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16. Februar 2010, 11:16 Uhr

Wie viel Wahrheit steckt in Westerwelle?

Westerwelle zur Familienpolitik

Es antwortet DIW-Experte Markus Grabka: "Es ist richtig, dass Schwarz-Gelb verschiedene Entscheidungen getroffen hat, die vor allem Familien zu Gute kommen. Aber: Die Regierung betreibt dabei eine klare Klientelpolitik. Kinder, je nach dem aus welchen Einkommensschichten sie stammen, sind in Deutschland unterschiedlich viel wert. Hartz-IV-Empfänger haben von der seit Anfang des Jahres geltenden Erhöhung des Kindergeldes überhaupt nichts. Die 20 Euro werden ihnen voll auf die Regelsätze angerechnet.

Die Mittelschicht bekommt 20 Euro mehr Kindergeld, und die oberen Einkommensschichten können aufgrund des höheren Kinderfreibetrages die größten Vorteile aus den Entscheidungen der Politik ziehen. Eine solche Politik ist mit dem Ziel der Vermeidung von Kinderarmut nicht vereinbar. Letztlich kommt sie sogar einer Umverteilung von unten nach oben gleich.

Hinzu kommt: Im Bereich der Familienförderung haben wir in Deutschland über 100 Instrumente. Deren Zielgenauigkeit wurde jedoch niemals überprüft - zum Teil wirken sie sogar kontraproduktiv. Ein Beispiel ist das Ehegattensplitting, das auch dann gewährt wird, wenn überhaupt keine Kinder vorhanden sind. Das hat wenig mit der Förderung von Kindern zu tun."

Fazit: Schwarz-Gelb hat einiges für Familien in Deutschland getan. Nur haben am stärksten die Besserverdienenden davon profitiert und nicht die wirklich Hilfebedürftigen.

Von den ersten 100 Tagen der neuen Bundesregierung haben am allermeisten die Familien profitiert.

Zur Person

Zur Person Markus Grabka hat sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) intensiv mit der Vermögens- und Wohlstandsverteilung in Deutschland beschäftigt.

 
 
KOMMENTARE (10 von 93)
 
claatu (18.02.2010, 13:39 Uhr)
Westerwelle "irrt" nicht!
Er weiß genau was er sagt, das ist ja das schlimmen daran. Das was unser Aussenminister (und damit unser Repräsentant in der Welt!!) von sich gibt grenzt bei Betrachtung der Tatsachen an Volksverhetzung. Zum Glück kommt von fast allen Seiten Kontra, sonst könnte man verzweifeln.
manndernichtdaist (18.02.2010, 13:17 Uhr)
schämen
westerwelle ist nicht schuld. er ist einfach so. da kann er nichts dafür.

wer schuld ist sind diejenigen, die die FDP gewählt haben ("ums der SPD zu zeigen")

aber keiner will die ja gewählt haben, nicht wahr?
das sind sicher die leute die auch keine modern talking cds zu hause haben.
schade77 (18.02.2010, 12:40 Uhr)
@ Efesis
....danke, danke und nochmals danke für diesen Link. Habe selten so ungeschönt die Wahrheit gelesen, die es hier leider beim Stern nicht mehr geben darf.
Werde diesen Link wärmstens weiterempfehlen...
AndiHoffi (18.02.2010, 12:25 Uhr)
Gute Analogie
Ich finde, Westerwelle hat recht. Eine gute Analogie dazu findet sich unter folgendem Link:
http://www.seiler.it/von_Sven_Seiler_verfasste_Texte_und_Prosa/articles/Das_ungerechte_Steuersystem_in_der_Bundesrepublik_Deutschland.html
Efesis (18.02.2010, 09:48 Uhr)
sehr lesenswerter Artikel
ich weiss zwar nicht ob ich das darf aber ich setze mal ein Link rein. Das ist wirklich der beste und sachlichste Artikel den ich seit langem gelesen habe:

http://www.welt.de/debatte/article6305249/Der-Sozialstaat-pumpt-Geld-und-vermehrt-die-Armut.html
Skillet4 (18.02.2010, 02:43 Uhr)
Mach Show mach Show
Wir hatten dereinst ein Kaspertheater, so mit Handpuppen aus Plastik, schön bunt, und die rochen irgendwie seifig.
Da gab es die klassischen Figuren, wie denselben, den schwarz ? roten Teufel, ein grünes Krokodil.
Um die relativ schweren Kunststoffköpfe aufrecht zu halten, steckte man einen der Finger in ebendiese, und schon konnte man den Kasper auf der Bühne, hinter deren Fassade man selbst als Spieler unsichtbar war, schimpfen und hauen lassen, so wie man es wollte.
Wer hatte nun seine Finger im Spiel bei der Guido ? Show der letzten Tag, und was
war der Zweck der Show?
Die Antworten wurden dieser Tage gegeben, z. B. von den Wirtschaftsweisen Bert Rürup (SPD) mit dem Vorschlag eines allgemeinen Mindestlohns von 5 (!) EUR, und Ehrendoktor und Chefökonom Wolfgang Franz mit der Forderung, die Regelsätze (SGB 2) um 30 % zu kürzen.
Und jetzt kommt Mutti ins Spiel.
Wir werden ihr noch Beifall klatschen, Ihr werdet es sehen.
crestflight (17.02.2010, 20:44 Uhr)
Zitat
Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird.
Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.
Rothschild

So is dat!
grauschleier (17.02.2010, 19:37 Uhr)
Kleiner Tip als Ergänzung
Guter Artikel, vielen Dank dafür! Folgenden Link möchte ich alles Usern wärmstens empfehlen: www.nachdenkseiten.de
leboz (17.02.2010, 17:08 Uhr)
In Rom
lebten viele Reiche, die nicht durch Arbeit reich waren.In Rom lebte aber hauptsächlich absolut verarmter Pöbel, die mit Sozialleistungen, heute genannt "Brot und Spiele" ruhig gestellt wurden. Produziert wurde in den auswärtigen Provinzen, deren fleißige Einwohner durch Abgaben und Steuern völlig ausgesaugt wurden. Die Grenzen konnten nicht mehr bewacht werden: Das dazu notwendige Geld wurde in Rom verjuxt. Was ist heute in Deutschland? Es ist der doch kleine und mittlere Mittelstand der über jedes Maß hinaus ausgesaugt wird.
kabelmann (17.02.2010, 13:23 Uhr)
Ein kleines Zitat
aus der taz:

"Guido Westerwelle war seit 1983 Juli-Chef, seit 88 im FDP-Bundesvorstand und schloss sein Jurastudium erst 1991 ab: Parteiamtssalär, Diäten, Ministergehalt: Der Mann hat nie ernsthaft von etwas anderem als Staatsknete gelebt. Dass nun ausgerechnet er wirklich Bedürftige als überfressene Orgiasten schmäht - im vorrevolutionären Frankreich wäre das als der mannhafte Wunsch verstanden worden, sich immerhin die eigene Laterne auszusuchen. "

Dankeschön, Herr Küppersbusch
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