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25. April 2010, 09:56 Uhr

Sigmars Show

"Auch der SPD verdanken wir die Akw"

Auf der B431 bei Elmshorn sind Sozialdemokraten und Grüne noch unter sich. Wie gewünscht macht die versammelte Presse schöne Bilder vom symbolträchtigen Zusammenschluss der beiden Ex-Umweltminister Trittin und Gabriel. Kilometerweit reicht das Meer von roten und grünen Fahnen, Luftballons und Transparenten. Die Parteien haben hunderte Busse mit eigenen Aktivisten bestellt.

Die übrigen Protestler der unabhängigen Bürgerbewegungen sind kritischer. Nach der Menschenkette kommen sie auf dem Buttermarkt in Elmshorn zusammen, auch Sigmar Gabriel soll hier auftreten. Ein Demonstrant hat neben der Bühne ein Transparent mit giftgrüner Schrift aufgehängt: "Auch der SPD verdanken wir die Akw." Ihn ärgere, sagt der Mann, dass sich die Sozialdemokraten plötzlich an die Spitze des Protests setzten und alle anderen zu Statisten mache: "Gabriel will hier doch nur Stimmen kassieren."

Immerhin: Die erste Rede vor ein paar Tausend Menschen darf ein Aktivist der globalisierungskritischen Bewegung Attac halten. Er wettert gegen die "Arroganz der Macht", prangert Politiker der SPD und Grünen an, die sich in den Dienst von Energiekonzernen gestellt hätten: Gerhard Schröder, Wolfgang Clement, Rezzo Schlauch, Joschka Fischer. "Und auch heute sind Konzern-Büttel hier", ruft er. "Hört genau hin, was sie zu sagen haben." Nächster Redner ist Sigmar Gabriel.

Tapfer versuchen die aus Berlin angereisten Sozialdemokraten gegen das Pfeifkonzert anzujubeln. Aber Gabriel schafft das auch allein. Er ist nun nicht mehr der nachdenkliche Parteistratege aus dem Bus, sondern der leidenschaftlich attackierende Oppositionspolitiker, wie ihn die Öffentlichkeit kennt. In knapp zehn Minuten spielt Gabriel all sein rhetorisches Talent aus. Mit kräftiger Stimme beschwört er den Schulterschluss: "Sucht doch nicht immer das Trennende, sondern das, was uns verbindet", ruft er der Menge zu. "Streitet ruhig mit uns Sozis, aber lasst uns gemeinsam gegen die Energiepolitik der Bundesregierung kämpfen, die uns zurück in die 80er Jahre bringt." Die Pfiffe verstummen. Und Gabriel spricht den versammelten Elmshornern aus der Seele, als er auch noch die wirtschaftlich gebeutelte Region zum Thema macht. Die erneuerbaren Energien böten tausende neue Arbeitsplätze, die die schwarz-gelben Pläne verhindern würden. "Es geht auch um den Standort ! Norddeutschland." Die Stimmung ist in kurzer Zeit gekippt, die Menge belohnt seine fulminante Rede mit tosendem Applaus.

Und Sigmar Gabriel verspricht: "Das hier heute war erst der Anfang. Es werden noch viele weitere solcher Aktionen folgen."

Von Sönke Wiese
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