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28. September 2007, 16:23 Uhr

Stoiber liest Pauli Leviten

In seiner Abschiedsrede auf dem CSU-Parteitag in München hat Edmund Stoiber ein letztes Mal versucht, die Konturen seiner CSU klar zu umreißen. In einer erstaunlich kurzen Ansprache wetterte er gegen die SPD und gegen einen EU-Beitritt der Türkei - und sagte Gabriele Pauli, wie die CSU wirklich zur Ehe steht.

Auf den Tisch stieg er nicht, aber auf einen Stuhl: der scheidende CSU-Chef Edmund Stoiber empfängt nach den Beifall nach seiner Rede© Uwe Lein/AP

Mit scharfen Angriffen auf den Berliner Koalitionspartner SPD hat der scheidende Parteichef Edmund Stoiber auf dem CSU-Parteitag in München seinen Abschied eingeläutet. Einen Tag vor der Wahl seiner Nachfolger warf der bayerische Ministerpräsident den Sozialdemokraten am Freitag vor, sie knickten vor der Linkspartei und deren Chef Oskar Lafontaine ein. Zugleich rief Stoiber die CSU auf, Volkspartei zu bleiben. Er bekannte sich zu Ehe und Familie und warnte, die Partei sei "kein Happening". Sie werde durch Werte zusammengehalten "und nicht durch Show".

Huber erwartet "klaren Auftrag"

Der Parteitag steht im Zeichen des größten personellen Umbruchs der CSU seit Jahrzehnten. Wichtigster Punkt der Tagesordnung ist am Samstag die Wahl des neuen CSU-Vorsitzenden. Als Favorit gilt der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber, außerdem kandidieren Bundesagrarminister Horst Seehofer und die Fürther Landrätin Gabriele Pauli. Huber sagte, er erwarte vom CSU-Parteitag "einen klaren Auftrag" als neuer Parteichef. Für das Amt des Generalsekretärs habe er mehrere Namen im Kopf. Seehofer räumte ein, dass Huber als Favorit in die Wahl gehe.

Pauli will Türkei die Türe offen halten

Pauli wiederum kündigte zwei Änderungsanträge zum CSU-Grundsatzprogramm an, dessen Verabschiedung am Freitag in München im Mittelpunkt stand. Zum Einen schlug sie den Satz vor: "Unter Familie versteht die CSU alle Lebensgemeinschaften, in denen Kinder aufwachsen." Zum Anderen kündigte sie einen Antrag zum EU-Beitritt der Türkei an, für den die Tür offen gehalten werden solle. Stoiber sollte am Abend nach der Gastrede von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zum CSU-Ehrenvorsitzenden gewählt werden. Er feierte am Freitag auf dem Parteitag seinen 66. Geburtstag und wurde von den Delegierten mit Ovationen bedacht.

Stoiber geißelt SPD

Als eine Art politisches Vermächtnis bekannte sich der scheidende Parteichef mehrfach zur sowohl konservativen als auch sozialen Ausrichtung der CSU. Sie müsse politische Heimat für alle Schichten sein und sei mehr als eine Interessenpartei. Zugleich kritisierte Stoiber, das Wahlprogramm der Union 2005 sei zu marktwirtschaftlich gewesen und habe zu wenig die soziale Marktwirtschaft betont. Der SPD warf der scheidende CSU-Vorsitzende vor, sie sei kopflos, zerstritten und knicke programmatisch vor der Linkspartei ein. "Die SPD hat ihre Seele an Lafontaine verloren. Und eine neue ist nicht in Sicht!", rief Stoiber aus. SPD-Chef Kurt Beck sitze am Klavier und habe keine Partitur. Der bayerische Ministerpräsident attackierte insbesondere Vertreter der SPD-Linken wie Wolfgang Thierse und Andrea Nahles. Diese huldigten im neuen SPD-Grundsatzprogramm der "stolzen Tradition des demokratischen Sozialismus". Dies sei ein "Affront gegen die Freiheit", kritisierte Stoiber. "Das ist die Kapitulation vor Lafontaine. Dieses Programm bricht mit der Ära Schröder!"

Scharf griff Stoiber auch die zögerliche Haltung der SPD in der inneren Sicherheit an. Mit ihrer Verweigerungshaltung falle sie beim Schutz vor Gewalt und Terror hinter den früheren Innenminister Otto Schily zurück. "Hier müssen wir die SPD stellen und dürfen nicht einknicken", sagte der CSU-Chef. Zugleich bekräftigte Stoiber seine Forderung nach Einführung eines Betreuungsgelds für Eltern, die ihre Kinder nicht in Krippen schicken. Dabei griff er Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) direkt an. Es sei inakzeptabel, wenn diese das Betreuungsgeld als bildungspolitische Katastrophe bezeichne, sagte er. Stoibers designierter Nachfolger als Ministerpräsident, Günther Beckstein, sprach von einer riesigen Herausforderung. Die Sacharbeit werde aber nach der Kabinettsbildung nahtlos weitergehen. Umfragen zeigten, die CSU habe ihre Krise überwunden.

AP
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Roy05441 (01.10.2007, 14:00 Uhr)
Ich denke mal ganz einfach, dass selbst eingefleischte....
CSU-Bonzen nicht wissen, wie eingefleischte Stoiber-Kreaturen denn pissen!
Ermatrans (28.09.2007, 17:52 Uhr)
Stoiber fühlt sich als der grösste Ultra Low Level Duckmäuser-Chef aller Zeiten
Er, der schmollende Zerstoibte, glaubt über Pauli triumphieren zu müssen, nur das “So wichtig sind Sie nicht” lässt er weg, denn da brennen ihm die Finger noch. Stoiber verdient wirklich einen Günther Beckstein als Nachfolger. Dieser hat ihn zusammen mit dem intriganten Huber in einem Hinterzimmer in Kreuth aus den Ämtern geputscht und glaubt nun an den Umfragewerten feststellen zu können, dass die CSU-Krise überwunden sei - selbst feststellen kann die CSU den eigenen, katastrophalen Zustand natürlich nicht. Die CSU steckt in einem Teufelskreis. Sie hat keinen Wahlerfolg, sondern nur Wählertäuschungserfolg, der wiederum zur Selbsttäuschung und in der Folge zur immer weiteren Selbstverdummung der CSU führt. Es fehlt nur noch, dass Beckstein zusammen mit Huber, Söder, Stoiber, Stewens & Co auf den Tisch steigen und jubelnd brüllen “Es lebe die Heuchelei und Intrigen um Posten”. Kein Wunder, dass Pauli von dieser verblendeten CSU-Gesellschaft wie ein unerträglicher Fremdkörper abgestossen wird, da sie die Heuchelei und Intrigen um Posten abstellen und das Leistungsprinzip einführen würde, so dass die gesamte CSU-Obrigkeit automatisch aussortiert wird.
Randbemerkung: Ramsauer, der erst kürzlich in Richtung Pauli meinte “uninteressanter wie der Dreck unter den Fingernägeln” soll wegen des Drecks unter seinen Fingernägeln am Türsteher hängengeblieben sein. Er kann an der CSU-Selbstverdummung wohl selbst nicht mitwirken und muss sich diese von draussen ansehen.
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