Wir brauchen Arbeit. Wir müssen die Unternehmer gewinnen, in diesem Land wieder zu investieren und Leute einzustellen, Risiken einzugehen. Die Wirtschaft redet immer davon, dass sich der Staat aus allem zurückziehen soll. Aber gleichzeitig macht die Wirtschaft ohne den Staat nichts - über 100 Milliarden Euro bekommt sie jährlich an Subventionen! Außerdem hat der Staat den Großkonzernen Milliarden geschenkt - Gewerbesteuer faktisch abgeschafft, Körperschaftssteuer deformiert, Verlustvorträge erlaubt. Da kommen für die letzten zwei Jahre über 50 Milliarden zusammen. So hat sich der Staat handlungsunfähig gemacht, sich selbst verarmt.
Ich weiß es nicht. Ihn treibt wohl die Hoffnung, die pure Hoffnung, mit Steuererleichterungen die Großkonzerne bei Laune zu halten, den Wirtschaftsstandort zu stabilisieren, so den Sozialstaat zu retten. Aber das hat offenkundig nicht geklappt, nur eins hat geklappt: BDI-Chef Rogowski und andere sind rachsüchtig geworden. Sie nutzen die Gunst der Stunde - und wollen alle sozialen Errungenschaften abbauen, wollen einen anderen Staat.
Wir müssen in der Wirtschaftspolitik umdenken: Wir brauchen einen modernen Keynes, der Staat muss stärker investieren; die Kaufkraft, die Inlandsnachfrage müssen angekurbelt werden. Wir müssen auch Tabus durchbrechen, die Einkommens- und Vermögensverteilung korrigieren.
Die, die viel haben, dürfen wir nicht aus der Solidarität entlassen.
Ja? Ich sehe das anders, ich denke eher, dass die Rezepte der Politik, die Rezepte der Arbeitgeberfunktionäre uns zurück in das 19. Jahrhundert führen, dass die Gesellschaft in Arm und Reich zerfällt und der Mittelstand mit seinem Gefühl von Sicherheit wegbricht.
Das stimmt doch nicht, wir haben eine Kampagne für Arbeit und soziale Gerechtigkeit gemacht. Die SPD ist immer noch ein Bollwerk für Mitbestimmung und Tarifautonomie. Aber sie hat viele Positionen geräumt, und wir sind heute schlauer als 1998 und 2002. 2006 wird es mit mir keine Wahlauftritte, keine Wahlaufrufe und keine Wahlempfehlungen geben.
Nein, ich renne nicht weg. Ich möchte innerhalb der Partei -völlig illusionslos - für eine andere Politik kämpfen.
Ich bin kein Befehlsempfänger einer Partei. Das weiß auch Franz Müntefering. Unsere Mitglieder können bei uns Räume mieten - dort Feste feiern, über alles Mögliche diskutieren, auch über eine neue Partei. Ich halte es für falsch, eine neue Partei zu gründen. Die Spaltung der SPD könnte auch zu einer Spaltung der Gewerkschaft führen - und die Linke schwächen.
Ich habe da immer Lampenfieber. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Leute klatschen, intensiv zuhören.
Ja? Viele sehen das anders. Ich wusste lange nicht, dass ich reden kann, dass ich dieses Talent habe. Ich habe das durch Zufall entdeckt. Es ging um Kürzungen bei der Post, ich bin - das ist nun schon einige Jahre her - in der Weser-Ems-Halle vor 400 Leuten aufgetreten, und irgendwas zündete da plötzlich. Ich war erstaunt, was da abging, war auch erstaunt, was mit mir selber passierte. Ich war ja ein ganz schüchternes Kind, ich hatte Angst, auf die Menschen zuzugehen, ich bin an Bushaltestellen oft auf die andere Straßenseite gegangen, um den Leuten auszuweichen.
Der weiß, wo er herkommt. Ich kenne Armut und weiß genau, wie demütigend das sein kann. Meine Mutter würde weinen vor Glück, wenn sie wüsste, was aus ihrem Sohn geworden ist. Kriegerwitwe, zwei Kinder verloren, sehr krank und am Schluss arm wie eine Kirchenmaus. Eine großartige Frau. Und sie hat sich krumm gelegt, dass ich studieren konnte.
Ich bin ein Familienmensch. Für mich gibt es nichts Schöneres, als für meine zwei Mädels, also für meine Frau und meine Tochter, zu kochen. Familie ist für mich wichtig. Ich habe kaum mehr persönliche Freunde, je höher ich stieg, desto weniger Freunde hatte ich.
Ja, oben wird man einsam, Sie fragen sich immer: Will der nun deine Freundschaft, weil du diese Position hast? Man wird vorsichtig. Du lädst jemanden nach Hause ein - und dann nutzt der das aus.
Nein. Ich wollte diesen Job, er ist wunderschön. Aber nun muss ich nach Hause.
Ja. Ich koche, und ich genieße das sehr. Ich habe lange in einer Männer-WG gewohnt, jeden Tag haben wir gekocht und sogar immer anständig ein Blümchen auf den Tisch gestellt. Schon heute morgen habe ich überlegt, was ich meinen Mädels heute Abend serviere. Ich renne jetzt bei Rogacki vorbei, die haben guten Fisch.