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Post darf Gebühr für Standardbrief erhöhen

An die Zahl 58 werden sich die Bundesbürger gewöhnen müssen. Mit Zustimmung der Bundesnetzagentur erhöht die Deutsche Post das Standardbrief-Porto ab 2013 um drei Cent - das erste Mal seit 15 Jahren.

  Das Porto für den Standardbrief der Deutschen Post steigt im nächsten Jahr von 55 auf 58 Cent

Das Porto für den Standardbrief der Deutschen Post steigt im nächsten Jahr von 55 auf 58 Cent

Im Zeitalter von Internet, E-Mail und SMS gilt der Brief längst als Auslaufmodell. Doch wenn es ums Porto geht, erhitzen sich die Gemüter. Über 15 Jahre lang hat die Deutsche Post den Preis für die Beförderung des Standardbriefs nicht erhöht, einmal sogar leicht abgesenkt - jetzt aber wird er steigen: Ab 2013 müssen die Bundesbürger auf einen Standardbrief eine 58 Cent-Marke kleben. Am Montag genehmigte die Bundesnetzagentur den Antrag des Bonner Logistikkonzerns auf Preiserhöhung in vollem Umfang.

Von der Monopolkommission, den Gralshütern des Wettbewerbs in Deutschland, waren schon im Vorfeld Bedenken zu hören. Der Vorsitzende des Gremiums, Daniel Zimmer, verwies auf überhöhte Umsatzrenditen der Post im Briefbereich. Das sei nur möglich, wenn die Preise deutlich über den Kosten lägen. Und der "Welt am Sonntag" verriet der Post-Beauftragte der Unionsfraktion, Georg Nüßlein (CSU): "Es wird darüber zu reden sein, ob das so sein muss".

Wettbewerber können unabhängiger agieren

Doch die Portoerhöhung hat aus Sicht der Deutschen Post einen konkreten Hintergrund: Seit Jahren nämlich schrumpft das klassische Briefsegment. Briefe werden immer weniger befördert, weil das Internet mit E-Mail und sozialen Netzwerken die Welt der Kommunikation erobert hat. So schrumpfte der Umsatzanteil des Briefbereichs am Gesamtumsatz der Deutschen Post (2011: 53 Mrd Euro) auf ein Viertel. Vor einigen Jahren war es noch die Hälfte.

Zudem wird der gelbe Riese als Marktführer, nicht aber seine Wettbewerber, im Briefbereich noch staatlich reguliert. Das heißt, Preisänderungen bei Briefsendungen bis zu einem Gewicht von 1.000 Gramm muss sich das Unternehmen stets vorab von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Wettbewerber können dagegen unabhängiger agieren. Jeder dritte Brief im Geschäftskundensegment soll nach Angaben der Deutschen Post inzwischen von Wettbewerbern zugestellt werden. Insgesamt beförderte die Post im vergangenen Jahr 7,8 Milliarden Briefe für Geschäfts- und Privatkunden. Tendenz: rückläufig.

Mehr-Erlös in zweistelliger Millionenhöhe erwartet

Um das Geschäftsfeld trotz eines schrumpfendes Marktes rentabel zu halten, steuert die Post mit Effizienzprogrammen dagegen. Irgendwann aber ließen sich steigende Kosten nicht mehr auffangen, wenn immer weniger Briefe geschrieben und verschickt würden, beteuerte Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes unlängst in einem Zeitungsinterview. Trotz erheblich gestiegener Kosten sei das Porto für den Standardbrief über Jahre nicht erhöht worden.

Wie viel einer der weltweit größten Post- und Logistikkonzerne durch die Portoerhöhung erlösen wird, bleibt ein Geschäftsgeheimnis. Branchenexperten sprechen von einem oberen zweistelligen Millionenbetrag. Als überhöht kann das Briefporto wohl kaum gelten. Im europäischen Vergleich liegt es nach Angaben der Bundesnetzagentur im guten Mittelfeld.

Mit Kritik halten sich selbst Verbraucherschützer zurück. Seit Öffnung des Postmarktes seien die Briefpreise inflationsbereinigt um 20 Prozent gesunken, sagte Michael Bobrowski beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Er nennt die Anpassung unspektakulär und macht einen einfache Rechnung auf: "Ein deutscher Privathaushalt gibt pro Monat weniger als 4 Euro für Postdienstleistungen aus. Für Privatverbraucher wären die Auswirkungen also vergleichsweise gering."

Peter Lessmann, DPA/DPA

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