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Luckes Europa-Programm ist Nonsens!

Die AfD hat viele programmatische Bausteine von anderen Parteien geklaut, aber ihre Position zum Euro ist einzigartig. Einzigartiger finanzpolitischer Nonsens.

Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

  AfD-Chef Bernd Lucke will den Euro abschaffen

AfD-Chef Bernd Lucke will den Euro abschaffen

So viel vorne weg. Was die vielen älteren Herren und wenigen Damen von der Alternative für Deutschland (AfD) am Wochenende in Erfurt beschlossen haben, ist nicht völlig falsch. Nein, manches ist sogar sehr sinnvoll. Die Partei verlangt etwa, dass die Banken in Zukunft noch mehr Eigenkapital vorhalten sollen, um Krisen besser zu trotzen. Oder sie fordert, dass der Chef der Europäischen Kommission nur vom EU-Parlament gewählt werden soll. Jeder, der sich mit Europa und Bankenkrise beschäftigt, muss sagen: Da habt ihr Recht, ihr von der AfD. Würden diese Punkte umgesetzt, ginge es Europa und den Banken besser.

Die AfD wilderte auch bei CSU, CDU, SPD, Grünen, Linken. Sie will keine Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme, keine Vorratsdatenspeicherung, keine Zulassung von Gen-Mais, kein Freihandelsabkommen. Solche Dinge verlangen auch die Alt-Parteien, die AfD unterscheidet sich da nicht sonderlich.

Das Ende von Europa

Anders ist die "Alternative" beim Umgang mit dem Euro, dem Herz ihres Europaprogramms. Was sie da verlangen, wäre das Ende von Europa; der Kontinent würde um Jahrzehnte zurückgeworfen, Banken, Staaten und Verbraucher müssten hunderte Milliarden Verluste tragen. Warum?

Die AfD will die heutige Eurozone auflösen. Konkret sollen die "stabilitätsorientierten Euroländer" sich zu einer kleineren Gruppe zusammentun, andernfalls sollte Deutschland austreten. Alle Hilfen, die den Euro gestützt haben, der Rettungsschirm ESM, der Kurs der Europäischen Zentralbank, wollen sie abschaffen. Alles, was in der Europäischen Union entstanden ist, alle Investitionen zwischen den Unternehmen, alle Geld- und Kapitalanlagen zwischen den Banken, alle wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Staaten, alle diese Blutadern, die in den letzten Jahrzehnten gewachsen sind, würden sie auseinanderreißen.

Den Euro schmerzfrei abzuschaffen ist eine Illusion. Eine EU ohne Euro würde heftige Eruptionen auslösen, auf den weltweiten Finanzmärkten, in den europäischen Staaten; Nord- und Südländer würden sich ewig streiten, jeder würde die Schuld für das Scheitern dem anderen zuschieben. Banken, Unternehmen und Verbraucher würden sich gegenseitig mit Klagen überziehen, weil ziemlich viel Geld verloren gehen würde.

Die Pläne sind überflüssig

Die Welt lässt sich nicht einfach zurückdrehen. Das Internet oder das Handy können wir auch nicht abschaffen, weil wir manche Folgen nicht mögen.

Die Pläne sind überflüssig. Falls es die AfD noch nicht mitbekommen hat: Die Eurokrise flaut ab. Rapide. Irland steht wieder auf eigenen Beinen, Griechenland gibt erstmals seit Jahrzehnten weniger Geld aus als es einnimmt, Spanien hat seine Banken stabilisiert, auch in Italien und Portugal hellt sich die Lage auf. Die Wirtschaft nimmt langsam Schwung auf, der Euro ist auf den Märkten so stark wie selten zuvor. Das Vertrauen kehrt auf den Kontinent zurück. Dieses zarte Pflänzlein zertrampeln?

Keinem hilft das, weder Europa noch Deutschland. Wer sich ernsthaft mit der Euro-Krise beschäftigt, weiß das. Nur die AfD nicht, die "Partei des gesunden Menschenverstands", wie sie ihr Chef Bernd Lucke nennt.

Die AfD inszeniert sich gern als Fachleutepartei. Ein Sammelbecken von Professoren, Wissenschaftlern, Akademikern. Wir verstehen etwas von Wirtschaft und der Welt, sagen sie. Das ist ein Irrtum. Sie verstehen etwas von Lehrbüchern. Die Wirklichkeit da draußen sehen sie durch eine Milchglasscheibe; was nicht zu ihrer Lehrbuchwelt passt, wird ignoriert oder umgedeutet. Die Gegenwart überfordert sie, die Vergangenheit lässt sie schwärmen. Als die Welt klein, geordnet und übersichtlich war; eine Welt ohne Frauenquote, ohne "gender mainstreaming", ohne Energiewende.

Die gute, alte Zeit. Sie war nicht gut, nur alt. Sie ist vorbei.

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