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9. März 2009, 13:16 Uhr

Scholz & Friends & CDU

Aufträge auch vom Familienministerium

Auch Ursula der Leyens Familienministerium hatte viel für das Unternehmen übrig. Es betraute Scholz & Friends erst mit einem Werbeauftrag für die von der Ministerin propagierten Mehrgenerationenhäuser. Dann folgte Mitte 2008 ein PR-Etat für das Programm "Aktiv im Alter". Die Auftragssummen hält das Familienministerium geheim, weil das "geschäftliche Interessen" der beteiligten Agenturen berühre.

Wenig transparent waren schon die Vergabeverfahren, mittels derer die Agentur an die Aufträge kam. Obwohl Bundesministerien normalerweise schon bei einem Auftragswert von 137.000 Euro offen ausschreiben müssen, wählten die Häuser von Schavan und von der Leyen stets das so genannte Verhandlungsverfahren. Das ist - bei einer EU-weiten Veröffentlichung - das Äquivalent zur freihändigen Vergabe. Die Fraunhofer-Gesellschaft vergab den Jubiläumskontrakt sogar im "beschleunigten Verhandlungsverfahren" - ganz so, als ob der sechzigste Geburtstag für die Forscher irgendwie überraschend gekommen wäre. Nein, der Fraunhofer-Vorstand habe die Beschaffungsentscheidung "mehrfach verschoben" und das erkläre den Zeitdruck, erläuterte ein Sprecher.

Die Behörden beriefen sich regelmässig auf geltende Ausnahmebestimmungen in den Ausschreibungsregeln. Verhandlungsverfahren seien "ausnahmsweise" möglich, wenn die "Spezifikationen" der Leistung "nicht hinreichend genau festgelegt werden können", argumentierte etwa das Bildungsministerium.

Der Preis der Angebote firmierte im Hause Schavan überdies regelmäßig nur als drittwichtigstes Kriterium. Wichtiger waren Kreativität und Professionalität, und damit - so geht es aus den Vergabeunterlagen der beiden Ministerien hervor - habe die Agentur gepunktet.

Schon vor zwei Jahren hatte die "Süddeutsche Zeitung" eine geplante Vergabe des von Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm (CSU) geführten Bundespresseamtes angeprangert. Eine Tochterfirma der Agentur namens Pergamon sollte einen Zwei-Millionen-Auftrag erhalten. Doch die Vergabekammer des Bundeskartellamtes rügte, dass Pergamon gar nicht erst zum Wettbewerb hätte zugelassen werden dürfen.

Erfolg in CDU-regierten Ländern auffällig

Auffällig erfolgreich ist die Agentur auch in CDU-regierten Bundesländern. Für die Landesregierung von Baden-Württemberg kreierte die Agentur den berühmten Slogan "Wir können alles. Außer hochdeutsch". Immerhin waren damals auch Nicht-Christdemokraten in der Jury und votierten ebenfalls für Scholz & Friends. Jüngst setzte sich die Firma auch im CDU-Land Nordrhein-Westfalen durch und ergatterte den Etat für eine neun Millionen umfassende internationale Imagekampagne für den Standort NRW. Slogan hier: "We love the new." Die Firma habe schlicht die "beste Konzeption" vorgestellt, verbreitete das Ministerium. Ende vergangenen Jahres war Scholz & Friends erneut in Düsseldorf erfolgreich. Nun soll die Agentur unter Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) auch eine "Kommunikationskampagne zur Förderung von Gründergeist und Unternehmertum" ausrichten. Wert: 2,95 Millionen.

Bewunderer haben die Werber auch weiter östlich, in der sachsen-anhaltinischen Landesregierung in Magdeburg, die ebenfalls von der CDU geführt wird. Unter der Ägide des dortigen Kultusministeriums vergaben die ostdeutschen Bundesländer im Juni 2008 eine Imagekampagne für die ostdeutschen Hochschulen an Scholz & Friends.

Der Zuschlag für Scholz & Friends sei einstimmig gefallen, unter Beteiligung der SPD-Vertreter in der Jury, versichern Teilnehmer. Die Wettbewerbsarbeit von Scholz & Friends habe schlicht "die aus der Aufgabenstellung resultierende Herausforderung am besten" aufgegriffen, sagt eine Sprecherin des Ministeriums in Magdeburg. Wert des Auftrages: 9,9 Millionen.

All das habe "null" mit der CDU-Nähe von Leuten wie Heilmann zu tun, verteidigt man sich in der Agentur. Habe nicht auch das Berliner Verkehrsministerium unter Wolfgang Tiefensee (SPD) einen Zwölf-Millionen-Kontrakt an Scholz & Friends vergeben? Übrigens ebenfalls im wenig transparenten Verhandlungsverfahren.

Eine andere Berliner PR-Firma bewirbt sich gar nicht erst

Mitbewerber in der PR-Branche wundern sich trotzdem über die Erfolgswelle der Konkurrenten. Der Chef einer Agentur hörte nach eigenen Worten von seinen bisherigen Ministerialkunden, weitere Verträge mit ihnen seien "politisch nicht erwünscht". Eine andere Berliner PR-Firma hat - so sagt es einer der Geschäftsführer - beschlossen, sich bei den meisten CDU-geführten Bundesministerien gar nicht mehr erst um Aufträge zu bewerben. Es sei die Kosten einfach nicht wert.

Allein das Konzept für die Bewerbung um einen Ministerialvertrag verschlinge "zwischen 20.000 und 40.000 Euro, für die es keinerlei Erstattung gibt", sagt Gregor Blach von der Agentur We Do. "Wenn man dann im Nachhinein hört, dass die ganze Arbeit umsonst war, weil die Spitze eines Hauses ihre favorisierte Agentur durchgesetzt hat, dann ist das schon sehr frustrierend und natürlich auch finanziell eine Belastung. Da wird zugunsten einiger weniger richtig Geld verbrannt."

In der PR-Branche sei man einfach notorisch futterneidisch, hält ein Szenekenner dagegen. "Wir kriegen überhaupt viele Aufträge", argumentiert ein Manager von Scholz & Friends.

Zumindest der Auftrag des SPD-geführten Verkehrsministeriums an Scholz & Friends überzeugt nicht alle Konkurrenten von der Überparteilichkeit der Agentur. Das sei noch lange kein Beleg, behauptet ein bekannter Berliner PR-Mann: "Das liegt an der Naivität von Tiefensee."

Von Hans-Martin Tillack
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KOMMENTARE (10 von 18)
 
Nordlich26 (12.03.2009, 16:42 Uhr)
Regierungs-PR ist Bullshit und Reporter-Korruption
Als man die Regierungs-PR unter Schröder einführte, erzählte man uns, dass man gute Politik mache, aber auch wolle das diese endlich wahrgenommen werde. Heute ist es so, dass man Monate nachdem sowieso überall bekannt ist, dass es einen Post-Mindestlohn gibt Motive einer seichten Regierungskampagne in der Zeitung findet, auf denen einem dann erklärt wird, man müsse eine oberflächliche Webseite besuchen, wo dann sehr euphorisch das steht, was man Monate zuvor eh schon im Stern und der Tageszeitung gelesen hat. Das ist Bullshit.
Außerdem sichert sich die Regierung mit den Regierungskampagnen zwangsläufig Einfluss bei den Medien. Berichtet jemand schlecht, wird derjenige gar nicht oder weniger gebucht. Schließlich arbeiten auch in den Presseabteilungen der Ministerien viele Ex-Agenturleute. Haben wir ja 2007 gesehen beim Skandal um PR des Wirtschaftsministeriums: Anzeigen nur gegen Berichterstattung....
Und auch die Agenturen versuchen sich die Ministerien warm zu halten: auffallend hübsche Frauen betreuen viele Auftraggeber. Auch ich hatte mal die Bekanntschaft. Und ich gebe hier einfach mal eine Schlagzeile vom Juni 2008 wieder: "Kokain, Sex mit Verhandlungspartnern: Das US-Innenministerium wird von einem schlüpfrigen Skandal erschüttert"
Und wem die Kosten für die Pendelei von ca. 5-10 Millionen im Jahr für Bonn-Berlin stets ein Dorn im Auge waren, der sollte sich mal damit beschäftigen, wieviel neuerdings jedes Jahr (!) für PR-Agenturen ausgegeben wird. Das war in Bonn nicht so. Da hat man für das Gemeinwesen wertvolle Verbraucherschutzorganisationen gefördert, anstelle Bullshit-PR zu unterstützen. Wir reden hier in den vergangenen 5-6 Jahren zusammengefasst von mehr als einer halben Milliarde (!) Euro. Halten Sie sich aber ruhig am Berlin-Bonner Beamtenshuttle auf. Schließlich ist auch das nichts anderes als eine Kampagne von Hauptstädtern, die sich die Arbeitsplätze aus Bonn sichern wollen. PR ist alles in der Berliner Republik.
utospatz (11.03.2009, 00:37 Uhr)
Was für ein armes Reiches Land!
Hat irgend ein Idiot solche Arschlöcher gewählt?
War die Kanzlerin eventuell in einer Schule wo die Scheißhausschüssel mit Urinstein behaftet, schon beim Schnuppern ihr die Kohlsche Nase verbogen? 82 millionen Bürger kannst du nur von Oben nach Unten demolieren!
gagarin (10.03.2009, 23:38 Uhr)
Geschickter Schachzug?
Sympathie unter Parteifreunden und die hohe Kreativität sind zwei naheliegende Gründe für die gehäufte Auftragsvergabe an S&F. Ein weiteren Vorteil hat der stern vielleicht übersehen: Werden alle wichtigen Etats an einer Stelle platziert, lässt sich auch die Regierungskommunikation bequem am mit Sozis versuchten Bundespresseamt vorbei koordinieren ohne dazu einen kostenspieligen Apparat im Konrad-Adenauer-Haus aufbauen zu müssen.
utospatz (10.03.2009, 16:31 Uhr)
Selbstverständlich ist dieß
Alles Parteibuch-Gemäß!
Wie viele Kriminelle in dieser Republik soll ich denn suchen?
Ein jeder Trottel der heut geht zur Wahl, war von Geburt an schon verarscht, christlich, und sozial Allemal!
Adabei (10.03.2009, 09:54 Uhr)
Nicht normal für Ministerien
Klar ist es vollkommen normal, dass man gute Dienstleister weiterempfiehlt. Aber ein Ministerium arbeitet mit Steuergeldern und ist deswegen verpflichtet, sich an vorher festgelegte Regeln für die Vergabe von Aufträgen zu halten. Diese Regeln sehen eben nicht vor, dass einfach fröhlich weiterempfohlen wird, sondern es gibt eine offizielle Ausschreibung, bei der alle teilnehmenden Agenturen Chancengleichheit haben sollen. Wenn dies von vorne herein ausgeschlossen ist, verkommt der gesamte Pitch zur Farce und der Verschwendung von Steuergeldern sind mal wieder Tür und Tor geöffnet. Mal abgesehen von den Kosten, die den am Pitch beteiligten Agenturen entstanden sind.
g3cd (10.03.2009, 09:33 Uhr)
PS: Vergaberecht
Nicht die billigste Werbung ist die beste Werbung. Es ist unsinnig, hier rein auf das "Vergaberecht" zu pochen und einen Millionenetat dann an eine Klitsche zu vergeben, die billig ist, aber die Kampagne in den Sand setzt.
"Zum goldenen Hirschen" ist eine wahnsinnig kreative, mutige, "junge" Agentur mit gleichzeitig einem hochprofessionellen Anspruch. Wäre ich bei den Grünen, würde ich auch lieber zum Hirschen als zu McCann-Erickson gehen.
Nein, ich arbeite nicht für Scholz & Friends oder den Hirschen. Und ich würde auch nicht für die CDU arbeiten.
g3cd (10.03.2009, 09:26 Uhr)
Vollkommen normal
Ich arbeite seit 18 Jahren in der Werbung, lange Zeit davon freiberuflich und ich finde das alles vollkommen normal: ich kam bislang an so gut wie alle Aufträge ausschließlich durch Empfehlungen. Da kannte jemand jemand und der meinte, man solle es doch mal mit mir probieren. Und wenn der Job dann gut gelaufen war, bekam ich Folgeaufträge.
Warum soll das bei Scholz & Friends anders sein? Wenn sie gute Arbeit machen, wenn sie mit dem Kunde harmonisieren und gut klarkommen, wenn die Kampagnen erfolgreich sind und die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert ... dann vergibt man eben auch Folgeaufträge. Oder redet mit Freunden darüber, wie gut das gelaufen ist und empfiehlt die Agentur weiter. Egal, ob man jetzt CDU, Tchibo oder Snickers heißt.
Und zum Jubiläum des Max-Planck-Instituts: DOCH, es ist so, dass solche Jubiläen immer vollkommen überraschend geschehen und keiner daran gedacht hat. Häufig wird ein Unternehmen erst durch einen Hinweis seiner Werbeagentur darauf aufmerksam, dass "dieses Jahr doch der 60. ins Haus steht". Sowas passiert andauernd. Vollkommen normal.
Prato61 (10.03.2009, 09:20 Uhr)
Verschwendung von Steuergeldern
Ich verstehe die Aufregung nicht. Wie es die derzeitge politische Großwetterlag in Deutschland eindeutig beweist, schafft es auch die tolle Agentur Scholz&Friends nicht, die CDU-Politkier in das rechte Licht zu rücken. Wie auch? So ein gewaltiges Unterfangen setzt bei den Protagonisten einen gewissen Unterbau an Intellekt, Intelligenz und nicht zuletzt ein Minimum an sozialem Gewissen voraus.....
Das einzige was hier nervt, sind die immensen Steuergelder, die für dieses unsinnige Unterfangen durch den Kamin gejagt werden. Aber an derartiges haben wir uns ja inzwischen gewöhnt.
O Herr, lass Hirn regnen!!!!! Nie war es so wertvoll wie heute!!!
Adabei (10.03.2009, 07:10 Uhr)
Überfälliger Artikel
Schön, dass das Treiben endlich zur Sprache kommt, geht ja schon jahrelang so. Wie sich hier über Vergaberecht hinweggesetzt wird, ist wirklich erstaunlich. Wahrscheinlich ist es einfach nur naiv zu glauben, Regierungsbehörden müssten sich bei Auftragsvergaben regelkonform verhalten.
audio001 (09.03.2009, 22:54 Uhr)
Gut so!
Alles hat ein Ende;- nur die Wurst hat zwei!
Wer Transparenz will, wird Transparenz ernten!
Gut so!
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