
Kurt Radokan: 100 Kilometer am Tag sind drin (Archivbild)© Thomas Frey/DPA
Wer?
Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, mit Ehefrau Roswitha
Wohin?
An die Mosel. Nach Cochem, wo sich der Fluss besonders idyllisch windet. Schön übersichtlich. Viel Fachwerk, viel Natur. Fast schon kitschig. Braucht man von Mainz nur anderthalb Stunden mit dem Wagen hin. Stammgast im "Romantikhotel Keßler-Meyer", wo er sich die Zuneigung der zotteligen Collies des Hoteliers mit zugesteckten Würstchen gesichert hat. Die sollen immer ganz traurig sein, wenn er abreist.
Was will er da?
Tja, was will er da eigentlich? Abstand gewinnen von Rücktrittsgerüchten. Leihhund Cameron ausführen, bisschen ausschlafen, bisschen wandern, bisschen radeln, 100 Kilometer strampelt er an guten Tagen weg, in manchem Sommer radelt er sich dabei ein paar Kilo vom Leib. Und: In Ruhe und ohne Termindruck mit "de Leut'" schwätzen. Wenn Regieren für den Volksversteher Beck eine Art Dauerwahlkampf mit anderen Mitteln ist, dann sind die Ferien auch nur eine andere Form des Regierens. Nur möglichst ohne Stress und Akten. Normalerweise klappt das.
Was will er uns damit sagen?
Ich bin und bleibe einer von euch. Luxus ist nur was für Menschen, die sich nichts Nettes leisten können. Was die Merkel kann, kann ich schon seit langem - und viel näher. Deshalb: Bleibe im Land und erhole dich redlich - auch wenn er diesmal von Urlaub eher "nicht reden" mag, weil ständig neuer Ärger um das Pleiteprojekt Erlebnispark Nürburgring hochkocht. Andererseits: Andalusien hat auch was. Da reist er gern hin, wenn das Wetter in Deutschland so biestig ist wie Beck im Moment.
Wiederholungstäterfaktor?
Extrem. Er hat's gern gewohnt. Nächstes Jahr macht er das Cochemer Dutzend voll - am Stück. Wahrscheinlich kennt er inzwischen jeden einzelnen der 5000 Cochemer persönlich. Und jeden Hund.
Was wäre auch mal nicht schlecht?
New York. Wo's brummt und brodelt. Entspräche ja seinem derzeitigen Gemütszustand. Und es wär' echt mal was anderes.
Lektüreempfehlung?
Dirk Kurbjuweit: "Nicht die ganze Wahrheit". Spielt im ihm verhassten Berliner Politikgetriebe und zeichnet, so Rezensent Rainer Moritz, ein vertrautes "Bild vom Innenleben jener, die nach (politischer) Macht gieren und bemüht sein müssen, keinen zu tiefen Einblick in ihre wahren Gefühle preiszugeben".
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