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5. März 2010, 20:13 Uhr

Erst 2012 wieder freie Fahrt

Vereiste Gleise, kaputte Achsen, schlampige Wartung - die Bahn kommt seit Monaten nicht aus den Schlagzeilen. stern.de hat "Pro Bahn"-Chef Naumann gefragt, wie lange wir uns noch mit der Problembahn rumschlagen müssen.

Wer ist denn nun schuld: die Hersteller oder die Bahn?

Das lässt sich nur schwer von Außen feststellen. Aber Siemens und Bombardier haben Verträge mit der Bahn abgeschlossen. Und wenn ein Hersteller einen zweistelligen Millionen-Betrag von sich aus in die Hand nimmt, um die Probleme zu beheben, wird das seinen Grund haben. Die Industrie würde niemals solch ein Angebot machen, wenn sie sicher wäre, dass sie keine Schuld trifft.

Das Verkehrsministerium plant eine Gesetzesänderung: Die Hersteller sollen stärker in die Pflicht genommen werden. Gute Idee?

Mit Sicherheit. Es kann nicht sein, dass Unternehmen Fahrzeuge ausliefern, die nicht funktionieren. Es muss ein transparentes Zulassungsverfahren für die Fahrzeuge geben, das einmal stattfindet und das muss dann reichen.

Ist Bahnchef Rüdiger Grube eigentlich ein Fortschritt im Vergleich zu Hartmut Mehdorn - aus Verbraucherperspektive betrachtet?

Herr Grube ist jemand, der ausgesprochen ausgleichend wirkt. Ob er den nötigen Drive hat, alles durchzusetzen ist eine andere Frage. Aber zumindest hat er das Klima der Beziehungen zu Kunden und Politik deutlich entschärft. Insofern ist er keine schlechte Wahl.

Die Bahn zuletzt im Dezember die Preise erhöht - wird es dieses Jahr Erhöhungen geben?

Natürlich sind Preiserhöhungen sehr ärgerlich, aber da lässt sich nicht viel machen. Autofahren wird auf Dauer ebenfalls sehr viel teurer. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Mobilität Geld kostet - das ist ja auch kein Grundbedürfnis wie Wasser und Brot. Natürlich gibt es beispielsweise im Nahverkehr Blödsinnigkeiten in den Tarifen, aber im Großen und Ganzen ist die Preispolitik in Ordnung.

Dafür werden dann vielleicht die Preise im Zugrestaurant niedriger.

So schlimm finde ich die nicht mehr. Ich kann dort zwischen acht und zwölf Euro ein vernünftiges Essen bekommen, das zahle ich in jedem Restaurant. Ein halber Liter Cola kostet rund 3 Euro. Die Qualität der Versorgung ist sogar wesentlich besser als bei mancher Airline.

Was essen Sie denn am liebsten in der Bahn?

Den Salat mit Körnern, oder den Salat mit Schinken und Käse. Und ich trinke grünen Tee. Die haben da einen sehr guten grünen Tee. Das Wasser im Restaurant ist meist nicht heiß genug für schwarzen Tee, aber ideal für grünen. Der wird nämlich bei 80 Grad gebrüht.

Interview: Lutz Happel
Seite 1: Erst 2012 wieder freie Fahrt
Seite 2: Wer ist denn nun schuld: die Hersteller oder die Bahn?
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
tannebaum (08.03.2010, 10:58 Uhr)
ich kann es nicht mehr hören...
...was war denn an der bahn früher besser??? waggons dreckig, sitze aufgeschlitzt, personal maulig, völlig unmotiviert und tierisch unfreundlich...

bei verspätungen ist man den bahnsteig hoch und reunter, denn keiner sagte was. keiner hatte ne info oder das bedürfnis, diese rauszurücken.

die gleise am bahnsteig waren dreckig, alte kaffeebecher und verpackungsmüll und dergleichen türmten sich.

vor jedem bahnhof eine horde junkies, zweilichtige gestalten, die toiletten unbenutzbar.

dafür hatte die bahn hundertausende staatsdiener in lohn und brot. helmut schmidt sagte schon damals: die deutschen müssen sich entscheiden. bahn oder bundeswehr. beides ist nicht bezahlbar....

jedes jahr milliarden an steuergeldern wurden da reingepumpt, aber es verbesserte sich nichts.

und heute??? so sauber und pünkltich war sie noch nie. die ice-flotte ist das beste in europa, aber alle meckern. alte, unrentable strecken sind tot, aber alle jammern. das familienticket ist billiger als das sommerticket damals, aber alle meckern. von hamburg nach berlin in etwas mehr als ne stunde und nicht mehr drei, aber alle meckern.

ja, es gab auch probleme im mamagement. aber die bahn muss heute keine milliarden vom staat mehr bekommen und fährt dennoch. und das gar nicht mal so schlecht.

das ewige nur genörgel und gejammer kotzt einen an!!!!
budbundy69 (06.03.2010, 10:41 Uhr)
Hauptsache Mehdorn ist schadefrei gestellt und kann sich über einen Chauffeur und 330.000 Euro "Rente" freuen
Die Idioten, die ihm diesen Luxus finanzieren können ja gerne morgens im Schnee frieren.
VolkerRockel (05.03.2010, 23:18 Uhr)
Gedanken zur Dimension des eigentlichen Problems..
?In der konsolidierten Bilanz der DB und der DR vom 31.12.1993 wird ein Anlagevermögen von (umgerechnet) 56,7 Mrd.Euro ausgewiesen; in der Eröffnungsbilanz der DB AG zum 1.1.1994 stehen nur noch 13,3 Mrd.Euro. Das Primon-Gutachten nennt dies eine ?drastische Korrektur des Anlagevermögens? (S.56). In der Realität hat die DB ?über Nacht? keineswegs 43,4 Mrd.Euro, entsprechend 76,5% ihres Anlagevermögens verloren. Tatsächlich handelt es sich hier um Bewertungen im Zuge der Neugründung der DB AG, die mitnichten die Realität spiegeln.? (Zitat aus Karl-Dieter Bodack: Stellungnahme zur Privatisierung der DB AG, Anhörung von Sachverständigen zum PRIMON-Gutachten im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages am 10. Mai 2006, unter 2.2. Hinweis des PRIMON-Gutachtens)

Bewertet man aber nicht nur das Anlagevermögen derart zurückhaltend (und verzichtet man zusätzlich auf die Aktivierung von Baukostenzuschüssen und zinslosen Darlehen des Bundes?), entsteht natürlich eine immer größer werdende Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Wiederbeschaffungswert und dem buchhalterischen Wert.


D.h., wenn sich der Buchwert - unter Berücksichtigung der Abschreibungsdauer - von dem Wiederbeschaffungswert derart wesentlich unterscheidet, entsteht zwangsläufig auch ein verfälschtes Bild darüber, in welcher Höhe tatsächlich Aufwendungen notwendig sind um das Anlagevermögen zu erhalten! D.h. der tatsächliche Werteverzehr würde nicht ausreichend beachtet!


Mithin kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass auf Basis des aktuell (zu niedrig?) ausgewiesenen Anlagevermögens der DB AG, sich zukünftig ohnehin ein wesentlicher höherer Erhaltungsaufwand ergeben könnte, wenn man mit einbeziehen würde, dass der Wiederbeschaffungswert tatsächlich wesentlich höher läge, als das ausgewiesene Anlagevermögen den Anschein erweckt!

Hierzu ein ergänzendes Zitat aus dem Plenarprotokoll vom 30.05.2008, 17350 des Abgeordneten Uwe Beckmeyer: ?Wir werden ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen haben, das das gesamte Schienennetz mit einem Wert von 180 Milliarden Euro Wiederbeschaffungswert besitzt, das die Bahnhöfe?.?.

D.h., würde man von diesem benannten Wiederbeschaffungswert - unter Berücksichtigung der Abschreibungsdauer - ausgehen, läge vermutlich der real notwendige Erhaltungsaufwand für das Schienennetz (allein um den status quo beizubehalten!), beträchtlich über dem, was derzeit durch die DB AG bzw. über die Bezuschussung durch den Bund für den Erhalt aufgewendet wird!

Es ist also nicht auszuschließen, dass es offensichtlich bereits jetzt weiterer erheblicher zusätzlicher Mittel des Bundes bedarf um die Funktionsfähigkeit des Schienennetzes auf einem akzeptablen Qualitätsniveau zu erhalten!- Aber offensichtlich wird durch die Politik derzeit vermieden dieses auch klar und deutlich gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren!?


Interessant in diesem Zusammenhang auch eine Studie der DIW Berlin "Wegekosten und Wegekostendeckung des Straßen- und Schienenverkehrs in Deutschland im Jahre 2007, Zusammenfassung des Endberichts? Vorgelegt am 16. 10. 2009 in Berlin, Wegekosten und Wegekostendeckung des Straßen- und Schienenverkehrs in Deutschland im Jahre 2007" (aktueller Fund!). Hier insbesondere der Hinweis auf Seite 12 (Zitat): "Damit standen den gesamten Wegekosten der Deutschen Bahn AG von 10,6 Mrd. Euro volkswirtschaftliche Wegeeinnahmen von 4,9 Mrd. Euro gegenüber. Davon entfielen 4,3 Mrd. Euro, also annähernd 90 %, auf den Personenverkehr, wovon wiederum rund drei Viertel vom Personennahverkehr aufgebracht wurden."


Mithin dürfte die Problematik den verantwortlichen Politikern ausreichend bekannt sein! Bislang hat sich aber (außerhalb der Privatisierungsdiskussion) offensichtlich keiner die Frage gestellt, welche Konsequenzen diese Tatsache für den Erhalt des Schienennetzes der DB AG mittefristig und langfristig hat!?


Und die sehen makaber aus! Wenn der DB AG nicht ausreichend Gelder über die Bezuschussung des Bundes zugeführt wird bzw. die Wegeiennahmen nicht kostendeckend sind, besteht die Gefahr, dass ein Erhalt des Schienennetzes auf vergleichbar hohem Level - wie bis zur Bahnreform - schlichtweg nicht mehr möglich ist!
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