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Sarrazin sagt, wie er die AfD hätte verhindern können

Der umstrittene Autor Thilo Sarrazin hat die Islamfeindlichkeit, von der die AfD lebt, gesellschaftsfähig gemacht. In einem Interview sagt er nun, man habe den Erfolg der Partei verhindern können. Er selbst habe Lösungsvorschläge gemacht.

Thilo Sarrazin mit gefalteten Händen

Thilo Sarrazin rechnet mit den alten Parteien ab

Der Ex-Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hatte mit seinem umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab" für Empörung gesorgt. Pegida-Aktivisten und Wählern der rechtspopulistischen Partei AfD hat er somit Argumente geliefert und die Islamfeindlichkeit, von der die AfD heute lebt, mit seinem Bestseller auf den Weg zur Gesellschaftsfähigkeit gebracht. Nach dem großen Erfolg der Partei in den jüngsten drei Landtagswahlen sagt Sarrazin nun in einem Interview mit "Bild": Die AfD hätte verhindert werden können.

Dabei erhebt er in erster Linie Vorwürfe gegen CDU und SPD. In seinen Büchern habe er "auf die Risiken einer falschen Einwanderung, eines radikalen Islam und einer verfehlten Politik der Euro-Rettung hingewiesen", so Sarrazin. Außerdem habe er Lösungsvorschläge gemacht. "Hätten die verantwortlichen Politiker der CDU und SPD diese Analysen ernst genommen und entsprechend gehandelt, so wäre die AfD 2013 gar nicht erst gegründet worden oder hätte zumindest nicht diese Wahlerfolge", sagte Sarrazin der "Bild".


"Heimatlose Wähler rechts der CDU"

Laut Sarrazin ist der Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen damit zu erklären, dass es keine politischen Optionen in der Flüchtlingspolitik jenseits der "Einheitsfront" der etablierten Parteien gegeben habe.

"Viele hatten zudem das Gefühl, ihre Meinung nicht offen sagen zu können. So wählten sie in der Stille der Wahlkabine die einzige Alternative, die ihnen auf den Stimmzetteln angeboten wurde." Die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe bundesweit rechts der CDU ein "heimatloses Wählerpotenzial" hinterlassen. 

"Angela Merkel macht eine falsche Politik"

Überhaupt kritisiert Sarrazin Merkel scharf. " Angela Merkel macht eine falsche Politik, aber sie ist Bundeskanzlerin und wird es möglicherweise auch nach 2017 bleiben", sagt er der "Bild".

In der AfD sieht Sarrazin eine Bedrohung von rechts - gegebenenfalls auch langfristig: "Ich will nicht ausschließen, dass die AfD hier dauerhaft ihre Rolle findet, wenn sie sich nachhaltig und glaubwürdig von rechtsextremen Strömungen abgrenzt."


jen
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