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6. Mai 2008, 10:47 Uhr

Wenn Raubritter die Diätenkasse plündern

Die Bundestagsabgeordneten genehmigen sich eine weitere Diätenerhöhung - schließlich soll der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst auch den Volksvertretern nützen. Dann sollten sie sich aber auch sonst dem normalen Arbeitnehmer anpassen - beim Pensionssystem zum Beispiel. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Bundestagsabgeordete im Reichstagsgebäude in Berlin. Was die Diäten angeht, sind sich die Abgeordneten meistens einig© Berthold Stadler/DDP

Man gönnt sich ja sonst nichts. Das scheint die Devise unserer Volksvertreter bei der Frage ihrer Bezahlung zu sein. Also treten sie einmal mehr zur Diätenerhöhung an. Schon wieder, muss man im aktuellen Fall monieren. Denn erst vor einem halben Jahr hat sich die Volksvertretung bereits eine Erhöhung um neun Prozent genehmigt. Netter Schluck aus der Pulle. Wir können uns nicht erinnern, dass irgendein Arbeitnehmer 2007 neun Prozent mehr Tariflohn bekommen hätte.

Was den neuen Griff in die Diätenkasse besonders bemerkenswert macht, ist jedoch die Methodik. Voriges Jahr argumentierten die Abgeordneten mit dem Hinweis, sie müssten schließlich ähnlich wie die einfachen Bundesrichter bezahlt werden. Weil diese Begründung verbraucht ist, berufen sich die Betreiber der Diätenerhöhung jetzt auf den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst. Der sei so hoch ausgefallen, dass man sich unbedingt auch für die Volksvertretung einen Nachschlag genehmigen müsse.

Fast 8000 Euro Diäten sind kein Hungerlohn

Wie bitte? So hoch? Wer genauer hinsieht, muss einräumen, dass die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes nach Jahren des Lohnverzichts gerade mal einen Kaufkraftausgleich bekommen haben, der alsbald wieder aufgezehrt werden könnte durch neue Belastungen, etwa höheren Beiträgen zur Krankenversicherung.

Aber falls der Bezug auf den öffentlichen Dienst ernst gemeint sein sollte: Dann müssten sich die Abgeordneten des Bundestags endlich aufraffen, sich auch in diesem Punkt an normalen Arbeitnehmern zu orientieren. Daran denkt indes niemand. Noch immer ist das Pensionssystem der Volksvertreter eine absurde Veranstaltung. Nur ein Beispiel: 2009 verlässt eine Bundestagsabgeordnete das Parlament, in das sie 2002 mit 19 Jahren gewählt worden war. Sie hat damit eine Rente von - nach heutigen Maßstäben - 1500 Euro ab ihrem 65. Lebensjahr sicher. Das ist mehr als ein Durchschnittsverdiener nach lebenslanger Arbeit erreichen kann.

Fast 8000 Euro Diäten sind angemessen, gewiss kein Hungerlohn. Niemand will, dass unsere Abgeordneten mit dem Hut in der Hand über Land ziehen müssen. Sie sollten aber nicht vergessen, dass ein Bundestagsmandat darüber hinaus noch mit zahlreichen Vergünstigungen angereichert ist. Da ist die steuerfreie Abgeordnetenentschädigung von rund 4500 Euro, da sind Freiflüge und Gratisbahnkarte der 1. Klasse, Geld für Mitarbeiter. Sehr viele Abgeordnete kassieren zusätzliche Gelder aus der Staatskasse für bestimmte Funktionen, sei es als Fraktionswürdenträger, sei es als Vorsitzende bestimmter Arbeitsgruppen.

Unterm Strich des neuen Diätenvorstoßes steht: Wenn die Große Koalition ansonsten nur noch wenig zustande bringt, so hält sie wenigstens gemeinsam die Hand auf, wenn es ans eigene Eingemachte geht. Und weil die Damen und Herren letzten Ende ja über sich selbst entscheiden, möchte man sie dringlich warnen: Man sollte nicht den Eindruck erwecken, hier werde wieder einmal parlamentarisches Raubrittertum praktiziert. Mutig wäre es nur dann, wenn die Abgeordneten den Mumm hätten, ihren Diätenvorstoß nicht heute, sondern im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl zu praktizieren. Dann könnten die Wähler auch darüber abstimmen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 61)
 
utospatz (08.05.2008, 00:25 Uhr)
Oh Herr was sind die Alle christlich
nur der HartzIV-Empfänger findet's misslich. Paralell dazu sind die sogar angeblich noch sozial, jetzt färben alle sich noch grün, all dies ist doch in Nichtwählers Sinn.
Wer kann denn nun solch Deppen mit vertrauen, beim nächsten Qualzettel noch sein Kreuzchen anvertrauen?
ganzbaf (07.05.2008, 06:31 Uhr)
Es kann nur...

die Direktdemokratie helfen!
Denn der Publikumsjoker versagt nie (-:
.
Wer gründet endlich die "PEVV"?? (Partei zur Einführung der vollumfänglichen Volksabstimmungs-Demokratie.)
ramteid (07.05.2008, 01:35 Uhr)
Viel zu wenig
Was soll denn diese Bescheidenheit. Man sollte ihnen unbegrenzten Zugriff auf Geld gestatten. Sie arbeiten derart hart für das Gemeinwohl. Da darf das Wort Geld keine Rolle spielen.
kalaehne (07.05.2008, 01:07 Uhr)
Gier hat auch den Namen Röttgen (CDU)..
...verteidigt doch Norbert Röttgen (CDU) die erneute Erhöhung der Diäten. Da ist der Anwalt Röttgen- stellv. Fraktionsvorsitzender der CDU - konsequent. Von weiteren finanziellen Vorteilen der Bundetagsabgeordneten, der steuerfreien Kostenpauschale, den Freifahrten/Flüge, der günstige Altersversorgung ...redet er nicht. So verhalten sich Menschen, die dem "Abkassieren" Priorität eingeräumt haben. Deshalb war es für Norbert Röttgen (CDU) nur logisch, daß er kürzlich zwei Geldquellen gleichzeitig nutzen wollte : den BDI-Spitzenposten und das Bundestagsmandat. Beide Tätigkeiten sind Vollzeitjobs... Die Konten des Herrn Röttgen haben eben Platz für die Gehälter mehrerer Vollzeittätigkeiten... Wähler sollten die Gier des Norbert Röttgen nicht vergessen und keinesfalls mit ihren Stimmen belohnen, zumal Röttgen die Arbeit eines Volksvertreters mit Lobbyarbeit für den BDI - selbstverständlich gegen Bezahlung - kombinieren wollte...Juergen Kalaehne, BGM a.D.
wintersaint (07.05.2008, 00:19 Uhr)
Wählt mich!
Ich verspreche gedeckelte Diäten bei mir und Himbeersofteis für alle!
Skillet4 (06.05.2008, 20:19 Uhr)
Ganz schön bescheiden
Für ihre Bestechlichkeit müssen diese Leute sich auch „angemessen“ belohnen Ist doch ganz folgerichtig, oder?. Wem das nicht passt, sollte diese Demokratie-Parasiten nicht wählen. Nützt zwar nix, aber was bleibt denn sonst den wahrhaften „Volks – Vertretern?“ Eine kleine Demonstration vielleicht? Mit uns Regierten, Abgezockten, Reglementierten, Enteigneten, (relativ) bereits Verarmten und Verarmenden, Ignorierten, Gedemütigten und Herabgewürdigten? Hat sich jemand in dieser kleinen Auswahl wiedergefunden? Was wir brauchen, ist eine echte parlamentarische Opposition, woraus kurz- und mittelfristig wohl nichts mehr wird…
AndyK (06.05.2008, 20:14 Uhr)
Unglaublich
Seit Jahren erzählen uns die Arbetgeber daß sie um konkurenzfähig zu bleiben keine höhren löhne bezahlen können. Hoffentlich sind die Politiker die diese Diätenerhöhung beschließen bei der nächsten Wahl nicht mehr konkurenzfähig.Abzocker und Geldveruntreuer sollte man einfach nicht mehr wählen.Gerecht währe es wenn der Wähler am Wahltag auch über die Bezüge der zukünftigen Abgeortneten entscheiden könnte.Dann würde der Abgeortnete der sich für seine Wähler besonders einsetzt das nächste mal mit höheren Bezügen wieder gewählt.Sowas nennt man Leistungsprinzip das für normale Arbeitnehmer schon lange gilt. Der muß jedoch für jeden mehrverdienten Euro noch mehr Steuern bezahlen.
eckert2 (06.05.2008, 18:41 Uhr)
Maßlos
Ich bin in die zeit der DDR zurückversetzt da haben sich die obren Bonzen auch bereichert da haben sie das illegal gemacht und heute stehlen sie per Gesetz.Von uns verlangen Sie wir sollen auf steuergeschenke verzichten weil nichts zu verteilen ist und die im Bundestag bereichern sich geschmacklos allen voran SPD und CDU merkwürdig da sind sie sich auf einmal alle einig aber was für normle Volk nur wichiwaschies ist traurig das es solche idioten gibt sie stempeln uns auch als idioten ab deshalb sage ich idioten man soll sich nicht wundern wenn es mal explodiert
aeternitas (06.05.2008, 17:28 Uhr)
@gripster
Und wie soll ich das als nahezu mittellose Einzelperson tun??? Ich könnte zu einer Demo in einem Dorf aufrufen, aber es wird Deutschland nicht interessieren wenn irgendwo auf dem flachen Land demonstriert wird. Ich hoffe auf eine richtige Großstadt! Und die Ordnungsämter werden lachen, wenn ich als Privatperson komme und eine Demo anmelde, wo ich noch nicht einmal weiß, wie viele Leute ich erreichen kann. Das ist schon bei einem Fest mit bekannter Gästezahl schwer genug. Deshalb war meine Bitte, dass wenn ein Mitglied einer Demonstrationserprobten Gruppe (kann auch die Ortsgruppe einer Partei sein) das liest, dass sie bitte zu einer Demo aufrufen. Dem DGB/Bund deutscher Steuerzahler/ver.di etc. wird eher eine Demo gestattet als einer Einzelperson aus der Provinz. Außerdem haben diese Vereingungen die größeren finanziellen Mittel (Anzeigen in Zeitungen, Radio etc.)
romeodelta (06.05.2008, 14:57 Uhr)
Naja
vor kurzem wurde berichtet, dass wir ALLE über 75000 Euro pro Jahr verfügen und Kauder hat gesagt, es gibt keine Verarmung in Deutschland - irgendetwas habe ich zumindest verpasst. So gesehen, ist die Erhöhung der Diäten nur gerecht - der MdB muss doch etwas mehr verdienen, als das gemeine Volk oder?
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