19 Nebenjobs - kein Problem

6. Juli 2007, 11:38 Uhr

Er ist gut beschäftigt: Sage und schreibe 19 Nebentätigkeiten listet der Bundestagsabgeordnete Heinz Riesenhuber im Internet auf. Im stern.de-Interview verrät der CDU-Politiker, wie er das schafft und wie er mit Kritik umgeht.

Der CDU-Politiker Heinz Riesenhuber ist Mitglied mehrer Aufsichtsräte©

Herr Riesenhuber, mit wie viel Bauchschmerzen haben sie Ihre Jobs preisgegeben?

Ich bin ganz entspannt und halte mich an die Vorschriften, egal ob ich sie für sinnvoll halte oder nicht.

Sie geben im Internet (bundestag.de oder auch abgeordnetenwatch.de) eine Vielzahl von Nebentätigkeiten an, zu denen neben Ehrenämtern auch einige Mandate in Aufsichtsräten großer Unternehmen gehören. Wie schaffen Sie es, dies alles mit ihrer Abgeordnetentätigkeit unter einen Hut zu bringen?

Ziemlich gut. Ich schaffe das durch eine straffe und intelligente Arbeitsplanung. Wir haben 20 bis 25 Sitzungswochen im Bundestag. In dieser Zeit arbeite ich fulltime als Abgeordneter und schiebe in dieser Zeit nur selten einen Termin rein, der nichts mit damit zu tun hat. Und in den sitzungsfreien Wochen kümmere ich mich um meinen Wahlkreis. Das klappt recht gut, denn sonst wäre ich nicht mit 99 Prozent Zustimmung als Direktkandidat aufgestellt und bei der letzten Wahl mit einem sehr guten Ergebnis in den Bundestag gewählt worden.

Aber noch mal gefragt: Sie sind in mehreren Unternehmen im Aufsichtsrat. Wie vereinbaren Sie das mit ihren Parlamentsarbeit?

Ein Aufsichtsrat hat in der Regel ja nur rund vier Sitzungen im Jahr. Natürlich gibt es auch Krisenzeiten, in denen diese Gremien öfters tagen. Aber da trifft man sich eben abends oder zu einer Telefonkonferenz. Es ist alles eine Sache der guten Organisation. Ich habe immer schon Wert gelegt, dass ich nicht nur im Parlament Papier von rechts nach links schiebe. Und wenn ich nicht die Bodenhaftung hätte mit den Menschen, die in den Unternehmen die Arbeit tun, würde ich meine Abgeordnetentätigkeit in einem abstrakten Raum absolvieren.

Das heißt, Sie sind gegen reine Berufspolitiker?

Nein. Es gibt bestimmt auch Kollegen, die sich nur auf die Politik konzentrieren und einen sehr guten Job machen. Aber ich bezweifle, dass es gut für das Parlament wäre, wenn es nur aus Berufspolitikern bestehen würde. Vielfalt macht den Charme des Bundestages aus.

Aber können Sie es verstehen, wenn sich die Bürger wundern über Abgeordnete mit vielen Nebenjobs?

Ich könnte es verstehen, wenn sich die Bürger fragen, ob ihr Abgeordneter genug für sie da ist. Aber bei mir zumindest wird diese Frage durch jede Wahl beantwortet. Denn ich kann nur feststellen, dass meine Arbeit von den Wählern und meiner Partei mit großer Freundschaftlichkeit begleitet wird.

Sie waren im Aufsichtsrat von Unternehmen wie Altana oder Vodafone und sind Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Ergeben sich da nicht zwangsläufig Interessenkonflikte?

Ich habe allen Firmen von vorneherein klar gemacht, dass ich für Lobbyarbeit nicht zur Verfügung stehe. Ich möchte mitgestalten und das ist von allen Seiten akzeptiert worden. Ich trenne sauber die verschiedenen Tätigkeiten und halte mich an die Regeln. Und wenn ich als Abgeordneter zu entscheiden , entscheide ich mich wie von der Verfassung vorgegeben nach meinem Gewissen.

Haben Sie denn angesichts der vielen Arbeit noch genug Zeit für Ihre Familie?

Ich war Ende der 70er Jahre, als ich in den Bundestag eingezogen bin, Geschäftsführer einer Firma. Im Rückblick bedauere ich, dass damals die Zeit für meine Familie gefehlt hat. Aber ich bin dankbar, dass meine Frau das Privatleben in Schuss gehalten hat. Und damals wie heute gilt, dass ich mir Zeit nehme, um mit meiner Familie alle eventuelle anfallenden Probleme bespreche. Und wenn ich zuhause bin, dann widme ich mich zu 100 Prozent der Familie.

Folgende Nebentätigkeiten gibt Heinz Riesenhuber an Entgeltliche Tätigkeiten neben dem Mandat Casino zu Coblenz, Vortrag, September 2006, Stufe 2

Du Pont de Nemours S.A., Vortrag, Januar 2007, Stufe 3

Siemens AG, Mitarbeit im Innovationskreis (bis 31.5.2006), 2005, Stufe 3

Wirtschaftsinitiative Gelsenkirchen e.V., Vortrag, März 2007, Stufe 3

Funktionen in Unternehmen Altana AG, Mitglied des Aufsichtsrates (bis 3.5.2007), 2005, Stufe 3; 2006, Stufe 3; Mai 2007, Stufe 3

EVOTEC AG, Vorsitzender des Aufsichtsrates, 2006, Stufe 3; April 2007, Stufe 3

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Mitglied des Aufsichtsrates, 2005, Stufe 3; 2006, Stufe 3

Frankfurter Versicherungs-AG, Mitglied des Beirates (bis 31.12.2005)

HBM BioVentures AG, Baar/Schweiz, Mitglied des Verwaltungsrates, 2006, Stufe 3; 2007, Stufe 3

Heidelberg Innovation BioScience Venture, Mitglied des Investorenbeirats

Henkel KGaA, Mitglied des Aufsichtsrates, 2005, Stufe 3; 2006, Stufe 3; 2007, Stufe 3

Kabel Deutschland GmbH, Mitglied des Beirates und des Aufsichtsrates, 2005, Stufe 3; 2006, Stufe 3; 2007, Stufe 3

Marketing Corporation AG, Vorsitzender des Beirates (bis 31.12.2006), Dezember 2005, Stufe 2; 2006, Stufe 3

VfW AG, Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates, 2006, Stufe 3: 2007, Stufe 3

Vodafone, Mitglied des Aufsichtsrates (bis 18.6.2007), 2006, Stufe 3

Funktionen in Vereinen, Verbänden und Stiftungen Deutsche Parlamentarische Gesellschaft, Präsident, ehrenamtlich

Deutsches Museum, Vorsitzender des Kuratoriums, ehrenamtlich

Hessische Multiple Sklerose Stiftung, Vorsitzender, ehrenamtlich

Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, Mitglied des Verwaltungsrates, ehrenamtlich

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KOMMENTARE (10 von 22)
 
gmathol (07.07.2007, 02:34 Uhr)
Tuer und Tor oeffnen fuer Korruption und Vetternwirtschaft!
Riesenhuber wuerde kaum diese Beschaeftigungen als Privatmann bekleiden.
Deutschlands Demokratie funktioniert schon laengst nicht mehr. Nach der Wahl wird eh getrieben was man will und selbst die Gewaltenteilung hat hier nur noch geringen Einfluss. Die "unabhaengige" deutsche Justiz verfolgt niemals die Straftaten von Politikern und selbst wenn Machtmissbrauch zum persoenlichen Schaden von Buergern fuehrt haben Politiker nichts zu fuerchten.
Eine Erneuerung ist faellig!
bernie-abg (06.07.2007, 17:09 Uhr)
Huih...
...wenn man sich da mal den Stundenlohn ausrechnet, aber eine Forderung nach 7,50€ Mindestlohn als unverschämt, gierig und nicht bezahlbar bezeichnen. Das schreibe ich nicht aus Neid, ich habe selber einen anständig bezahlten Beruf.
Aber hier stimmen einfach die Relationen nicht mehr.
Betonpaul (06.07.2007, 16:39 Uhr)
Berichtigung
Stimmt, das sagte Richard von Weizsäcker.
Ginnungagap (06.07.2007, 16:09 Uhr)
@Betonpaul
"Machtvergessen und machtversessen" sagte das nicht Richard von Weizsäcker?
*Achtung böser Humor*
Der Friedrich war doch der, wegen dem wir den Krieg verloren haben ;)
Betonpaul (06.07.2007, 15:20 Uhr)
Dumme Sprüche
Riesenhuber klopft dumme Sprüche. Bei der Vielzahl seiner Nebenjobs ist ein vernüftiges Arbeiten als Bundestagsabgeordneter unmöglich. Mal ganz abgesehen davon, daß da ja auch alle möglichen Interessenkonflikte provoziert werden.
So ein Typ hat im Deutschen Bundestag nichts zu suchen. Man sollte ihn einfach rausschmeißen können...
Aber bei der CDU muß er keine Angst haben. Die stellen ihn auch mochmal zur Wahl auf.
"Machtvergessen und machtversessen", so hat Friedrich von Weizsäcker diese Bande einmal genannt. "Geldgeil" hat er noch vergessen.
forever_techno (06.07.2007, 15:14 Uhr)
gierig!
die motivation des guten herrn ist in einem satz auf den punkt gebracht: er kriegt den hals nicht voll.
und ich bin überzeugt: nach diesem unverschämten interview wird er bei der nächsten wahl in seinem heimatbezirk NICHT mehr gewählt. wahrscheinlich wird er dies nicht einmal merken, denn sein gehalt als bundestagsabgeordneter ist im vergleich zum rest vermutlich nur peanuts!
AxelR. (06.07.2007, 14:59 Uhr)
weltfremd
Sehr lachen musste ich über den Ausspruch, dass Herr Riesenhuber durch seinen Posten im Ausfsichtsrat die Bodenhaftung zu den Arbeitnehmern behält. Seit wann hat denn ein Aufsichtsratsmitglied Ahnung von dem, was einen Arbeitnehmer beschäftigt?
Was würde wohl mein Chef sagen, wenn ich 19 Nebenjobs hätte? Sicher würde er mir gratulieren, dass ich so vielseitig bin, oder?
kasa55 (06.07.2007, 14:42 Uhr)
19 Nebenjobs - kein Problem...
das ich nicht lache!
Mit diesem Organisationstalent sollte Herr Riesenhuber für den "Wirtschaftsoskar" vorgeschlagen werden.
Aber bei den 19 Nebenjobs sollte man wohl eher zwischen Jobs und Gefälligkeiten unterscheiden. Wie andere auch schon kommentiert haben, kann man auch durch seine Stellung und Beziehungen zu lukrativen Nebeneinkünften kommen.
Da hat einer ein Problem, ruft bei einem an und teilt dies mit, worauf dann wieder ein anderer Angerufen wird, der dieses Problem beseitigen kann.
So etwas nennt man Vorteilsnahme durch Bestechung und kann laut Gesetzbuch mit bis zu 3 Jahren Gefängnis geahndet werden.
Vielleicht sollten mal Privatdetektive auf die gutverdienenden Abgeordneten angesetzt werden, um zu sehen wie diese ihren umfangreichen Arbeitsalltag verbringen.
Da gäbe es wahrscheinlich ziemliche Überraschungen.
Ich frage mich nur warum bei so vielen Bundestagssitzungen stellenweise nur 30% der Mitglieder des Bundestages nur anwesend sind. Grund dafür werden wohl nicht die schönen Toiletten im Bundestag sein.
anschu79 (06.07.2007, 14:29 Uhr)
Jetzt weiß ich auch...
...warum es soviele Arbeitslose in Deutschland gibt ;-) !
peppuul (06.07.2007, 14:27 Uhr)
Nebenjobs ganz toll!
Was erwartete man denn in diesem immer mehr zur Bananerepublik absackendem Land? Man schaue sich nur die belegten Plätze bei Plenarsitzungen an. Es scheinen nur noch die Parlamentarier da zu sein, die keinen Job gefunden habe. Alle anderen sind doch anderweitig beschäftigt.
Einen vertretbaren Kontakt zur Aussenwelt sollte man den gestressten Politikern durchaus zugestehen, damit sie nicht ganz die Verbindung zur Aussenwelt verlieren, aber was tatsächlich geschieht, sollte mit aller Macht unterbunden werden. Entweder man erfüllt seine Aufgabe als gewählter Mandatsträger oder man geht seinen Jobs nach; beides geht nunmal nicht, zumal es zu Lasten des Steuerzahlers geht.
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