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AfD stellt düstere Anti-Merkel-Webseite ins Netz - und kauft beste Position bei Google dafür

Die AfD greift Angela Merkel auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite scharf an. Die Bundeskanzlerin sei eine "Eidbrecherin" und "die Deutschen" ihr "vollkommen gleichgültig". Mit einem gekauften Link platziert die Partei die Webseite prominent.

Die Anti-Merkel-Webseite der AfD wirkt düster

Die Anti-Merkel-Webseite der AfD wirkt düster

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat wenige Wochen vor der Bundestagswahl eine düstere Anti-Merkel-Webseite ins Netz gestellt. Mit einer gekauften Google-Anzeige hat die Partei diese Seite am Montag zum ersten Treffer gemacht, wenn man "" googelt. Auf "merkeldieeidbrecherin.com" hat die AfD neben einem verwackelten Konterfei der Bundeskanzlerin ein Sammelsurium an Anschuldigungen zusammengetragen. Rot umrandet steht dort etwa die Zahl "98", dazu: "Menschen, die durch Merkels Versagen Opfer von Terroristen wurden". Auch die angeblichen "monatlichen Kosten pro Einwanderer" werden dort mit "bis zu 15.000 Euro" angegeben. Unter Quellenangabe findet sich dazu ein Verweis auf einen Artikel der "Berliner Morgenpost". Darin ist jedoch die Rede von bis zu 15.000 Euro im Jahr, nicht im Monat.


Dass die AfD hinter der Seite steckt, erfährt man lediglich im Impressum. Dort findet sich die Partei, vertreten durch den Bundesvorstand Alice Weidel und Alexander Gauland. Ansonsten gibt sich die AfD auf der Webseite nirgends offen zu erkennen. Über die offiziellen AfD-Kanäle in den sozialen Netzwerken bewirbt die Partei zwar ihr Projekt, auch da jedoch kein Wort, dass sie sich selbst für den Inhalt verantwortlich zeichnet. "Merkel, die Eidbrecherin. Schauen Sie sich das Versagen unter ihrer Führung und die Kosten ihrer gebrochenen Versprechungen für  an", schreibt die AfD und teilt den Link am Montagabend über den offiziellen Facebook-Kanal.


AfD bastelt Anti-Merkel-Memes für Nutzer

In vier Texten auf der geht es um ein angebliches "Versagen in der Flüchtlingskrise", die "Schleichende Islamisierung Deutschlands", die "Kostenexplosion" durch die Willkommenskultur und "Die 'Welt-Kanzlerin' oder Deutschland zuletzt". In alarmistischem Tonfall wird dort gegen muslimische Einwanderer, "die kulturell nicht zu uns passen", gepoltert. Merkel seien "die Deutschen vollkommen gleichgültig".

Im Bereich "Werde Aktiv" will die "die Eidbrecherin bloßstellen". Dort hat die Partei mehrere Anti-Merkel-Memes hochgeladen. "Angela Merkel = Die Eidbrecherin" steht dort etwa vor einer Deutschland-Flagge hinter zerbrochenem Glas. Mit einem Klick auf die Motive wird man direkt auf seine eigene Twitter- oder Facebook-Seite verlinkt und kann die Memes dort unter eigenem Namen posten. "Hilf uns, sie zu entlarven", fordert die AfD auf.

Google: Werbung schalten darf jede Partei

Google teilt auf stern-Anfrage lediglich mit: "Jede in Deutschland zugelassene Partei kann bei Google im Rahmen unserer Richtlinien Werbung schalten. Alle politischen Anzeigen und Zielseiten müssen den lokalen Gesetzen hinsichtlich Wahlen und Wahlkämpfen in den Ländern entsprechen, auf denen die Anzeigen ausgerichtet sind."

Die CDU schaffte es bis zum Abend nicht, sich auf Anfrage des stern zum Vorgehen der AfD zu äußern, teilte am darauffolgenden Tag dann mit, kein Kommentar dazu abgeben zu wollen. Die AfD ließ eine Anfrage unbeantwortet. 


Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die AfD erläutere die angeblichen "monatlichen Kosten pro Einwanderer" nicht. Tatsächlich gab es dazu aber einen Verweis in der Quellenangabe. Darin wird jedoch von jährlichen Kosten gesprochen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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