Die bewegendste Rede hält heute ein anderer. Stephan Hilsberg war in der Wendezeit Mitbegründer der Sozialdemokraten in der DDR und in kirchlichen Friedensgruppen engagiert. Er litt unter den Repressalien der sozialistischen Diktatur. Eindrücke, die er bis heute nicht losgeworden ist. "Es fällt mir schwer, meine Gedanken zum Ausdruck zu bringen und noch schwerer, meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen", sagt er, den Tränen nahe. "Es ist unerträglich, wie Gregor Gysi uns versucht, zu belügen."
Die vorliegenden Papiere legten den Schluss nahe, dass Gysi "aufs Allerengste" mit der Stasi zusammengearbeitet habe. "Wen Gregor Gysi alles bespitzelt hat, das liest sich wie ein 'Who is Who' der DDR-Opposition." Hilsberg rief Gysi und die Linke auf, sich zu ihrer Vergangenheit zu bekennen. "Tun Sie sich einen Gefallen, gehen sie in sich. Sie würden sich selbst, ihrem Gewissen und der deutschen Öffentlichkeit einen großen Dienst erweisen."
Und während weitere Redner in emotionalen Worten das Geschichtsverständnis der Linken anprangerten, Gysi zum Rücktritt aufforderten und den längst verschwundenen Oskar Lafontaine beschimpften, hatten die linken Fraktionsvertreter Besseres zu tun: Dagmar Enkelmann ließ sich Akten auf ihren Tisch bringen, Nele Hirsch schüttelte inflationär häufig den Kopf, und Gesine Lötzsch studierte Papiere, während sie sich immer wieder mit den Fingern im Auge rumpulte. Die Linkspartei in Deutschland hat wahrlich schon bessere Momente erlebt.
Die Demokratie in Deutschland aber auch - meint jedenfalls Andrej Bahro, Sohn des seinerzeit vom Anwalt Gysi vertretenen DDR-Dissidenten Rudolf Bahro. Die Veranstaltung sei ein "Tribunal" gewesen und eine der schlechtesten Stunden der Demokratie, sagte Bahro der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dass Gysi nur für seine Rede in den Bundestag gekommen sei und den Plenarsaal danach verlassen habe, sei seiner Gesundheit geschuldet. "Die jahrelange Jagd auf ihn hat ihn gesundheitlich ruiniert."