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17. September 2009, 11:42 Uhr

"Ich kenne es, vor Wut zu kochen"

Interview, Ursula, von, der, Leyen, Familienministerin, CDU, konservativ,

Ursula von der Leyen im Gespräch mit Tilman Gerwien© Michael Trippel

Ihre Sprache ist eine Sprache der allumfassenden Mobilisierung. Die Familie ist bei Ihnen nicht einfach nur Familie, sondern ein kleines Unternehmen: Eltern kümmern sich mit "Zeitmanagement" und "Multitasking" um die "Logistik"…

Multitasking ist doch ein Begriff, den jedes Unternehmen für seine Führungskräfte benutzt. Ich sage: Schaut euch mal die jungen Familien an, da findet ihr all das auch. Vater oder Mutter sein heißt, fünf Dinge auf einmal zu machen, ohne gleich Kakao zu schreien. Das sind Führungsqualitäten! Was haben Sie dagegen?

Sie beschleunigen die Welt. Alle müssen funktionieren, kein Platz für Schwäche. Wann hat man bei Ihnen mal was von Muße gehört?

Wenn wir permanent in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Arbeitswelt um Zeit für Kinder ringen, schaffen wir Zeit für Zuwendung, Zeit für Muße. Elterngeld ist Zeit für Kinder.

Statt zwei Jahren Erziehungsgeld gibt es nur noch maximal 14 Monate Elterngeld, nach der Reform des Unterhaltsrechts müssen sich geschiedene Frauen früher wieder einen Job suchen. Wollen Sie die Frauen zur Arbeit anhalten?

Völliger Schwachsinn. Frauen sind heutzutage oft hoch qualifiziert, das wollen sie im Beruf auch anwenden und damit Erfolg haben. Das würden Sie bei einem Mann übrigens nie infrage stellen, oder?

Steckt dahinter nicht die typische Perspektive der Akademikerin, für die Arbeit Selbstverwirklichung ist?

Das sagen Sie mal der Hartz-IV-Empfängerin, das finde ich menschenverachtend. Viele Studien zeigen, dass Arbeit gut tut und wichtig ist. Wenn Sie sich verwahrloste oder misshandelte Kinder anschauen: Zu allen erfolgreichen Konzepten der Stabilisierung von Familien gehört eine berufliche Perspektive für beide Eltern. Weil durch Arbeit Struktur im Tag entsteht, Austausch mit anderen, Selbstwertgefühl.

Die Frau, die bei Aldi an der Kasse sitzt, verwirklicht sich nicht selbst. Die kann sich was Besseres als Arbeit vorstellen…

Nein, nein, nein! Auch die Frauen, die an der Kasse sitzen, sagen: Ich verdiene mein eigenes Geld, ich stehe auf eigenen Füßen. Das macht stolz. Es ist eine männliche Sichtweise, Arbeit nur noch als Fron zu sehen, sobald es um Mutter und Kind geht. Mir geht es um die Erweiterung der Möglichkeiten, auch für Männer, die sich bisher nur über den Beruf definiert haben. Die können und wollen auch Väter sein, übrigens können sie auch pflegende Söhne sein.

Sie wollen den neuen Mann schaffen - und damit einen neuen Menschen. Ist das nicht ein totalitärer Ansatz?

Schmarrn! Ich will nicht den neuen Mann schaffen, sondern dafür sorgen, dass auch die Männer die Fülle ihrer Möglichkeiten leben können.

Immer wieder ist zu hören, dass Sie sich für den Job der Bundesgesundheitsministerin interessieren...

Tatsächlich? Alles Gerüchteküche!

Vor zwei Jahren haben Sie sich eine neue Frisur zugelegt. Es gibt ja die verbreitete Vorstellung, Frauen würden ihre Frisur ändern, wenn sie ihr Leben ändern wollen. Haben wir etwas Wichtiges verpasst?

Begraben wir diese Vorstellung als ein Männervorurteil. Ich habe ja den Beweis schon angetreten, dass ich mit großer Kontinuität und neuer Frisur fröhlich weitermarschiert bin. Außerdem bleibe ich dabei: Es kommt nicht auf die Frisur an, sondern auf das, was unter der Frisur steckt.

Interview: Tilman Gerwien
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KOMMENTARE (10 von 28)
 
Julwil (18.09.2009, 10:35 Uhr)
Unfassbar...
Ich bin einfach nur erschüttert, dass diese Kommentare sich auf die Inhalte beziehen und diese Ministerin auf ihr Geschlecht reduziert wird.

Unfassbar, dass dieser Interviewer überhaupt soweit gekommen ist, denn mit solchen Reduzierung aufgrund des Geschlechts sollte er wegen Diskriminierung entlassen werden.
Ein Zeitschriftenformat das sich für emanzipiert schimpft und sich mit solchen Fragen an die Öffentlichkeit traut ist wirklich einfach nur peinlich.

Stellen sie diese Fragen doch bitte mal einem anderen Minister. Fragen sie doch mal einen Mann: Haben sie kein schlechtes Gewissen ihre Kinder so lange alleine zu lassen? Oh, sie haben eine veränderte Frisur, was können wir denn jetzt erwarten? Ich glaube jeder Mann würde antworten, was denn bitteschön meine Frisur mit Politik zu tun hat. Ein solches Niveau ist der Bildzeitung zuzutrauen...

Wenn ich dieses Interview so lese und die anschließenden Bemerkungen wird einfach nochmal deutlich, worauf Frauen noch immer reduziert werden- auf Familie und Kinder- und wenn es eine Frau wagt diese verkalkten und starren Zuschreibungen zu erweichen wird sie beschuldigt sie wolle quasi etw. verbotenes, wenn nicht sogar moralisch fragliches tun.

Ich bin kein Fan der CDU, aber diese Politikerin hat viel angestoßen und vertritt Gedankengänge die nicht auf eine Zeit zurückzuführen sind die sehr weit zurückliegt und doch von soooo vielen Menschen besonders Männern herbeigesehnt wird. Die klassische Aufteilung in Heim & Außenwelt mit den typisch sterotypen Verteilungen.
Tempelhofer (18.09.2009, 07:33 Uhr)
@ lazarus06
Nehmen Sie doch bitte einmal die Kommentare der linken Unterstützer in diesem Forum zur Kenntnis: Beschimpfungen, Drohungen, Häme. Grundsätzliche Verachtung allen Andersdenkenden gegenüber. Oder überlesen Sie diese Passagen geflisssentlich ? Die LInken gebärden sich hier absolut intolerant und aggressiv. Wenn Sie damit keine Probleme haben, ist das Ihre Entscheidung. Viele auch neutrale Leser sind dagegen weniger davon angetan.
Sozimod (17.09.2009, 20:36 Uhr)
Solidarität leben
@AK_Teren:
Ich bin seit 46 Jahren ein sozial denkender Bürger. Damals vor 2002, sozialdemokratisch, heute LINKS (obwohl sch meine Ethik, Werte nicht verändert habe). Aber es gibt auch CDU Mitglieder die sich für sozial benachteiligte einsetzen. Sie nennen es christlich=Nächstenliebe. Meine Kritik zielt in erster Linie auf Bundesebene. Dort hat Frau von der Leyen, wie ihre Vorgänger versagt.
@Knilch59:
Besser kann man es nicht formulieren.
Leider haben wir es versäumt Zukunftsorientiert, Politik zu machen. Solange die Wirtschaft die Politik bestimmt, wird es keine mittelfristige, vom Verstand geprägte Politik geben.
Gewinnmaximierung muss aus dem Vokabular gestrichen werden. Bismark hat schon damals erkannt, das die Familien für jede Nation wichtig ist.
lazarus06 (17.09.2009, 18:53 Uhr)
@Tempelhofer Als Demokrat lasse ich natürlich jedem seine Meinung und Ansichten ,
Aber ,nichts für Ungut ,Ihre Scheuklappen müssen gigantisch sein.Und das sagt jetzt einer der bis Ende Kohl Ära CDU gewählt hat weil Mittelständiger Unternehmer.Nach dem "Bimbes" waren die für mich gestorben.
40901 (17.09.2009, 17:22 Uhr)
Fassungslos!
Diese ´Beiträge´ lassen mich fassungslos zurück!
Leben wir im Jahrs 2009? So einen gequirlten Unsinn schreiben hoffentlich nur Männer, aber ich bin peinlich berührt auch dieser Gattung anzugehören. Wie ist unser Land doch verblödet. Haben wir denn gar nichts gelernt aus den zurückliegenden Jahren und gesellschaftlichen Diskussionen? Ist denn hier kein Mann, der Töchter hat und diese erzieht zu selbstständigen, selbstbewussten? Sollen die alle Kanonenfutter für solche Ignoranten sein?
knilch_59 (17.09.2009, 15:46 Uhr)
Tolle Frau, aber weder Vorbild noch die richtigen Ansichten
Ausdrücklich gut finde ich, was Frau von der Leyen mit ihrem Leben macht. Sie kann sich selbst verwirklichen und bekommt sogar noch eine gewisse work-life-balance hin, Glückwunsch und Bewunderung. Aber als Vorbild und Blaupause taugt das nicht, und das macht sie auch als Familienministerin fragwürdig. Zum Einen: Man darf nicht vergessen, dass viele gar kein Leben auf der Überholspur wollen und sich nicht in diesem Hochleistungskorsett sehen. Nicht, dass die es nicht könnten, aber die begreifen sich nicht als Familienmanager, also sollte man auch gar nicht versuchen denen einzureden, dass sie das gefälligst zu sein haben! Aber mit diesem Bild polarisiert sie: Ist jemand, der sich in seinem Beruf nicht selbst verwirklicht sieht, sondern einfach gut funktioniert, schon ein halber Looser und aufgerufen, seinen Status zu ändern? Und damit kommen wir zum Kernstück ihrer Politik und ihres Weltbildes: Da hat ? insbesondere Frau ? gefälligst Erwerbsarbeit zu leisten und dafür zu sorgen, dass man Familie noch irgendwo mit unterbringt, weil man sonst unvollständiger Mensch ist. Und das soll Vorbild sein für die vielen Leute in den einfachen Berufen? Und damit kommen wir zur Politik, die sie vertritt: Elternzeit ist nur was für solche Leute: der Verkäuferin bei Schlecker wird schon klar gemacht, dass Familie nicht das Problem des Arbeitgebers sein kann und der liebenswerte Meister des Handwerksgesellen wird seinem Mitarbeiter was husten, wenn der von work-life-balance erzählt und dass heute um 4 Feierabend ist, weil der Kindergarten nur bis 5 Uhr auf hat. Die in den einfachen Jobs können sich ? auch dank der Politik von Frau von der Leyen - nicht wirklich entscheiden, weil Familie mit Kind absolutes Armutsrisiko darstellt. Für die waren zwei Jahre Erziehungsgeld besser! Aber nein, man musste ja den Zeitraum kürzen und die staatlichen Leistungen noch mehr vom früheren Einkommen abhängig machen. Jetzt können sich die studierten Cabrio-Fahrerinnen sogar ein Kind leisten, die junge Verkäuferin Anfang 20 aber garantiert keins mehr. Und deshalb muss diese Frau aus diesem Amt weg! Sie ist eine komplette Fehlbesetzung, auch wenn ihre persönliche Leistung bewundernswert ist.
DasBertl (17.09.2009, 15:34 Uhr)
Wir alle
können am 27. September dafür sorgen, dass die gute Frau wieder mehr Zeit für ihre Kinder hat... und dann auch mal Musik machen kann ;)

Zensursula hat sich das verdient... und wir haben sie nicht verdient. Ihre Pläne zur Internetzensur kann sie gern an den Iran oder China verkaufen... achso, stimmt... aus den beiden Ländern stammt ja das Konzept. Kinderpornoghrafie im Netz LÖSCHEN und nicht einfach nur mit einem Stoppschild bedecken, hinter das jeder schauen kann. Polizisten halten bei einer Vergewaltigung ja auch kein Leinentuch davor, damit keiner die bösen Szenen sehen muss sondern schreiten ein!
Ak_Teren (17.09.2009, 15:13 Uhr)
@Sozimod
Das christlich habe ich jetzt nicht in erster Linie auf die Partei bezogen, sondern eher allgemeiner gesehen.
Und da ist die Behauptung, das christlich = Nächstenliebe doch etwas hoch gegriffen.

Wenn ich das schreiben würde, was ich von der Nächstenliebe der CDU halte, wäre mein Posting in 3 Minuten gelöscht ;)
Sozimod (17.09.2009, 14:49 Uhr)
Da fehlt wohl was
@AK_Teren:
@Bebuquin:
Lies meinen Bericht bitte in Ruhe und sorgsam!
CDU, dass C steht für christlich=Nächstenliebe. Das finden wir in der jetzigen Bundespolitik "nicht" wieder.
Keine Lobhudelei für Frau von der Leyen. Lesen Sie bitte meine anderen Kommentare, dann hätten sie es sofort verstanden.
An dieser jetzigen Regierung, sowie die vorherigen, der letzten 27 Jahre, kommentiere ich sicherlich nicht positiv. Auswirkungen ist Abhängigkeit von den USA. Unser Bildungssystem, sowie Kriegspolitik, sowie Zerstörung der bewährten Sozialversicherungssysteme, sowie Umweltschädliche Politik, made in USA. Das Europa und die USA lobten noch in den 90ern unser Sozialsystem. Sie lobten wie sauber unser Land war. Gras gemäht, Abfall beseitigt. Schaut euch doch mal um.
Bebuquin (17.09.2009, 14:14 Uhr)
@ Sozimod
"CDU, dass C steht für christlich=Nächstenliebe."
--> Na da passen sie aber gut zu dieser Frau von der Leyen. Die glaubt ja auch, dass sich unser GG an den 10 Geboten orientiert.
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