. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Januar 2010, 16:00 Uhr

Die politische Bombe tickt

Spendengelder "justizpolitisch" entsorgt

An dieser Stelle zündet Schreibers Verteidigung die zweite Stufe ihrer Prozess-Strategie: Anwalt Jens Bosbach beantragt die Zeugenvernehmung des ehemaligen Augsburger Staatsanwalts Winfried Maier. Der renommierte Münchner Jurist verweist dabei auf jüngste Aussagen von Maier in Medien, wonach er in seinen Ermittlungen im Schreiber-Komplex wiederholt behindert worden sei und dass damals Unterlagen verschwunden seien.

Die Vorwürfe sind nicht neu. Dass Winfried Maier, der als Ermittler unter anderem erheblichen Anteil an der Decodierung von Schreibers Rubrikkonten hatte, vom Münchner Justizapparat zuweilen ausgebremst worden war, hatte der heutige Familienrichter in den vergangenen Jahren immer wieder unmissverständlich anklingen lassen. Doch wieder ist es die konkrete Zuspitzung, die dem Vorstoß der Schreiber-Verteidigung eine neue Brisanz gibt: Hatte Maier Erkenntnisse darüber, dass Schreiber illegale Spendengelder an Parteien und Politiker weitergab – Erkenntnisse, die justizpolitisch entsorgt wurden?

Der Inszenierung zweiter Akt

Bosbachs Antrag löst bei der Staatsanwaltschaft Augsburg jedenfalls erkennbare Nervosität aus. Der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz schreitet vor dem Saal eilig zur kühnen Aussage, Winfried Maier sei in seinen Ermittlungen nicht behindert worden. Und es fehlten nach seinem Kenntnisstand auch keine Akten. Ob er diesem "Schauspiel" weiter beiwohnen werde, wisse er nicht. Kompatibel dazu wettert wenig später im Gerichtssaal Staatsanwalt Marcus Paintinger über "Nebelkerzen" und "wilde Behauptungen" des Angeklagten. "Wie lange wollen sie das noch durchhalten, Herr Schreiber?"

Dabei steht Schreiber ganz offensichtlich erst am Anfang – seiner Dramaturgie. Er startete mit der CSU. Und mit 1991, dem Jahr des dubiosen Fuchspanzer-Deals. Eine Fortsetzung wird folgen, das steht fest. Die Ansage ist schon mal gemacht: Aus den 24 Millionen Mark an Schmiergeldern, die beim Panzergeschäft mit Saudi-Arabien auf seine Konten geflossen waren, seien "politische Parteien in Deutschland und einzelne Politiker dieser Parteien mit Zahlungen bedacht worden", lässt Schreiber am zweiten Verhandlungstag auch noch zum Besten geben. Und seine Anwälte werden auf Anfrage von stern.de deutlicher: Es handele sich um die vier damals politisch relevanten Parteien. Also: um CDU, CSU, FDP und SPD. Ob man in den Parteizentralen, wie es in all den Jahren zuvor der Fall war, diesen Vorwurf reflexartig ins Reich der Märchen verweisen kann, erscheint eher fraglich. Schreibers Anwälte treten jedenfalls erstaunlich sicher und souverän auf. Die Frage von Journalisten, ob es konkrete Belege gebe oder ob alle möglichen Zeugen wie der ehemalige CSU-Schatzmeister Dannecker bereits verstorben seien, kontern sie auffallend gelassen: Es gebe Geschäftsbriefe, deuten sie an.

Fakt ist: Gab es direkte Schreiber-Zahlungen an Politiker, dann liefen sie über Barabhebungen. Der Fall des verurteilten Ex-Verteidigungs-Staatssekretärs Pfahls hat dies gezeigt. Der Vorsitzende Richter Rudolf Reigell greift diesen Fall auf, als er Schreiber eine Bargeldabhebung von 278.000 Mark vom 10. Dezember 1992 vorlegt. "Ist das ihre Unterschrift?" Schreiber wartet aufreizend lange, bis er antwortet: "Selbstverständlich." Viel mehr wird er an diesem zweiten Prozesstag nicht mehr sagen, er lässt reden. Und die politische Bombe ticken. Ob sie tatsächlich explodiert, ob er sie wirklich zünden kann, wird sich in den folgenden Akten seiner Inszenierung zeigen. Ausgeschlossen ist es nicht.

Von Rainer Nübel, Augsburg
Seite 1: Die politische Bombe tickt
Seite 2: Spendengelder "justizpolitisch" entsorgt
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
verifex (23.01.2010, 08:58 Uhr)
Spielchen
Schreiber will in Augsburg das Spiel weitertreiben, das er in Toronto 2002 betrieben hat vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuß. Der Untersuchungsbericht des Deutschen Bundestages ist unter http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/093/1409300.pdf abrufbar. Es geht jetzt in Augsburg nur darum, sauber zu klären, was er bekommen und was weitergegeben. Dafür wird er Beweise liefern müssen und keine Sprüche.
laeppe (21.01.2010, 14:23 Uhr)
Ich kann ergänzen
Post vom Verfassungsgericht Karlsruhe.
Leider kann das Gericht nicht tätig werden da
die 4 Wochen Frist verstrichen ist.
Fazit eine kriminelle Justiz kann munter
weitermachen und ich bin mir absolut sicher
kein Einzelfall zu sein.
laeppe (21.01.2010, 12:24 Uhr)
Lieber Administrator
ich würde lieber etwas anderes Schreiben
und gerne in einem demokratischen
Rechtsstaat leben. Doch was das hier mittlerweile in Deutschland geworden ist
kann man nur als mafiös bezeichnen.
laeppe (21.01.2010, 12:20 Uhr)
Verehrter Administrator
es ist leider so - ich habe einen lügenden
Generalstaatsanwalt dazu betrügende
Rechtsanwälte die durch die Justiz gedeckt werden. Ich bekomme es nicht in die Öffentlichkeit und habe mich jetzt an das
Bundesverfassungsgericht gewendet.
Auf Wunsch kann ich Ihnen das Aktenzeichen mitteilen.
Administrator (21.01.2010, 12:12 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

laeppe (21.01.2010, 11:52 Uhr)
@Tempelhofer
Ich bin mir absolut sicher das auf dieser
Festplatte soviel brisanz vorhanden war
das man diesen Prozess jetzt nicht angeleiert hätte. Ich bin mir auch sicher das diese
Festplatte nicht mehr auftaucht
"wenn man etwas verbummelt" dann macht man das gründlich.
Prologo (21.01.2010, 11:45 Uhr)
Parteispenden jeglicher Art müssen verboten werden.......
.......dann ist endlich Ruhe damit.

Die Politiker müssten doch selbst allerhöchstes Interresse daran haben, sich von dem Vorwurf der Bestechlichkeit zu befreien!!

Warum tun sie das denn nicht? Weil sich die Politiker so sicher sind, dass sie trotzdem wiedergewählt werden. Stimmt ja auch, siehe Schäuble. Der sitzt sogar auf der Regierungsbank, Schreiber hockt auf der Anklagebank.

Und das war der goße Fehler, den sie gemacht haben!

Mit diesem verkommenen Verhalten der Politiker wird die Korruption mehr oder weniger lagalisiert in diesem Lande !!

Es passiert ja auch keinem was. Die FDP verteidigt die Bestechung auch noch öffentlich. Ja, was wollen wir denn noch?

MfG,
T.
Tempelhofer (21.01.2010, 11:39 Uhr)
@ laeppe
Was meinen Sie, vielleicht bringt die verschwundene Festplatte des Laptops von Max Strauß hier Aufschluß ???
aliderdieb (21.01.2010, 10:48 Uhr)
schreiber und die politgangster
Sehr geehrter Herr Schreiber,
glauben Sie wirklich das Sie das überleben.
Gegen dieses Pack und seine Wasserträger, gegen diese (ZITAT Götz von.....) haben Sie
kaum keine Changse.
Das schaffen Sie nur mit Hilfe der Presse.

Spenden von Toten ?
Datum bekannt -Unterlagen sind da sicherlich noch vorhanden...wo sind die...

Herr Schreiber, räumen Sie den Miststall aus.

laeppe (21.01.2010, 10:37 Uhr)
@ eperdermis
Wenn das so ist wie Sie schreiben dann ist das eben kein demokratischer Rechtsstaat sondernn ein gekauftes System.
Dann sollten wir allerdings auch aufhören
so zu tun als wenn wir seriös wären.
Die Mafia lässt grüßen.
MEHR ZUM ARTIKEL
"Illegale Spenden" an CSU Schreiber packt aus

Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber hat in seinem Strafprozess Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an die CSU geschildert. Die "illegalen Spenden" sollen über Namen aus Todesanzeigen in die Parteikasse geschleust worden sein. Die CSU bestreitet dies vehement. mehr...

Prozessauftakt Schreiber beteuert seine Unschuld

Jahrelang hatte sich Karlheinz Schreiber der deutschen Justiz entzogen. Jetzt steht der Ex-Waffenlobbyist in Augsburg wegen Steuerhinterziehung sowie Beihilfe zum Betrug vor Gericht. Zum Prozessauftakt erklärte der 75-Jährige, an seinen Geschäften seien führende Politiker beteiligt gewesen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe