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17. September 2009, 11:42 Uhr

"Ich kenne es, vor Wut zu kochen"

Interview, Ursula, von, der, Leyen, Familienministerin, CDU, konservativ,

"Familie in der Moderne lebbar machen": Von der Leyens schwieriger Kurs in der Union© Michael Trippel

Sie haben in knapp vier Jahren die Familienpolitik Ihrer Partei komplett gedreht. Ging das nicht alles viel zu schnell?

Jein (lacht). Wahrscheinlich durch meine Jahre im Ausland habe ich für mich gesagt: Wo ist das Problem? Ich musste dann lernen, dass es viel Überzeugungsarbeit braucht. Meine Generation musste ich überzeugen, dass die 25- bis 30-Jährigen beim Thema Familie und Beruf ganz anders ticken als wir 50-Jährigen. Den Älteren musste ich sagen: Ich will um Gottes willen nicht die Familie in Frage stellen! Sondern sie in der Moderne lebbar machen.

Was glauben Sie, wie viel Prozent der Unionsanhänger stehen hinter Ihrer Politik?

In Umfragen halten über 70 Prozent diese Familienpolitik für richtig. Auch bei den Katholiken sind es immerhin zwei Drittel.

Aber Sie muten Ihrer Partei viel zu.

Ich weiß, aber wir stehen mitten in einem ungeheuren Wandel. Als ich das erste Kind bekam, gab es gar keine Kindergartenplätze, also auch keinen Anspruch für ein fünfjähriges Kind. Das ist noch gar nicht lange her. Ganztagsschulen? Undenkbar! Und bei der Arbeit war eine Frau, die ein Kind bekam, für die Karriere abgeschrieben. Viele Ältere sagen mir: Wir haben anders gelebt, aber an meinen Töchtern und Söhnen sehe ich, dass sie Kindergärten und Kitas brauchen. Ich bin sicher, dass meine Kinder in 15 Jahren fragen werden: "Wo war eigentlich damals euer Problem?"

Hat es Sie verblüfft, dass es am Anfang so viele Widerstände gab?

Ja, weil mein inneres Gefühl viel mehr das einer Selbstverständlichkeit war. Am meisten verblüfft hat mich die Reaktion auf die Vätermonate beim Elterngeld. Dass es eine solche Zumutung sei, dass ein Mann - ein Mann! ein Mann! - sich zwei Monate Zeit nimmt für sein Kind. Das Schöne ist: Die jungen Männer tun's.

Peter Ramsauer von der CSU sprach vom "Wickelvolontariat".

Die Zeiten sind vorbei. Die CSU findet jetzt zu Recht die Vätermonate ganz klasse. Das sind die Prozesse, die wir jetzt zusammen erleben. Auch Peter Ramsauer hat erlebt, wie junge Männer gesagt haben: "Hey Chef, ich nehm' die Zeit, das sind meine Monate, die gehören mir. Das ist mein Kind, das ist meine Zeit, und ich bin als Vater unersetzlich."

Aber die Konservativen in der Union sagen: Die Familie wird nicht mehr so sein, wie sie einmal war, wenn Ursula von der Leyen mit ihr fertig ist.

Die Familie wird nicht mehr so sein, wie sie war, weil das ein Gesetz ist, dass sich seit Jahrtausenden abspielt. Familie organisiert sich je nach den Zeitumständen immer wieder anders.

Vielleicht irritiert viele in der Union, dass Sie über den Wandel so wenig traurig sind. Ihnen fehlt die typische Melancholie des Konservativen.

Diesen Schmerz und diese Trauer habe ich erlebt bei meiner Mutter, die mit Stolz, aber auch mit Wehmut sah, wie anders die Lebenswege ihrer Kinder, ihrer Töchter und Schwiegertöchter waren. Und wahrscheinlich werde ich eines Tages denselben Schmerz empfinden. Und meine Kinder werden nicht mehr erahnen, was wir erlebt und durchgemacht haben. Jede Generation muss auch neues Land betreten.

Würden Sie sich eigentlich als konservativ bezeichnen?

Als wertkonservativ, nicht als strukturkonservativ. Familie heißt, Verantwortung füreinander übernehmen, Bindung wagen. Das ist für mich ein konservativer Wert, und den will ich leidenschaftlich verteidigen - aber er muss eben unter modernen Bedingungen lebbar sein. Strukturkonservativ heißt: Alles soll so bleiben, wie es war. So bin ich nicht.

Also eine konservative Feministin?

Den linken Blick auf frauenpolitische Themen habe ich immer für zu eng gehalten. Mir war immer wichtig, dass Männer nicht nur noch angeklagt werden: "Macht mal, ändert euch mal, so wie wir das für richtig halten." Ein Mann ist keine zweitklassige Mutter, sondern ein erstklassiger Vater. Daher würde ich mir nie anmaßen zu definieren, wie ein Vater zu sein hat. Das müssen die Männer durchfechten. Aber dass das Thema Familie ein gemeinsames Thema, eine gemeinsame Leidenschaft von Frauen und Männern sein sollte, darauf bestehe ich.

Nützt Ihre Politik der CDU - oder nützt Ihre Politik in erster Linie Ursula von der Leyen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass sie der CDU nutzt. Meine Politik spricht vor allem Jüngere und Frauen an. Oft höre ich: "Ich habe bisher mit Ihrer Partei nichts zu tun gehabt, aber ich finde Ihre Politik richtig."

70 Prozent der Deutschen sind nach wie vor der Meinung, die Mutter solle möglichst lange zu Hause bleiben. Beeindruckt Sie diese Zahl?

Nein. Denn die Mehrzahl der jungen Frauen, übrigens auch der Männer, sagt auch: Sie möchten Familie und Beruf miteinander vereinbaren. Natürlich sollen die Mutter und übrigens auch der Vater möglichst lange bei ihren Kindern bleiben. Aber das heißt doch nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr. Das hat es in der Menschheitsgeschichte noch nie gegeben. Gehen Sie nur mal 100 Jahre zurück. Vater und Mutter mussten damals hart arbeiten, auf dem Bauernhof oder in der Fabrik. Geschwister oder die Oma kümmerten sich um die Kinder. Wo ist die Idylle in den letzten Jahrhunderten denn tatsächlich gelebt worden?

 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
Julwil (18.09.2009, 10:35 Uhr)
Unfassbar...
Ich bin einfach nur erschüttert, dass diese Kommentare sich auf die Inhalte beziehen und diese Ministerin auf ihr Geschlecht reduziert wird.

Unfassbar, dass dieser Interviewer überhaupt soweit gekommen ist, denn mit solchen Reduzierung aufgrund des Geschlechts sollte er wegen Diskriminierung entlassen werden.
Ein Zeitschriftenformat das sich für emanzipiert schimpft und sich mit solchen Fragen an die Öffentlichkeit traut ist wirklich einfach nur peinlich.

Stellen sie diese Fragen doch bitte mal einem anderen Minister. Fragen sie doch mal einen Mann: Haben sie kein schlechtes Gewissen ihre Kinder so lange alleine zu lassen? Oh, sie haben eine veränderte Frisur, was können wir denn jetzt erwarten? Ich glaube jeder Mann würde antworten, was denn bitteschön meine Frisur mit Politik zu tun hat. Ein solches Niveau ist der Bildzeitung zuzutrauen...

Wenn ich dieses Interview so lese und die anschließenden Bemerkungen wird einfach nochmal deutlich, worauf Frauen noch immer reduziert werden- auf Familie und Kinder- und wenn es eine Frau wagt diese verkalkten und starren Zuschreibungen zu erweichen wird sie beschuldigt sie wolle quasi etw. verbotenes, wenn nicht sogar moralisch fragliches tun.

Ich bin kein Fan der CDU, aber diese Politikerin hat viel angestoßen und vertritt Gedankengänge die nicht auf eine Zeit zurückzuführen sind die sehr weit zurückliegt und doch von soooo vielen Menschen besonders Männern herbeigesehnt wird. Die klassische Aufteilung in Heim & Außenwelt mit den typisch sterotypen Verteilungen.
Tempelhofer (18.09.2009, 07:33 Uhr)
@ lazarus06
Nehmen Sie doch bitte einmal die Kommentare der linken Unterstützer in diesem Forum zur Kenntnis: Beschimpfungen, Drohungen, Häme. Grundsätzliche Verachtung allen Andersdenkenden gegenüber. Oder überlesen Sie diese Passagen geflisssentlich ? Die LInken gebärden sich hier absolut intolerant und aggressiv. Wenn Sie damit keine Probleme haben, ist das Ihre Entscheidung. Viele auch neutrale Leser sind dagegen weniger davon angetan.
Sozimod (17.09.2009, 20:36 Uhr)
Solidarität leben
@AK_Teren:
Ich bin seit 46 Jahren ein sozial denkender Bürger. Damals vor 2002, sozialdemokratisch, heute LINKS (obwohl sch meine Ethik, Werte nicht verändert habe). Aber es gibt auch CDU Mitglieder die sich für sozial benachteiligte einsetzen. Sie nennen es christlich=Nächstenliebe. Meine Kritik zielt in erster Linie auf Bundesebene. Dort hat Frau von der Leyen, wie ihre Vorgänger versagt.
@Knilch59:
Besser kann man es nicht formulieren.
Leider haben wir es versäumt Zukunftsorientiert, Politik zu machen. Solange die Wirtschaft die Politik bestimmt, wird es keine mittelfristige, vom Verstand geprägte Politik geben.
Gewinnmaximierung muss aus dem Vokabular gestrichen werden. Bismark hat schon damals erkannt, das die Familien für jede Nation wichtig ist.
lazarus06 (17.09.2009, 18:53 Uhr)
@Tempelhofer Als Demokrat lasse ich natürlich jedem seine Meinung und Ansichten ,
Aber ,nichts für Ungut ,Ihre Scheuklappen müssen gigantisch sein.Und das sagt jetzt einer der bis Ende Kohl Ära CDU gewählt hat weil Mittelständiger Unternehmer.Nach dem "Bimbes" waren die für mich gestorben.
40901 (17.09.2009, 17:22 Uhr)
Fassungslos!
Diese ´Beiträge´ lassen mich fassungslos zurück!
Leben wir im Jahrs 2009? So einen gequirlten Unsinn schreiben hoffentlich nur Männer, aber ich bin peinlich berührt auch dieser Gattung anzugehören. Wie ist unser Land doch verblödet. Haben wir denn gar nichts gelernt aus den zurückliegenden Jahren und gesellschaftlichen Diskussionen? Ist denn hier kein Mann, der Töchter hat und diese erzieht zu selbstständigen, selbstbewussten? Sollen die alle Kanonenfutter für solche Ignoranten sein?
knilch_59 (17.09.2009, 15:46 Uhr)
Tolle Frau, aber weder Vorbild noch die richtigen Ansichten
Ausdrücklich gut finde ich, was Frau von der Leyen mit ihrem Leben macht. Sie kann sich selbst verwirklichen und bekommt sogar noch eine gewisse work-life-balance hin, Glückwunsch und Bewunderung. Aber als Vorbild und Blaupause taugt das nicht, und das macht sie auch als Familienministerin fragwürdig. Zum Einen: Man darf nicht vergessen, dass viele gar kein Leben auf der Überholspur wollen und sich nicht in diesem Hochleistungskorsett sehen. Nicht, dass die es nicht könnten, aber die begreifen sich nicht als Familienmanager, also sollte man auch gar nicht versuchen denen einzureden, dass sie das gefälligst zu sein haben! Aber mit diesem Bild polarisiert sie: Ist jemand, der sich in seinem Beruf nicht selbst verwirklicht sieht, sondern einfach gut funktioniert, schon ein halber Looser und aufgerufen, seinen Status zu ändern? Und damit kommen wir zum Kernstück ihrer Politik und ihres Weltbildes: Da hat ? insbesondere Frau ? gefälligst Erwerbsarbeit zu leisten und dafür zu sorgen, dass man Familie noch irgendwo mit unterbringt, weil man sonst unvollständiger Mensch ist. Und das soll Vorbild sein für die vielen Leute in den einfachen Berufen? Und damit kommen wir zur Politik, die sie vertritt: Elternzeit ist nur was für solche Leute: der Verkäuferin bei Schlecker wird schon klar gemacht, dass Familie nicht das Problem des Arbeitgebers sein kann und der liebenswerte Meister des Handwerksgesellen wird seinem Mitarbeiter was husten, wenn der von work-life-balance erzählt und dass heute um 4 Feierabend ist, weil der Kindergarten nur bis 5 Uhr auf hat. Die in den einfachen Jobs können sich ? auch dank der Politik von Frau von der Leyen - nicht wirklich entscheiden, weil Familie mit Kind absolutes Armutsrisiko darstellt. Für die waren zwei Jahre Erziehungsgeld besser! Aber nein, man musste ja den Zeitraum kürzen und die staatlichen Leistungen noch mehr vom früheren Einkommen abhängig machen. Jetzt können sich die studierten Cabrio-Fahrerinnen sogar ein Kind leisten, die junge Verkäuferin Anfang 20 aber garantiert keins mehr. Und deshalb muss diese Frau aus diesem Amt weg! Sie ist eine komplette Fehlbesetzung, auch wenn ihre persönliche Leistung bewundernswert ist.
DasBertl (17.09.2009, 15:34 Uhr)
Wir alle
können am 27. September dafür sorgen, dass die gute Frau wieder mehr Zeit für ihre Kinder hat... und dann auch mal Musik machen kann ;)

Zensursula hat sich das verdient... und wir haben sie nicht verdient. Ihre Pläne zur Internetzensur kann sie gern an den Iran oder China verkaufen... achso, stimmt... aus den beiden Ländern stammt ja das Konzept. Kinderpornoghrafie im Netz LÖSCHEN und nicht einfach nur mit einem Stoppschild bedecken, hinter das jeder schauen kann. Polizisten halten bei einer Vergewaltigung ja auch kein Leinentuch davor, damit keiner die bösen Szenen sehen muss sondern schreiten ein!
Ak_Teren (17.09.2009, 15:13 Uhr)
@Sozimod
Das christlich habe ich jetzt nicht in erster Linie auf die Partei bezogen, sondern eher allgemeiner gesehen.
Und da ist die Behauptung, das christlich = Nächstenliebe doch etwas hoch gegriffen.

Wenn ich das schreiben würde, was ich von der Nächstenliebe der CDU halte, wäre mein Posting in 3 Minuten gelöscht ;)
Sozimod (17.09.2009, 14:49 Uhr)
Da fehlt wohl was
@AK_Teren:
@Bebuquin:
Lies meinen Bericht bitte in Ruhe und sorgsam!
CDU, dass C steht für christlich=Nächstenliebe. Das finden wir in der jetzigen Bundespolitik "nicht" wieder.
Keine Lobhudelei für Frau von der Leyen. Lesen Sie bitte meine anderen Kommentare, dann hätten sie es sofort verstanden.
An dieser jetzigen Regierung, sowie die vorherigen, der letzten 27 Jahre, kommentiere ich sicherlich nicht positiv. Auswirkungen ist Abhängigkeit von den USA. Unser Bildungssystem, sowie Kriegspolitik, sowie Zerstörung der bewährten Sozialversicherungssysteme, sowie Umweltschädliche Politik, made in USA. Das Europa und die USA lobten noch in den 90ern unser Sozialsystem. Sie lobten wie sauber unser Land war. Gras gemäht, Abfall beseitigt. Schaut euch doch mal um.
Bebuquin (17.09.2009, 14:14 Uhr)
@ Sozimod
"CDU, dass C steht für christlich=Nächstenliebe."
--> Na da passen sie aber gut zu dieser Frau von der Leyen. Die glaubt ja auch, dass sich unser GG an den 10 Geboten orientiert.
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