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10. September 2009, 11:09 Uhr

Strafanzeige gegen Ministerpräsident Oettinger

Geldwäsche, Mafia, organisierte, Kriminalität, Baden, Württemberg, Günther, Oettinger, CDU, Casino, Spielbank, Baden-Baden

Spieltisch in Baden-Baden: Geldwäsche durch Tausch und Rücktausch nicht unterbunden© Uli Deck/DPA

Die Bundesländer verdienen gut

Wegschauen, weil der Staat satt steuerlich profitiert, habe stets die Devise geheißen, beklagt Andreas Frank. Unstrittig Fakt ist: Die Länder verdienen an den so genannten "Großspielern" - vielfach Zocker aus dem kriminellen Milieu. Immerhin kassiert das Land Baden-Württemberg - das gleichzeitig die Aufsicht über die Casinos hat - jährlich insgesamt rund 90 Millionen Euro aus der staatlichen Spielbankabgabe.

Italienische Mafia-Fahnder schütteln derweil den Kopf, wenn es um Geldwäsche-Bekämpfung in Deutschland geht. "Welche Geldwäsche-Bekämpfung?", fragte etwa Nicola Gratteri, jener kalabresische Staatsanwalt, der den Sechsfach-Mord in Duisburg ermittelt hat, mit ironischem Unterton, als stern.de vor einigen Monaten mit ihm über dieses Thema sprach. In manchen Städten, so erzählte ein Kollege Gratteris, habe die kalabresische Mafia-Organisation Ndrangheta bereits ganze Häuserzeilen gekauft, auch in Baden-Württemberg. "So wird, ganz einfach, eine Menge Geld aus Drogengeschäften gewaschen."

Wachsweiche Ausflüchte

Die Geldwäsche-Kontrolle von Spielbanken und Immobilienmaklern funktioniert nicht. Jahrelang hat Andreas Frank den Finger in diese Wunde gelegt, hat in zig Schreiben die politisch Verantwortlichen auf den Missstand aufmerksam gemacht und sie aufgefordert, endlich das Geldwäschegesetz und die EU-Geldwäscherichtlinie konsequent umzusetzen.

Er appellierte an Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Günther Oettinger, an Landesjustizminister Ulrich Goll, an den früheren Finanzminister Gerhard Stratthaus, an zahlreiche Bundespolitiker, bis hinauf zur Kanzlerin Angela Merkel. "Wenn überhaupt geantwortet wurde, dann nur mit wachsweichen Ausflüchten", sagt der ehemalige Bankdirektor, der heute als Unternehmensberater arbeitet.

Beihilfe zur Geldwäsche

Jetzt wurde Frank erneut aktiv. Seit kurzem liegt seine Strafanzeige wegen Beihilfe zur Geldwäsche bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft - gegen Ministerpräsident Oettinger und "beteiligte Personen". Der Finanzexperte verweist darauf, dass er den Stuttgarter Regierungschef seit sieben Jahren auf die bestehenden Defizite im Rahmen der Geldwäschebekämpfung in Baden-Württemberg aufmerksam gemacht habe. Dies geschah in persönlichen Treffen und zahlreichen Briefen, die Frank seinem Strafantrag beilegte. Zweimal wurde er sogar im Stuttgarter Staatsministerium zu diesem Thema gehört. Erst vor kurzem hat er Oettinger erneut schriftlich auf die unmissverständliche Aussage des Bundesfinanzministeriums hingewiesen, dass in den Bundesländern die Einhaltung der geldwäscherechtlichen Sorgfaltspflichten nicht bestehe. Der Ministerpräsident reagierte wie immer - nicht.

Bereits im April 2005, so macht Frank deutlich, habe Oettinger ihm durch einen Mitarbeiter ausrichten lassen, dass er kein Interesse habe, mit ihm über diese Themen zu reden. Die dafür zuständigen Beamten im "Ländle" fühlen sich bei Rückfragen ebenfalls nur belästigt. Justizminister Goll, im "Ländle" für Einhaltung von Gesetz und Recht bezahlt, ließ ihm sein Desinteresse über den persönlichen Referenten mitteilen. Gesetzeslücken im Bereich Geldwäsche seien Bundesangelegenheit. Eine unhaltbare Rechtsauslegung.

Brüssel wird aktiv

"Während den Bürgern für Geldwäschetatbestände harte Strafe drohen, verweigern die Verantwortlichen in Baden-Württemberg seit Jahren hartnäckig die Umsetzung der Sorgfaltspflichten nach dem Geldwäschegesetz", begründet Frank unter anderem seine jetzt bei der Staatsanwaltschaft eingereichte Strafanzeige. Ohne die Abgabe der gesetzlich verordneten Geldwäscheverdachtsmeldungen würden in den meisten Fällen Geldwäschetatbestände nicht erkannt und folglich auch strafrechtlich nicht verfolgt.

"Damit leisten die Verantwortlichen in Baden-Württemberg potentielle Beihilfe zur Geldwäsche." Die EU-Kommission wird jetzt erneut ein Vertragverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen Nichteinhaltung der EU-Geldwäscherichtlinie einleiten, wurde von der zuständigen Abteilung der EU stern.de mitgeteilt.

Von Hans Peter Schütz und Rainer Nübel
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Seite 2: Die Bundesländer verdienen gut
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
appaz (17.09.2009, 20:31 Uhr)
@admin
Der Beitrag enthielt bewusst keinerlei Argumente und sachlich sollte er auch nur am Rande sein. - Insofern war er vergleichbar mit einem hohen Prozentsatz aller bei stern.de ansonsten unberührt bleibenden Bekundungen.
Ihre "Argumentation" scheint mir daher doch sehr bemüht ...
An den immer wieder und m.M.n. zuletzt immer häufiger vorkommenden Vorwürfen, dass hier zensiert wird, ist wohl tatsächlich etwas dran.
Sorry, aber unter solchen Umständen macht es weder Sinn noch Spaß, sich zu aktuellen Themen zu äußern.
Administrator (14.09.2009, 11:13 Uhr)
@appaz
Auf unser Betreiben hin. Ihre Wortwahl war unsachlich, wir konnten keine sachlichen Argumente erkennen.
appaz (11.09.2009, 18:41 Uhr)
@ admin
Auf wessen Betreiben hin und warum wurde mein Beitrag gelöscht?
domit (10.09.2009, 17:20 Uhr)
Bananenrepublik
Wer in der Bananen Republik Deutschland lebt, darf sich nicht darüber wundern, dass er in einer Bananenrepublik lebt.
lucifer01 (10.09.2009, 17:12 Uhr)
Wette
Jede Wette, dass ganz schnell ein Bauernopfer präsentiert wird und Herr Oettinger mit "weißer Weste" davonkommt.
BiffBoffo (10.09.2009, 15:20 Uhr)
Unglaublich!
Mal wieder Unglaublich! Mir fehlen echt die Worte. Ich werde das mal beobachten was hier noch passiert. Sprich, berichte in den Medien und sonstige sachen.
Danke Stern für diesen Augenöffner :)
East (10.09.2009, 14:14 Uhr)
In einem Rechtsstaat
müsste sich Herr Oettinger vielleicht sorgen machen. In Deutschland nicht. Die Sache wird schneller abgewiesen als man Korruptionsbekämpfung aussprechen kann.
endbenutzer (10.09.2009, 13:10 Uhr)
Bravo!
Endlich mal jemand, der nicht vor der Obrigkeit kuscht. Man kann nur hoffen, dass die ganze Sache nicht doch noch auf oberster Ebene abgebügelt wird. Kommt wahrscheinlich drauf an, wer hier wieder wen kennt. Wäre ja peinlich, wenn man dem langjährigen Golfpartner auf die Füße treten müsste..
SirExekutive (10.09.2009, 12:59 Uhr)
das kommt dabei raus
wenn sich abgeordnete und regierung mehrheitlich gegen die bekämpfung der korruption entschließen.. das die mafia schon seit jahren in die politik zu ragen scheint ist nichts neues... nur funktioniert die mafia hier eigentlich ganz anders.. die "mafia" sitzt in den obersten reihen der parteien und wirtschafts/bankenlogen und üben ihre macht unter anderem durch die fraktionszwänge aus.. sie (die "kriminelle organisation") war schon an der bildung der brd beteiligt und auch an der wiedervereinigung... deutschland ist nur noch ein riesiger, korrumpierter sumpf.. wer heute noch mit diesem land in zusammenhang einer angeblich funktionierenden demokratie spricht, ist nur einer der ständigen hirnwäschen (neben der geldwäsche) und systematischer umerziehungen zum opfer gefallen... dieses land steht am abgrund.. und was macht die presse? die schielt mit absicht an den schaltstellen der korruption vorbei... sind sie doch schließlich selber in dem netzt gefangen
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