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AfD manipuliert Artikel-Überschrift auf Facebook

Da die "Lügenpresse" in den Augen der AfD bedauerlicherweise die Unwahrheit schreibt, legen die Rechtspopulisten selbst Hand an: Auf Facebook verfälschte die Partei die Überschrift eines Presse-Artikels.

  Links die manipulierte, rechts die originale Version. Im Artikel der "Abendzeitung" stand nichts von Linksextremismus

Links die manipulierte, rechts die originale Version. Im Artikel der "Abendzeitung" stand nichts von Linksextremismus

Mit der Pressefreiheit hat es die AfD ja nicht so. Diejenigen, die das Wort "Lügenpresse" gesellschaftsfähig gemacht haben, wollen laut eigenem Parteiprogramm die Pressefreiheit beschneiden - also: abschaffen. Die Arbeit der freien Presse ist der rechtspopulistischen Partei ein Dorn im Auge. Da ist es kein Wunder, dass die AfD deren Artikel schon jetzt manipuliert, wo es ihr möglich ist.

Zum Beispiel auf Facebook. Dass es dort eine Funktion gibt, mit der die Titel von verlinkten Texten verändert werden können, hat sich die Partei zu Nutze gemacht: Die AfD Nürnberg manipulierte die Überschrift eines Artikels der Münchner "Abendzeitung" (AZ). Die hatte über ein paar Jugendliche berichtet, die beim Versuch, eine künftige Flüchtlingsunterkunft anzuzünden, erwischt wurden. "Jugendliche wollten Flüchtlingsheim in Brand stecken", so lautet die originalen Überschrift über dem Text der Zeitung

Die AfD machte auf ihrer Facebookseite daraus: "Polizei erwischt Linksextreme bei Brandstiftung in Asylbewerberheim!" - samt Ausrufezeichen. Dabei ist das Wort "linksextrem" ein Begriff, zu dem Anhänger der Partei gerne und regelmäßig greifen, wann immer nicht im Sinne der Rechtspopulisten berichtet wird. Die eigene Klientel sprang gleich auf die gefälschte Überschrift an - und bemerkte gar nicht, dass der Begriff "linksextrem" im verlinkten Artikel überhaupt nicht vorkommt. 

"Wie war das mit der 'Lügenpresse'?!"

Mehr als 1100-mal wurde der Beitrag mit der gefälschten Überschrift inzwischen geteilt. Bald fanden sich auf Facebook unter den Kommentaren dazu auch Hinweise an die AfD, dass sie die Presse auf diese Weise durch ihre eigene Manipulation zur "Lügenpresse" macht. "Wie war das mit der 'Lügenpresse'?!", schrieb etwa ein Nutzer; "Grad die, die am lautesten schreien, die Presse würde manipulieren, manipulieren um so dreister" ein anderer.

"Bislang waren die Jugendlichen nicht durch Straftaten aufgefallen. Sie sollen keinen rechtsradikalen Hintergrund haben – im Gegenteil."

Posted by AfD Nürnberg on Montag, 7. März 2016

 

Die "AZ" schrieb in ihrem Artikel wörtlich: Die Jugendlichen "sollen keinen rechtsradikalen Hintergrund haben - im Gegenteil. Laut Polizei stammen sie aus dem bürgerlichen Milieu." Aus dem durchaus gebräuchlichen Pleonasmus der "AZ" (Ergänzung "im Gegenteil" nach einer Verneinung) machte die AfD kurzerhand das Wort "linksextrem" - und das trotz der Einordnung der Polizei ins "bürgerliche Milieu". 

Wirre Rechtfertigung der AfD

Die Stellungnahme der AfD, mit der sie ihre Manipulation nach dem Bekanntwerden rechtfertigt, ist entsprechend wirr:

"Das Gegenteil von Rechtsradikal ist entweder freiheitlich-demokratisch rechtsstaatlich, oder eben linksextrem. Da bei Straftätern solch einer Tat wohl freiheitlich-demokratisch rechtsstaatlich wegfällt, bleibt nur Linksextrem übrig…

Ein Asylbewerberheim nicht in der Nähe haben zu wollen ist ein politisches Ziel. Wer politische Ziele mit Gewalt durchsetzen will ist ein Extremist. Wenn er das Gegenteil von Rechtsextrem ist, ist er wohl linksextrem. Würde auch sehr dazu passen, dass die Linksextremen die größten Profiteure von politisch motivierten Anschlägen auf Asylbewerberheime sind."

Die Aktion der Partei sorgte schnell für Häme im Netz. Auch andere Facebook-Nutzer machten von der Funktion Gebrauch und änderten die Original-Überschrift des "Abendzeitung"-Artikels erneut in: "Polizei erwischt den Vorstand der AfD Nürnberg bei Brandstiftung bei Facebook".

  Achtung, bearbeitet: So hat ein Facebook-Nutzer den Artikel der "Abendzeitung" bearbeitet, um sich über die Fälschung der AfD lustig zu machen.

Achtung, bearbeitet: So hat ein Facebook-Nutzer den Artikel der "Abendzeitung" bearbeitet, um sich über die Fälschung der AfD lustig zu machen.

"Abendzeitung" prüft rechtliche Schritte

Die "Abendzeitung" selbst hat inzwischen rechtliche Schritte gegen die AfD angekündigt. "Wir sind empört über die Verfälschung unserer Überschrift", sagte der stellvertretende Chefredakteur Timo Lokoschat. "Wir sehen eine Urheberrechtsverletzung und prüfen außerdem, ob die AfD die Unternehmenspersönlichkeitsrechte der "Abendzeitung" verletzt hat."


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