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21. Juli 2010, 16:11 Uhr

Hausärzte machen gegen Röslers Sparpläne mobil

Gesundheitsminister Philipp Rösler will auch beim Honorar für Hausärzte sparen. Die Mediziner kontern: Die Pläne gefährdeten die Versorgung vieler Patienten und könnten sogar Menschenleben kosten. Mit einer Kampagne wollen sie auf die Auswirkungen der Reform aufmerksam machen.

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Macht den Hausärzten gerade das Leben schwer: Gesundheitsminister Philipp Rösler© Lennart Preiss/DDP

Mit einer bundesweiten Kampagne wehren sich die Hausärzte gegen die Gesundheitsreform und damit verbundene Abstriche bei ihren Honoraren. Die Sparpläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) gefährdeten die Versorgung und die Gesundheit von Menschen, warnte der Deutsche Hausärzteverband am Mittwoch in Berlin Röslers Ministerium mahnte die Ärzte zur Sachlichkeit.

Die geplante Begrenzung der Honorare sei ein "Anschlag auf die hausärztliche Versorgung", kritisierte der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Er kündigte eine Plakataktion mit dem Warnhinweis "Der Bundesgesundheitsminister gefährdet Ihre Gesundheit" und einen bundesweiten Aktionstag am 15. September an. Auch Praxisschließungen schloss er nicht aus.

"Ein Landkreis nach dem anderen wird zusammenbrechen"

Der Unmut der Ärzte richtet sich gegen Rösler, der im Zuge der Gesundheitsreform die Honorarzuwächse bei neuen Hausarztverträgen begrenzen will. Er erhofft sich dadurch Einsparungen von rund 500 Millionen Euro. In den zwischen Kassen und Ärzteverbänden geschlossenen Hausarztverträgen verpflichten sich die Mediziner, eine Lotsenfunktion für die Patienten auszuüben und sie notfalls zum Facharzt zu überweisen. Ärzte, die an dieser hausarztzentrierten Versorgung teilnehmen, erhalten mehr Honorar als die übrigen Mediziner. Die Kassen beziffern die dadurch entstehenden Mehrkosten auf bis zu 1,5 Milliarden Euro. Laut Ärzteverband gibt es derzeit bundesweit etwa 300 Verträge mit rund 20.000 teilnehmenden Medizinern.

Der Hausärzteverband befürchtet eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Dies treffe "zuerst die Alten, schwer Kranken und die Armen auf dem Land und in Problemvierteln der Städte", warnte Weigeldt. Wenn die Vergütung bei den Hausarztverträgen mit den Kassen begrenzt würde, würde "ein Landkreis nach dem anderen zusammenbrechen", weil keine jungen Ärzte mehr nachkämen. "Und diese Entscheidung wird viele Menschenleben kosten in der Region."

Bestehende Hausarztverträge werden nicht angetastet

Rösler hatte die geplanten Einschnitte bei den Hausärzte-Honoraren damit begründet, dass die Ärzte ebenso wie Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Krankenhäuser ihren Beitrag zum Ausgleich des Kassendefizits von voraussichtlich elf Milliarden Euro leisten müssten. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), bekräftigte, dass bestehende Hausarztverträge nicht angetastet werden. Zugleich warnte sie ebenso wie die FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach davor, die Debatte auf dem Rücken der Patienten auszutragen und diese weiter zu verunsichern.

Auch die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer, kritisierte den Ärzteverband. Sie forderte die Hausärzte auf, "zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren". Der Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, erklärte, es sei weder den Versicherten noch den übrigen Ärzten zu vermitteln, "dass die Hausärzte die einzige Gruppe sein sollen, die sich nicht an den Sparbemühungen beteiligen will".

Verbraucherschützer forderten, die Hausarztverträge generell auf den Prüfstand zu stellen. "Der gesetzliche Zwang, dass Krankenkassen Hausarztverträge abschließen und darüber mit dem Hausärzteverband verhandeln müssen, muss aufgehoben werden", erklärte Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. Mit echtem Wettbewerb um bessere Versorgung habe das nichts zu tun.

zen/AFP/APN
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
ganzbaf (22.07.2010, 11:30 Uhr)
Kassenärzte verdienen 50% zu viel

Weil 6000 brutto im Monat mehr als angemesen wären. AUCH für die lange Ausbildungszeit.
Tempelhofer (22.07.2010, 07:56 Uhr)
@ paladin09
Ich teile Ihre Annahmen nicht.

Die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen sind gerecht, effizient und sozial ausgewogen. Jeder erbringt seinen Beitrag für das Gemeinwohl.
paladin09 (22.07.2010, 03:28 Uhr)
Hausärzte
sind die schlechtbezahltesten Ärzte unter den Ärzten mit Kassenzulassung. 160 000Eur im Jahr ist wenig, wenn man ertseinmal die Betriebskosten - Personalkosten - Gewerbemiete - Energie usw, einer Praxis sieht und kennt. Es liegt auch nicht an den zu geringen Vergütungen, sondern an dem Verteilungsschlüssel. Ein Facharzt für Kinderheilkunde - Orthopäde - Augenarzt - Internist erhalten nämlich fast das doppelte an Vergütung nämlich 300 000Eur gegenüber dem Hausarzt. Dazu kommen viele ärztliche Leistungen die den Hausärzten überhaupt nicht mehr vergütet werden. So, werden EKG - Langzeitblutdruckmessung - Lungenfunktionsmessung seit einiger Zeit keinem Hausarzt mehr bezahlt. Womit soll der Hausarzt sein Honorar sich erarbeiten, verdienen, wenn er immer weniger ärztliche Leistungen nicht bezahlt, vergütet bekommt? Der Hausarzt soll die erste Anlaufstelle aller Patienten sein. Wie soll ein Hausarzt Herzprobleme - Kreislaufprobleme - Atmungs,- Lungenprobleme diagnostizieren, wenn dem Hausarzt solche Untersuchungen garnicht mehr bezahlt werden? Zu welchen Facharzt soll der Hausarzt den Patienten überweisen, wenn er deren Beschwerden garnicht mehr diagnotizieren kann?
Kein Wunder, das immer mehr junge fertige Ärzte Deutschland verlassen und wir raten, empfehlen jeden jungen Arzt verlasst Deutschland und geht ins europäische Ausland wo nicht weit bessere Arbeitbedingungen herrschen, sondern auch die Einkommen mehr als doppelt so hoch sind, wie in Deutschland. Weg, bloß weg von diesem stümperhaft kaputt reformierten Gesundheitssystem Deutschland. Ärzte - Hausärzte sind keine Bittsteller noch Almosenempfänger eines desolaten politsche kaputtregierten Systems.
echtzeit (21.07.2010, 20:13 Uhr)
Klientelpolitik der FDP?
Die FDP und Herr Rösler (der Kommentar mit seiner Herkunft ist übrigens ziemlich daneben!) werden ja immer bezichtigt eine Klientelpolitik zugunsten der Ärzte zu machen. Und wenn er bzw. die FDP es nun nicht macht, was ist dann mit den linken Schreiberlingen hier im Forum? Freut Euch doch, dass der Rösler der Arsch in der Hose hat und das Richtige macht statt das bequeme!
BiffBoffo (21.07.2010, 17:19 Uhr)
Hausärzte verdienen ...
im Durchschnitt 164.000 Euro im Jahr. Ich glaube kaum das sie für jemand anderst demonstrieren als sich selbst.

Ärzte sind Krank.
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