
Die Welt(kugel) immer im Blick: Frank-Walter Steinmeier beim stern-Gespräch© Peter Rigaud
Das letzte Mal im Kino auf der Berlinale, beim Jugendfilm "Die Vorstadtkrokodile". Mario Adorf neben mir hat auch eine kleine Träne verdrückt.
Ich kann nicht immer alles sagen, was ich weiß. Aber ich halte mich an mein Prinzip: Das, was ich sage, muss stimmen.
Natürlich muss man sich als Außenminister ab und an taktisch verhalten, vor allem bei Gesprächspartnern, die es schwerer haben, mit der Wahrheit umzugehen. Das ist aber kein Lügen.
Ich bin zwar kein ganz fleißiger Kirchgänger, aber ich glaube schon, dass da eine Kraft ist, die größer ist als der einzelne Mensch. Und ich glaube, dass daraus auch viel Gutes entstehen kann.
Nicht in dem naiven Sinn, dass wir uns alle irgendwo wiedertreffen und in weißen Kleidern spazieren.
Wer will das nicht?
und Ihrer Tochter. Das habe ich auch so verstanden.
nur wenige Stunden pro Woche, im Wahlkampf wohl noch seltener.
Ich mache ja nicht Politik, um sie nicht zu sehen. Das ist eine Riesenbelastung für uns drei. Natürlich hätten wir gerne mehr Zeit füreinander, auch für längere Urlaube. Wir versuchen, wenigstens einen Tag am Wochenende gemeinsam zu verbringen.
Ne, sagt sie nicht.
Weniger, als die meisten denken. Und wenn doch, dann würde sie das niemals zugeben. In ihrer Schule und bei ihren Freunden spielt es auch keine Rolle, dass ihr Vater Außenminister ist. Das freut mich.
Meine Frau würde sagen: viel zu wenig.
Ich habe in 20 Jahren Politik sehr bewusst darauf geachtet, nicht zynisch, nicht abgebrüht zu werden. Wer das vermeidet, bleibt sicher empfindlich. Ich sehe das nicht als Nachteil.
Angst ist meistens kein guter Ratgeber. Aber wer Angst nicht kennt, kennt auch nicht die Verantwortung, die wir tragen - nicht nur in Krisenzeiten.
Als Außenminister kommt man oft mit ernsten Meldungen über Kriege, Krisen und Geiselnahmen durch das Fernsehen in die Wohnzimmer der Menschen. Dadurch entsteht vielleicht der Eindruck eines stets ernsten Typen. Wer mich kennt, weiß: Ich bin gerne unter Freunden und lache viel.
Der Kauf unseres Hauses in Berlin.
Ne. Keine Zeit.
Mein Einkommen ist so, dass wir nicht am trockenen Brotkanten herumkauen. Das ist ein gutes Gefühl. Aber ich bin nicht auf der Jagd nach dem großen Geld.
Die Erwartungen werden größer. Ich versuche, meine Familie so weit wie möglich aus dem politischen Geschäft und den Medien herauszuhalten. Ich selbst kann mich den Fragen nicht entziehen
Meine Tochter ist für die Öffentlichkeit tabu. Meine Frau legt Wert darauf, dass sie selbst entscheidet, wann sie öffentlich ist.
Na klar, wir wollen stärkste Partei im Bundestag werden.
Sie haben doch meine Antwort gehört. Ich kann nur raten: abwarten. Abgerechnet wird am 27. September.
Die SPD hat schwierige Jahre hinter sich, da gibt es nichts schönzureden. Wir hatten viel Hader und Kleinkrieg. Franz Müntefering und mir ist es in den vergangenen Monaten gelungen, eine Geschlossenheit hinzukriegen, die uns kaum jemand zugetraut hat. Bis zur Wahl liegt aber noch viel Arbeit vor uns, das wissen wir beide.
Sodass ich es bleiben möchte? Ha, Falle! Bewerber für meine Nachfolge gibt es jedenfalls schon genug ...
Also: Ja.
Ich trete an, um Bundeskanzler zu werden, und das mit vollem Ernst und vollem Einsatz.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 12/2009