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2. März 2008, 10:10 Uhr

"Diese Turbo-Schule ... ist Quatsch!"

Helm: Sie diskutieren ja immer noch! Schön, dass Sie sich so sehr für dieses Thema engagieren.
Schröder-Köpf: Frau Helm, wie erleben Sie den Leistungsdruck an Ihrer Schule?
Helm: Schüler haben heute große Angst zu versagen. Das ist mehr geworden.
Beckmann: Was muss passieren, damit Sie G8 für Schüler und Lehrer besser organisieren können?
Helm: Wir bräuchten kleinere Klassen - und mehr Lehrer. Hier in diesem Klassenraum der 5b werden 32 Zehnjährige unterrichtet. Das ist eine riesige Gruppe. Wir können die Kinder nicht so individuell fördern, wie wir es möchten. Und wir bräuchten einen Ganztagsschulbetrieb. Wir müssten eine Mittagspause haben. Bisher bieten wir zweimal in der Woche ein Mittagessen an. Das wird gut angenommen.
Schröder-Köpf: An dem Gymnasium meiner Tochter sorgen dafür die Mütter. Sie werden "Brötchenmütter" genannt.
Beckmann: Auch bei uns gehen die Eltern zum Brötchenschmieren in die Schule. Es gibt einen ganz klaren Rhythmus, wann man antreten muss.

Helm: Das habe ich bewusst an dieser Schule nicht so gemacht. Als berufstätige Mutter von zwei Kindern weiß ich: Das kann man nicht auch noch schaffen. Wir bekommen das Essen geliefert. Außerdem gibt es bei uns einen Kiosk. Aber die Schüler sollen nicht nur essen, sondern rausgehen. Sie müssen Luft schöpfen und einfach mal ihren Bewegungsdrang loswerden.
Beckmann: Ja, aber dafür reichen 45 Minuten nicht.
Helm: Sie haben recht. Die Pause müsste anderthalb Stunden dauern. Das geht wirklich nur im Nachmittagsbetrieb, wenn die Schule bis 16 oder 17 Uhr geht.
Beckmann: Was machen wir denn jetzt? Es wäre nicht gut, wenn diese Debatte einfach mit der Hamburg-Wahl beendet ist.
Helm: Wir schreien so lange, bis sich etwas zum Positiven ändert. Ganz im Ernst: Der Druck, der jetzt seit 14 Tagen da ist, hilft. Für uns an der Schule ist das Thema nicht neu, aber niemand hat es angepackt. Wir müssen sagen: "So geht es nicht!"
Schröder-Köpf: Wir müssen ganz grundsätzlich darüber diskutieren: Was soll Schule heute leisten? Es gab noch niemals in der Geschichte eine Phase, wo so viele Veränderungen in so kurzer Zeit auf die Menschen einprasselten. Wir dürfen die Kinder nicht mit Wissen vollstopfen, sondern sie müssen lernen zu lernen. Und wir müssen mehr Herzensbildung betreiben. Schon aus sozialen Gründen. Wir ziehen jetzt Kinder groß, die später ebenso viele Alte versorgen müssen wie Kinder. Wenn es dumm läuft, müssen sie zwei demente Eltern pflegen, während sie ihre eigenen Kinder aufziehen. Wir müssen unsere Kinder zu Mitgefühl erziehen. Da müssen wir jetzt was machen.

Interview: Catrin Boldebuck, Norbert Höfler

Was ist eigentlich G8? Alle Bundesländer kürzen die Zeit zwischen Ende der Grundschule und dem Abitur von neun auf acht Jahre. Deshalb wird die Schulreform "G8" genannt. Der Unterrichtsstoff bleibt unverändert: Laut Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) muss ein deutscher Schüler bis zum Abitur 265 Jahreswochenstunden absolvieren. Hatte ein Gymnasiast vor der G8-Reform im Durchschnitt 30 Schulstunden pro Woche, sind es nun 33. Häufig dauert der Unterricht bis in den Nachmittag. Bei der Einführung von G8 gab es in den meisten Gymnasien weder passende Bücher noch Kantinen fürs Mittagessen. Und erst jetzt entrümpeln viele Kultusminister die Lehrpläne. Ende Januar löste TV-Moderator Reinhold Beckmann eine Debatte aus. In seiner Sendung platzte dem Vater von zwei Kindern vor laufenden Kameras der Kragen: "Unsere Kinder sind total überfordert", sagte er. Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) kündigte daraufhin an, von den 265 Jahreswochenstunden bis zum Abitur 14 streichen zu wollen. In den nächsten Jahren werden die Schüler aus dem alten G9-System und aus den neuen G8-Jahrgängen gleichzeitig fertig (siehe Karte). Bis 2013 werden daher nach Schätzung der KMK zusätzlich rund 180.000 Abiturienten mehr auf den Arbeitsmarkt und in die Hochschulen drängen.

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KOMMENTARE (10 von 17)
 
Kroko (02.03.2008, 23:20 Uhr)
Oh heilige Hohlbirne
@gerolsteiner
Selbst wenn alle fehlerfrei unterschreiben, brauchts immer noch jemanden, ders lesen kann.
@kaisergarten
Falls ganzbaf recht hat und wir zu viele studierten Hohlbirnen haben, sie vieleicht, wie ich, studiert haben und keine Hohlbirne sind.......
Hohlbirnen sollten sie dann nicht verteidigen, auch keine unstudierten, oder solche aus der Pfalz(Demm könnt ich eehh ennie klatsche, der versaut uns de gonze Ruf)
Im nächsten Leben werde ich Schreiner.......oder Hohlbirnenschröpfer....:)
@ganzbaf
Wie fast immer, guut--------:)
Ach ja , : flieg mal was....
grinsend zähnefletsch Kroko
ganzbaf (02.03.2008, 14:43 Uhr)
"Logik" funktioniert in allen Ländern...
gleich...
So wie "sogar" schweizer Volksabstimmungen im Wilden Kurdistan, äh, "Deutschland" funktionieren können... ;-P
kaisergarten (02.03.2008, 14:40 Uhr)
.....
Wer glaubt, dass alle Menschen und Länder gleich sind, ist noch nicht viel herumgekommen.
kaisergarten (02.03.2008, 14:37 Uhr)
@ganzbaf
habe vor meinem Studium und während meinem Studium gearbeitet um mir selbiges zu finanzieren. Leider haben wir viel zu wenig „studierte Hohlbirnen“. Siehe Hr. Beck. Im übrigen ist ein Abi und Studium nicht ein MUSS, mein Kumpel hat „nur“ KFZ Meister gemacht und verdient heute mir seiner Firma um einiges mehr als ich. Vor allem regelmäßiges Einkommen schon ab 16 und nicht erst mit 26!
Aber Dir muss ich ja nichts von regelmäßigen Einkommen erzählen, oder?
ganzbaf (02.03.2008, 14:36 Uhr)
@kaiserschmarren

Wer nicht weiß, dass Schweizer und Skandinavier auch "nur" Menschen wie du und ich sind, hat schon mal keinen qualifizierenden Hauptschulabschluss verdient... ;*)
ganzbaf (02.03.2008, 14:29 Uhr)
....und weil das so ist,

leiden wir alle unter der großen Zahl an "studierten Hohlbirnen", "schlauschwätzende Dummköpfen" und kriminellen Eliten in diesem unseren schönen Lande...
.
Viel zu viel geistig verbogene Kreaturen, die der alltäglichen Logik nicht fähig sind aber lauter Einsen im Abizeugnis hatten... ;-Pp
kaisergarten (02.03.2008, 14:21 Uhr)
eins noch
@Salzsteuer
Das Abi in Hessen vor Koch war der Witz, das wurde nur auf einen Standard gesetzt, der dem der anderen Bundesländer entspricht. Ich bin noch nicht so alt, aber daran kann ich mich noch erinnern, wie die Hessen damals geheult haben, wie Sche.. ihr Abi sei.
@gerolsteiner
ok. Die Skandinavier sind gut, aber sind wir Skandinavier? Die Frage ist immer ob das jeweilige System auch zu uns passt. Genauso wenig wie die Abstimmungsdemokratie der Schweizer nicht zu uns passt. Leider. Wenn das Gesamtschulenmodell so toll bei uns funktionieren würde, hätte es in den ehemals SPD regierten Ländern des Nordens doch deutlich bessere Bildungsergebnisse geben müssen, oder?
Und wissenschaftliche Ergebnisse in Sachen Hirnforschung sagen je nach Forscher, Institut und Zeitgeist immer was anderes aus. Sprich, jeder fälscht ähh… gibt seiner Studie die Richtung wie es halt der eigenen Einstellung entspricht.
@ganzbaf
kein Kommentar.... Deine Aussagen sprechen einfach für sich.....
kaisergarten (02.03.2008, 14:08 Uhr)
Typisch deutsches Geheule…
Fakt ist, dass 13 Jahre Schulzeit einfach 1 Jahr zuviel ist. Das MUSSTE sich ändern. Wer international unterwegs ist weiß wie jung die einzelnen Jungs und Mädels im Vergleich zu uns sind.
Man hat endlich mal was getan. Jetzt sind in den Punkten, in denen es nicht gut läuft Anpassungen notwendig. Ich kann hier dem einen oder anderen Vorredner nur zustimmen – im 13. Jahr hab ich mich nur gelangweilt. Das hätte man doch locker streichen können. Das jetzt ausgerechnet die Klassen 5 – 9 den meisten Schulstoff pauken müssen ist wirklich totaler Blödsinn. Genauso, dass der Sportunterricht fast völlig rausgeflogen ist. Aber da sind nicht nur die Politiker schuld – die Granden der Schulpolitik haben auch gut mitgewirkt. Und um es in den Worten meines ehemaligen Lehrers zu sagen: „G8 interessiert mich nicht, ich stell mich nicht mehr um, das kann man mit 55 auch nicht von mir erwarten.“
Also die Kirche im Dorf lassen und Fehlentwicklungen anpassen, aber nicht gleich wieder durchdrehen (Hysterisch = Deutsch).
Denn abgesehen davon ist Deutschland SUPER. Egal was Pisa sagt, stelle ich immer wieder fest, dass unser Abi und die Uni in der Wissensvermittlung den anderen Ländern meilenweit überlegen ist (außer vielleicht unsere Nordeuropäischen Nachbarn, die sind echt gut).
Hier wird viel zu viel Blödsinn geredet. Immer dieses Gerede „früher war alles besser“….GÄHN. Früher gabs auch noch Smock in Deutschland und Atomraketen die Abschussbereit auf die jeweilig anderen gezielt haben.
ganzbaf (02.03.2008, 12:32 Uhr)
In deutschen Gymnasien...

geht es in vielen Fällen nur um Anpassung und das Erlernen von Unterordnung. Jedenfalls zu gut 50%.
.
Wer da mitmacht und die Klappe hält, braucht weniger Können oder Wissen, der wird - wie bei denen, mit den dicken Elernbrieftaschen - ganz locker vom Lehrpersonal durchgeschleppt...
Und deswegen ist das ganze System falsch und im Ergebnis zu recht indiskutabel!
.
Es geht um "Elitenbildung" und "Elitenbewahrung" im negativsten Sinn des Wortes.
gerolsteiner (02.03.2008, 12:23 Uhr)
Wie wäre es mit einer Petition?
Eine Petition in der eine gute Argumentation vereint ist-
Wissenschaftler könnten hier ihre neuesten Ergebnisse der Hirnforschung angeben-
die skandinavischen Schulmodelle als Vorbild-
und alle Kinder, denen die Schule so nicht gefällt dürfen auch unterschreiben!
Außerdem könnten hier alle Eltern und sonstige Lehrer, Rektoren unterschreiben, die nicht zufrieden sind.
http://itc.napier.ac.uk/e-Petition/bundestag/list_petitions.asp
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