen dieses MP sind unerträglich und hoffe das er im Mai in die Wüste geschickt wird.
rockyciano (24.02.2010, 19:31 Uhr)
Herr Rüttgers
ist mit grosser Vorsicht zu geniessen. Ein "Meister" der Selbstinszenierung.Er spielt seine Rolle - Arbeiterführer,soziales Gewissen der CDU usw, - mit Kalkül.Versucht der Bevölkerung mit Vehemenz zu vermiteln,er würde ihre Interessen vertreten......mitnichten......er vertritt nur seine eigenen machterhaltenen und profitablen Interessen.
paolodom (24.02.2010, 18:08 Uhr)
Wie es im leben immer ist:

"Man muss nur am Fluss solange sitzenbleiben, bis die Leichen angeschwommen kommen!"

Die ueberholt doch seit vielen Jahren die SPD und will die bessere SPD sein. Nun es hat ja geklappt, aber so langsam merkt das Volk auch, was da abgeht !

Ob die noch lange so weiter merkeln ?
Hessy (24.02.2010, 17:48 Uhr)
Heuchler
Sag mir Einer Rüttgers hätte von dem Allen nichts gewusst.
Hat sejnen Generalsektritär geopfert, dass war´s.
Bis zur NRW-Wahl ist Alles wieder Vergessen.
Sozimod (24.02.2010, 17:42 Uhr)
Sprengstoff noch nicht gezündet!
Laut Spiegel wird sich die Affäire noch ausweiten, höchstwahrscheinlich ihn politisch isolieren.
Wer könnte daran Interesse haben?
DIE LINKE, SPD, die Grünen?
Nein eher die FDP, sowie die Machtinhaber der CDU Regierung(Merkel).

Als Jornalist würde ich genau dieses überprüfen.
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