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28. Juni 2010, 15:44 Uhr

Westerwelle versucht Neustart ohne Kurswechsel

Die FDP will den Neuanfang, doch zu einem radikalen Kurswechsel sind die Liberalen nicht bereit. Ihr Lieblingsthema Steuerentlastung bleibt auf der Agenda und Guido Westerwelle Parteichef und Vize-Kanzler in Personalunion.

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Kämpft gegen das Stimmungstief der FDP: Parteichef Guido Westerwelle© Oliver Berg/DPA

Mit nur kleinen Kurskorrekturen, einem offenen Diskussionsstil und einer größeren Arbeitsteilung will die FDP aus ihrem Stimmungstief nach acht Monaten Regierungszeit kommen. "Wir Freien Demokraten machen einen neuen Anlauf", sagte Parteichef Guido Westerwelle am Montag nach einer zweitägigen Klausur der FDP-Führung in Berlin. "Aber wir bleiben bei unseren Themen und unserem Kurs."

Und der heißt nach wie vor Entlastung der Bürger. "Die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen, die Entlastung der Mittelschicht bleibt unser Ziel", heißt es in dem Beschluss des Bundesvorstands. Allerdings soll zunächst der Konsolidierung der Haushalte Priorität eingeräumt werden. Konkrete Vorschläge zu Steuervereinfachung, Steuergerechtigkeit und Entlastung der Mittelschicht will die FDP bis zum Herbst vorlegen. Dafür sollen die Vorstandsmitglieder Andreas Pinkwart, Hermann Otto Solms, Rainer Brüderle und Volker Wissing in einer neuen Kommission Vorschläge erarbeiten.

Westerwelle will keine Macht abgeben

Als Reaktion auf die schlechten Umfragewerte und den Ansehensverlust der FDP sowie die interne Kritik an seinem Führungsstil kündigte Westerwelle an, künftig den Themen Arbeit, Bürgerrechte, Bildung sowie einer liberalen Umwelt- und Außenpolitik mehr Raum zu bieten. Westerwelle war vorgeworfen worden, zu lange und zu starr auf das Thema Steuersenkungen gesetzt zu haben und einen wenig dialogorientierten Führungsstil zu pflegen. Westerwelle räumte ein, dass die Regierung mit Rücksicht auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen "manche Frage nicht schnell genug und nicht energisch genug gleich zu Beginn der Regierungszeit angegangen" sei.

Westerwelle gab auch eigene Fehler zu. Trotz der schlechten Umfrage- und Sympathiewerte will er jedoch sowohl Parteichef als auch Außenminister und Vizekanzler bleiben. Die FDP kommt nach knapp 15 Prozent bei der Bundestagswahl in Umfragen derzeit nur noch auf rund 5 Prozent. Westerwelle hat so schlechte Werte wie kein Außenminister jemals zuvor.

Bei der Klausur sah sich Westerwelle nach Angaben von Teilnehmern kein einziges Mal mit der Forderung nach einer Ämtertrennung konfrontiert. Die Ämter-Kombination sei wichtig, um in der Regierung mit Nachdruck liberale Politik vertreten zu können, betonte Westerwelle und verwies darauf, dass auch Kanzlerin Angela Merkel der CDU vorsteht.

Kronprinz Lindner übernimmt mehr Verantwortung

Der 48-Jährige soll aber in der Parteiführung von Arbeit entlastet werden. Dabei richtet sich das Augenmerk vor allem auf Generalsekretär Christian Lindner, 31. Westerwelle sagte dazu: "Wir waren keine Ein-Thema-Partei, wir waren keine Ein-Mann-Partei, und wir werden es auch nicht werden." Als Regierungspartei müsse man die Arbeit aber auf mehr Schultern verteilen als in der Opposition.

Unter der Führung Lindners, der als Kronprinz gehandelt wird, soll eine Kommission ein neues Grundsatzprogramm bis zum Jahr 2012 erarbeiten. Dazu solle die Kommunikation mit den Mitgliedern sowie mit allen Bürgern und gesellschaftlichen Gruppen intensiviert werden, betonte Westerwelle. Nach einem Auftaktkongress im Oktober sind für das Jahr 2011 mehrere Regionalkonferenzen geplant.

Bei der Steuervereinfachung pocht die FDP auf eine rasche Neuordnung des Mehrwertsteuersystems, das auch der Bundesrechnungshof als willkürlich bezeichnet hat. Die im Koalitionsvertrag beschlossene Regierungskommission zu dem Thema müsse bald ihre Arbeit aufnehmen, forderte der Vorstand in einem Beschluss. Der Katalog der Steuerermäßigungen müsse grundlegend überarbeitet und Ermäßigungen, die nicht klar, nachvollziehbar und gerecht seien, müssten abgeschafft werden. Angesprochen auf die umstrittene Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels sagte Westerwelle, für die Beratungen gebe es keine Denkverbote.

joe/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
winn111 (29.06.2010, 17:19 Uhr)
@Be61
tja mit Niebel und Homburger hast du gleich zwei rote Tücher getroffen. Habe meine TV-Fernbedienung programmiert, immer wenn die ins Bild kommt, schaltet der Ton automatisch ab. Klappt auch bei Merkel, Westerwelle und Co. Nur bei Lindner streikt sie, weil sie denkt, wir wären beim Fussball und es kommt wieder ein Eigentor.
winn111 (29.06.2010, 17:04 Uhr)
ist Niebel
denn schon wieder in Deutschland??? Habe gedacht,den wollten wir hier nicht mehr reinlassen.
crvnshkr (28.06.2010, 21:36 Uhr)
@prima
Frech Dumm Peinlich? OK, den kannte ich noch nicht. Ich dachte bisher, FDP steht für Ferein Der Pfolpfosten. So lernt man doch noch dazu! Good bye Guido, good bye Mutti! Ich hoffe, ich muss auf den Abschied nicht mehr allzu lange warten! Bin am WE in Berlin, ich glaube, ich werde einen kleinen Umweg einlegen und bei der Gelegenheit mal zünftig an den Reichstag pissen. Und kommt mir nicht mit "Entweihung des Hohen Hauses" oder so was, das hat unsere "Regierung" längst gründlich besorgt.
Prologo (28.06.2010, 21:31 Uhr)
Richtig so, Herr Westerwelle, lass dir nicht den Schneid abkaufen,....

.....die 5 % Marke haste schon sicher, aber die 3 % sind sicher noch drin, wenn du durchhältst,....

....und behalte alle Ämter in der FDP, denn das kann keiner besser als du, und.....

.....du wirst damit auch in die Geschichte der FDP eingehen, denn ein Westerwelle macht keine halben Sachen, oder....?

MfG,
T.
winn111 (28.06.2010, 20:41 Uhr)
prima
ich finde es prima, dann haben wir bald eine Fast Dreiprozent Partei oder eben Frech Dumm Peinlich. Passt beides.
Schnaafpaaf (28.06.2010, 19:41 Uhr)
@johann58 (17:05) köstlich!
Wahrscheinlich nur ein Schreibfehler:
"....Totengräber der FDP in den Analen (!) der FDP...."
Ich bin vor Lachen vom Stuhl gefallen.
mid63 (28.06.2010, 18:21 Uhr)
Ein unauflösbarer Teufelskreis!
Der unsäglich selbstbverliebte und machtbesessenen Vorsitzende Westerwelle glaubt also an einen Neustart, ohne irgendetwas zu verändern. Kleinkindern verhalten sich gelegentlich ähnlich ungelenk.

Nach Westerwelles provokanten Motto "Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!" darf sein Parteivolk und deren Führungspersonal zweifelhaftester Qualifikation nun zu den nächsten Anläufen mit dem Kopf gegen die harte Wand der Realität antreten. Das gibt heftige Kopfschmerzen, die Realitätsverlust durch die folgenden Gehirnerschütterungen wird noch offensichtlicher werden. Wie verbissen und weltfremd muss man eigentlich gestrickt sein, um nicht zu verstehen, dass man sich sein größter Gegner selber sein kann?

Nur wenige Bürger werden bedauern, wenn sich die FDP auf diesem Weg mehr und mehr von den wohlfeilen Töpfen der Macht entfernt. Gönnen wir den Herrschaften die längst überfällige Auszeit in den Parlamenten der Länder und erst recht im Bund!
gutesfeechen (28.06.2010, 17:52 Uhr)
....????
nun zum großen Glück sind wir Bürger doch nicht ganz so blöd, wie die jetzige Regierung vermutet.....

Da uns allen nichts entgangen ist, wissen wir ganz genau, dass es keinen Neustart gibt sondern nur ein Verwalten der ALTEN An. und Absichten.

Lasst uns alle bei der Beisetzung dieser Partei beiwohnen.
enneos (28.06.2010, 17:40 Uhr)
Irgendwo muss mir da was entgangen sein.
Geht das nur mir so, oder hat noch jemand Probleme, zu erkennen, worin der Neustart bestehen soll?

"Einen neuen Anlauf", bei dem man "bei unseren Themen und unserem Kurs" bleibt, liest sich für mich wie
"Nun mit noch größerem Anlauf mit dem Kopf vor die Wand!"
Johann58 (28.06.2010, 17:05 Uhr)
Ich bin am ueberlegen womit man das vergleichen kann
Man steigt in sein Auto ein, dreht den Zuendschluessel rum und nichts passiert, alle Lampen sind aus. Batterie leer. Als Loesung macht man die Haube auf, sieht nach, misst die Batterie und stellt fest Batterie leer. Als Loesung setzt man sich hinters Steuer und dreht den Zuendschluessel so lange bis das Auto anspringt und wundert sich, dass das Auto nicht anspringen will. Dann diskutieren 4 Mechaniker was zu tun ist und empfehlen eine neue Batterie, nur der Fahrer und Besitzer des Autos weigert sich weil er doch als Besserwisser einmal entschieden hat, dass er die Batterie nicht tauschen will und da wird doch nicht so ein einfaeltiger Mechaniker am Ende auch noch behaupten er wisse mehr als der Fahrer, gestern ist das Auto doch noch gefahren.

Es ist aber das Grundprinzip unserer Parteifuehrer der regierenden Parteien, 3 Egomanen und Besserwisser. Westerwelle ist der Lauteste und er ist derjenige, der am kritikresistentesten ist, er wird aber auch derjenige sein, der am tiefsten faellt, der al;s der schlechteste FDP Vorsitzende, derschlechteste Aussenminister und schlechteste Vizekanzler in die Geschichte der BRD eingehen wird, als derjenige, der sich mit seiner Uneinsichtigkeit und Halsstarrigkeit als Totengraeber der FDP in den Analen der FDP wiederfinden wird.

Es sei denn es gibt eine Palastrevolution und ein paar Meuterer setzen ihn auf einem Ruderboot im Atlantik aus. Allerdings scheint es eher so zu sein, dass die Meuterer selbst davon laufen und sich eine andere PArtei suchen.
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