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17. September 2009, 11:42 Uhr

"Ich kenne es, vor Wut zu kochen"

Interview, Ursula, von, der, Leyen, Familienministerin, CDU, konservativ,

Als "Zensursula" kritisiert: Von der Leyen vor dem Gästehaus der niedersächsischen Landesregierung in Hannover© Michael Trippel

Der "Spiegel" mokierte sich über Ihr "Leben aus Vaseline", und "Konkret" höhnte über Ihr heimisches Glück, es handle sich um ein "niedersächsisches Idyll auf Speed"…

Ich bin sogar mit Magda Goebbels verglichen worden! Ganz am Anfang hat mich so was unglaublich verletzt. Da habe ich mich schon gefragt: Warum schreibt einer so was? Nach einer Weile habe ich gemerkt: Das macht dich kaputt, wenn du das so nah an dich rankommen lässt. Nimm es einfach zur Kenntnis.

Erst gab es für Sie nur Siege, jetzt häufen sich die Rückschläge: Trotz Elterngeld stagnieren die Geburtenzahlen, die Ausweitung des Elterngeldes für Teilzeitbeschäftigte konnten Sie nicht durchsetzen, zuletzt haben Sie mit Ihrem Gesetz zum Stopp von Kinderpornos im Netz die Internet-Community gegen sich aufgebracht. Dort verspottet man Sie inzwischen als "Zensursula". Müssen Sie jetzt das Verlieren lernen?

Wieso? Das Teilelterngeld steht im Wahlprogramm der Union. Kritik am Inhalt gab es ohnehin nicht, nur am Tempo, mit dem ich es einführen wollte. Was das Sperren von Kinderpornografie angeht, kann ich mit dem Spitznamen prima leben. Eine überwältigende Mehrheit der 40 Millionen deutschen Internetnutzer findet wie ich, dass das Sperren von Bildern vergewaltigter Kinder richtig ist. Und wenn ich aus dem Geburten-Auf-und-Ab etwas lernen muss, dann, mehr Geduld zu haben. Aber die Modernisierung der Familienpolitik ist ohne Alternative.

In der Politik findet das Kungeln und Strippenziehen oft erst spätabends beim Bier statt. Was macht dann Ursula von der Leyen?

Sie ist entweder auf einer Veranstaltung, muss also arbeiten - oder sie ist zu Hause.

Wird Ihnen das Nicht-dabei-Sein manchmal zum Vorwurf gemacht?

Mir ist prophezeit worden: Daran scheiterst du. Heute kann ich sagen: Es geht auch anders. Ich will deshalb auch vielen, vielen Frauen Mut machen: Es geht auch, ohne dass man seine Abende permanent der Politik verschreibt. Dazu muss man fleißig sein und sich zusammentun mit denen, die zu Recht sagen, Politik findet abends in diesen Zirkeln statt. Die muss man überzeugen: Ich brauche deine Hilfe. Du hast die Zeit abends. Wenn du da bist, setz dich ein für meine Sache.

Sie fremdeln mit dem Politikbetrieb, Sie sind da wie ein blonder Engel eingeflogen…

Die anderen waren sicher ein bisschen konsterniert über mich und haben sich gefragt: Was ist das denn jetzt für eine? Viele Regeln, Abläufe, ungeschriebene Gesetze habe ich nicht gekannt und gebrochen. Das stößt andere vor den Kopf. Wolfgang Schäuble, den ich sehr bewundere, hat mir oft klugen Rat gegeben, hat gesagt: Es wäre sinnvoll, Sie reden bei diesem Thema jetzt erst mal mit diesem oder jenem. Das war unglaublich hilfreich.

Politik ist oft noch ein Geschäft unter Männern. Wie schwer war es für Sie, sich durchzusetzen?

Ich habe gelernt, mich durch laute Stimme, aggressive Körpersprache und andere männliche Verhaltensmuster nicht einschüchtern zu lassen. Anfangs bin ich angeschrien worden, damit kann man Sie in heftigen Diskussionen einfach an die Wand schleudern.

Wer hat Sie angeschrien?

Männer. In hohen Positionen.

Minister?

Auch Minister.

Was tun Sie dann?

Nicht zurückbrüllen. Stimme senken. Und zum Beispiel sagen: "Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie mich jetzt hier anbrüllen. Die Rechnung vom Ohrenarzt kriegen Sie dann." Das hilft manchmal, nicht immer.

Als es um die steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuung ging, notierte Finanzministerkollege Peer Steinbrück auf der Vorlage: "Familienministerium nicht beteiligt…

Das habe ich zum Beispiel erst zu spät gemerkt. Das sind Situationen, wo man ohnmächtig und bass erstaunt dasteht. Aber ich habe daraus gelernt: Das passiert dir so schnell nicht wieder.

 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
Julwil (18.09.2009, 10:35 Uhr)
Unfassbar...
Ich bin einfach nur erschüttert, dass diese Kommentare sich auf die Inhalte beziehen und diese Ministerin auf ihr Geschlecht reduziert wird.

Unfassbar, dass dieser Interviewer überhaupt soweit gekommen ist, denn mit solchen Reduzierung aufgrund des Geschlechts sollte er wegen Diskriminierung entlassen werden.
Ein Zeitschriftenformat das sich für emanzipiert schimpft und sich mit solchen Fragen an die Öffentlichkeit traut ist wirklich einfach nur peinlich.

Stellen sie diese Fragen doch bitte mal einem anderen Minister. Fragen sie doch mal einen Mann: Haben sie kein schlechtes Gewissen ihre Kinder so lange alleine zu lassen? Oh, sie haben eine veränderte Frisur, was können wir denn jetzt erwarten? Ich glaube jeder Mann würde antworten, was denn bitteschön meine Frisur mit Politik zu tun hat. Ein solches Niveau ist der Bildzeitung zuzutrauen...

Wenn ich dieses Interview so lese und die anschließenden Bemerkungen wird einfach nochmal deutlich, worauf Frauen noch immer reduziert werden- auf Familie und Kinder- und wenn es eine Frau wagt diese verkalkten und starren Zuschreibungen zu erweichen wird sie beschuldigt sie wolle quasi etw. verbotenes, wenn nicht sogar moralisch fragliches tun.

Ich bin kein Fan der CDU, aber diese Politikerin hat viel angestoßen und vertritt Gedankengänge die nicht auf eine Zeit zurückzuführen sind die sehr weit zurückliegt und doch von soooo vielen Menschen besonders Männern herbeigesehnt wird. Die klassische Aufteilung in Heim & Außenwelt mit den typisch sterotypen Verteilungen.
Tempelhofer (18.09.2009, 07:33 Uhr)
@ lazarus06
Nehmen Sie doch bitte einmal die Kommentare der linken Unterstützer in diesem Forum zur Kenntnis: Beschimpfungen, Drohungen, Häme. Grundsätzliche Verachtung allen Andersdenkenden gegenüber. Oder überlesen Sie diese Passagen geflisssentlich ? Die LInken gebärden sich hier absolut intolerant und aggressiv. Wenn Sie damit keine Probleme haben, ist das Ihre Entscheidung. Viele auch neutrale Leser sind dagegen weniger davon angetan.
Sozimod (17.09.2009, 20:36 Uhr)
Solidarität leben
@AK_Teren:
Ich bin seit 46 Jahren ein sozial denkender Bürger. Damals vor 2002, sozialdemokratisch, heute LINKS (obwohl sch meine Ethik, Werte nicht verändert habe). Aber es gibt auch CDU Mitglieder die sich für sozial benachteiligte einsetzen. Sie nennen es christlich=Nächstenliebe. Meine Kritik zielt in erster Linie auf Bundesebene. Dort hat Frau von der Leyen, wie ihre Vorgänger versagt.
@Knilch59:
Besser kann man es nicht formulieren.
Leider haben wir es versäumt Zukunftsorientiert, Politik zu machen. Solange die Wirtschaft die Politik bestimmt, wird es keine mittelfristige, vom Verstand geprägte Politik geben.
Gewinnmaximierung muss aus dem Vokabular gestrichen werden. Bismark hat schon damals erkannt, das die Familien für jede Nation wichtig ist.
lazarus06 (17.09.2009, 18:53 Uhr)
@Tempelhofer Als Demokrat lasse ich natürlich jedem seine Meinung und Ansichten ,
Aber ,nichts für Ungut ,Ihre Scheuklappen müssen gigantisch sein.Und das sagt jetzt einer der bis Ende Kohl Ära CDU gewählt hat weil Mittelständiger Unternehmer.Nach dem "Bimbes" waren die für mich gestorben.
40901 (17.09.2009, 17:22 Uhr)
Fassungslos!
Diese ´Beiträge´ lassen mich fassungslos zurück!
Leben wir im Jahrs 2009? So einen gequirlten Unsinn schreiben hoffentlich nur Männer, aber ich bin peinlich berührt auch dieser Gattung anzugehören. Wie ist unser Land doch verblödet. Haben wir denn gar nichts gelernt aus den zurückliegenden Jahren und gesellschaftlichen Diskussionen? Ist denn hier kein Mann, der Töchter hat und diese erzieht zu selbstständigen, selbstbewussten? Sollen die alle Kanonenfutter für solche Ignoranten sein?
knilch_59 (17.09.2009, 15:46 Uhr)
Tolle Frau, aber weder Vorbild noch die richtigen Ansichten
Ausdrücklich gut finde ich, was Frau von der Leyen mit ihrem Leben macht. Sie kann sich selbst verwirklichen und bekommt sogar noch eine gewisse work-life-balance hin, Glückwunsch und Bewunderung. Aber als Vorbild und Blaupause taugt das nicht, und das macht sie auch als Familienministerin fragwürdig. Zum Einen: Man darf nicht vergessen, dass viele gar kein Leben auf der Überholspur wollen und sich nicht in diesem Hochleistungskorsett sehen. Nicht, dass die es nicht könnten, aber die begreifen sich nicht als Familienmanager, also sollte man auch gar nicht versuchen denen einzureden, dass sie das gefälligst zu sein haben! Aber mit diesem Bild polarisiert sie: Ist jemand, der sich in seinem Beruf nicht selbst verwirklicht sieht, sondern einfach gut funktioniert, schon ein halber Looser und aufgerufen, seinen Status zu ändern? Und damit kommen wir zum Kernstück ihrer Politik und ihres Weltbildes: Da hat ? insbesondere Frau ? gefälligst Erwerbsarbeit zu leisten und dafür zu sorgen, dass man Familie noch irgendwo mit unterbringt, weil man sonst unvollständiger Mensch ist. Und das soll Vorbild sein für die vielen Leute in den einfachen Berufen? Und damit kommen wir zur Politik, die sie vertritt: Elternzeit ist nur was für solche Leute: der Verkäuferin bei Schlecker wird schon klar gemacht, dass Familie nicht das Problem des Arbeitgebers sein kann und der liebenswerte Meister des Handwerksgesellen wird seinem Mitarbeiter was husten, wenn der von work-life-balance erzählt und dass heute um 4 Feierabend ist, weil der Kindergarten nur bis 5 Uhr auf hat. Die in den einfachen Jobs können sich ? auch dank der Politik von Frau von der Leyen - nicht wirklich entscheiden, weil Familie mit Kind absolutes Armutsrisiko darstellt. Für die waren zwei Jahre Erziehungsgeld besser! Aber nein, man musste ja den Zeitraum kürzen und die staatlichen Leistungen noch mehr vom früheren Einkommen abhängig machen. Jetzt können sich die studierten Cabrio-Fahrerinnen sogar ein Kind leisten, die junge Verkäuferin Anfang 20 aber garantiert keins mehr. Und deshalb muss diese Frau aus diesem Amt weg! Sie ist eine komplette Fehlbesetzung, auch wenn ihre persönliche Leistung bewundernswert ist.
DasBertl (17.09.2009, 15:34 Uhr)
Wir alle
können am 27. September dafür sorgen, dass die gute Frau wieder mehr Zeit für ihre Kinder hat... und dann auch mal Musik machen kann ;)

Zensursula hat sich das verdient... und wir haben sie nicht verdient. Ihre Pläne zur Internetzensur kann sie gern an den Iran oder China verkaufen... achso, stimmt... aus den beiden Ländern stammt ja das Konzept. Kinderpornoghrafie im Netz LÖSCHEN und nicht einfach nur mit einem Stoppschild bedecken, hinter das jeder schauen kann. Polizisten halten bei einer Vergewaltigung ja auch kein Leinentuch davor, damit keiner die bösen Szenen sehen muss sondern schreiten ein!
Ak_Teren (17.09.2009, 15:13 Uhr)
@Sozimod
Das christlich habe ich jetzt nicht in erster Linie auf die Partei bezogen, sondern eher allgemeiner gesehen.
Und da ist die Behauptung, das christlich = Nächstenliebe doch etwas hoch gegriffen.

Wenn ich das schreiben würde, was ich von der Nächstenliebe der CDU halte, wäre mein Posting in 3 Minuten gelöscht ;)
Sozimod (17.09.2009, 14:49 Uhr)
Da fehlt wohl was
@AK_Teren:
@Bebuquin:
Lies meinen Bericht bitte in Ruhe und sorgsam!
CDU, dass C steht für christlich=Nächstenliebe. Das finden wir in der jetzigen Bundespolitik "nicht" wieder.
Keine Lobhudelei für Frau von der Leyen. Lesen Sie bitte meine anderen Kommentare, dann hätten sie es sofort verstanden.
An dieser jetzigen Regierung, sowie die vorherigen, der letzten 27 Jahre, kommentiere ich sicherlich nicht positiv. Auswirkungen ist Abhängigkeit von den USA. Unser Bildungssystem, sowie Kriegspolitik, sowie Zerstörung der bewährten Sozialversicherungssysteme, sowie Umweltschädliche Politik, made in USA. Das Europa und die USA lobten noch in den 90ern unser Sozialsystem. Sie lobten wie sauber unser Land war. Gras gemäht, Abfall beseitigt. Schaut euch doch mal um.
Bebuquin (17.09.2009, 14:14 Uhr)
@ Sozimod
"CDU, dass C steht für christlich=Nächstenliebe."
--> Na da passen sie aber gut zu dieser Frau von der Leyen. Die glaubt ja auch, dass sich unser GG an den 10 Geboten orientiert.
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