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AfD prüft eigenes TV-Studio und eigene Zeitung zur Bundestagswahl

In einem internen Manifest skizziert die AfD ihre Strategie zur Bundestagswahl. Dazu gehören die bekannten Tabubrüche und Provokationen – aber auch überraschende Maßnahmen wie etwa die Einrichtung eines eigenen TV-Studios.

Führungsspitze der AfD

Drei starke Führungspersönlichkeiten der AfD: Alexander Gauland, Frauke Petry und Jörg Meuthen (v.l.). Die Partei will einem Strategiepapier zufolge mit gezielten Provokationen in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Die Führung der erwartet für ihre Partei mit "großer Wahrscheinlichkeit" ein Wahlergebnis zwischen zwölf und 15 Prozent der Stimmen. Das geht aus dem als vertraulich gekennzeichneten "AfD-Manifest 2017" hervor, das derzeit in diversen Redaktionen deutscher Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sendern kursiert. Intensiv haben zuletzt unter anderem die "Tagesschau" und die "FAZ" aus dem 33 Seiten langen Papier zitiert, das als Strategiepapier für den kommenden Bundestagswahlkampf betrachtet werden kann. Es wurde vom AfD-Bundesvorstand angenommen  und als "vertraulich" klassifiziert.

Die Einschätzung der AfD-Spitze deckt sich in etwa mit den derzeitigen Umfrageergebnissen, die der Partei für die kommende Bundestagswahl vorausgesagt werden. Im aktuellen stern-RTL-Wahltrend beispielsweise gaben zwölf Prozent der Befragten an, ihr Kreuz bei der AfD machen zu wollen.

Interessant ist das von der Führungsspitze abgesegnete Papier vor allem aber deshalb, weil sich darin deutlich die Eckpfeiler der AfD-Strategie bei der künftigen Bundestagswahl abzeichnen. So will die Partei insbesondere fünf Zielgruppen im Wahlkampf ansprechen: Eurokritiker, Liberal-Konservative, Protestwähler, Nichtwähler und Bürger mit geringem Einkommen. Andere Gruppen sind ihr den Angaben zufolge nicht wichtig. "Sie sind eher Zielscheiben als Zielgruppen für die AfD", zitiert die aus dem Papier.

AfD macht gezielte Provokationen zum Geschäftsmodell

Dass gezielte zum Arsenal der Ultra-Konservatien gehören, überrascht kaum noch. Erstaunlich hingegen ist, mit welcher Offenheit die AfD das Muster von Skandal und anschließendem Zurückrudern zum Geschäftsmodell erhebt: "Die AfD lebt gut von ihrem Ruf als Tabubrecherin und Protestpartei. Sie braucht sich dessen nicht zu schämen", heißt es. Auf differenzierte Ausführungen wird keinen Wert gelegt. "Die AfD muss … ganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch unkorrekt sein, zu klaren Worten greifen und auch vor sorgfältig geplanten Provokationen nicht zurückschrecken."

Allein auf zehn Seiten wird die Haltung der AfD zu ihren politischen Gegnern dargelegt. Der Union will die AfD demnach vorwerfen, sich unter Angela Merkel zu weit nach links bewegt zu haben. Die Bundestagswahl solle ein Plebiszit gegen Angela Merkel werden. Die SPD hingegen sei "längst nicht mehr die Partei der 'kleinen Leute'". Die Linkspartei sei keine Alternative mehr, sondern habe sich längst an die Altparteien angepasst. Eigentlicher Gegner der AfD seien dem Papier zufolge die Grünen. Sie seien zur "Partei der Wohlhabenden und der Intoleranz" geworden und die "Verkörperung der Irrwege der 68-Generation". Über die FDP heißt es lediglich, man befinde sich mit ihr Wettbewerb um das liberal-konservative Milieu.

Wahl soll zum Plebiszit gegen Merkel werden

Bemerkenswert: Um sicherzustellen, dass die Partei in den Medien auch adäquat wahrgenommen wird, will die AfD-Führung prüfen, ob sie den etablierten Medien künftig "Instrumente der Gegenmacht" entgegenstellen kann. Zum Beispiel "ein eigenes Fernsehstudio, eigenen Radiosender, eine eigene Zeitung/Zeitschrift oder auch "Bücher AfD-freundlicher Autoren".


stern

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