Die SPD fordert nun einen Untersuchungsausschuss. "Das ist mehr als ein ernster Vorgang", sagte der SPD-Abgeordnete Johannes Pflug. "Es ist klar, dass wir an einem Untersuchungsausschuss nicht vorbeikommen." An die Adresse Jungs gerichtet fügte er hinzu: "Es sei denn, Sie ziehen die Konsequenzen."
Abgeordnete der Linken und Grünen sinnierten ebenfalls über einen Rücktritt Jungs. "Wenn sich bestätigen sollte, dass Sie de facto den Bundestag in diesem Zusammenhang belogen haben, dann sind Sie als Minister nicht mehr haltbar - egal in welcher Funktion", sagte der Grünen-Parlamentarier Frithjof Schmidt im Bundestag. Er forderte, den Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss einzusetzen. Auch Paul Schäfer von der Linksfraktion sagte, wenn sich die Vorwürfe bestätigten, müsse Jung ebenfalls zurücktreten. "Ein solcher Minister ist entweder unehrlich oder unfähig."
Die Linken im hessischen Landtag zeigten Jung sogar wegen Strafvereitelung im Amt an. Wegen des Wohnsitzes von Jung im Rheingau ist zunächst die Staatsanwaltschaft Wiesbaden für eine solche Anzeige zuständig.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) nahm den jetzigen Arbeitsminister Jung hingegen in Schutz. "Ich gehe davon aus, dass er es nicht gewusst hat. Franz Josef Jung ist ein außerordentlich gewissenhafter Mensch. Er hätte nie und nimmer behauptet, es gebe keine zivilen Opfer, wenn er eine andere Information gehabt hätte."
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte nach Angaben aus seinem Umfeld zunächst mit "völligem Unverständnis" auf das angebliche Verhalten von Jung. Dem Parlament sagte er für die Bundesregierung Transparenz zu.
Das Verteidigungsministerium unter Jung hatte bis zum Vorliegen des Nato-Berichts offen gelassen, inwiefern Zivilisten Opfer des Angriffs wurden. Der Nato-Bericht traf am Tag des Amtswechsels von Jung zu Guttenberg in Berlin ein. Als erste hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wenige Tage nach dem Angriff erklärt, die Bundesregierung würde es zutiefst bedauern, falls es zivile Opfer gegeben haben sollte. Darauf übernahm auch Jung diese Wortwahl.