Die Motorradindustrie lädt regelmäßig hochrangige Politiker zu Spritztouren ein - und die greifen zünftig ab. Die Liste der prominenten Teilnehmer ist lang.

Verteidigungsminister Peter Struck ist bei gesponserten Fahrten besonders gern dabei© dpa
Fürstin Metternich hatte an diesem Maiabend vergangenen Jahres auf Schloss Johannishof im Rheingau erlesen eindecken lassen. Serviert wurden 170 Gästen rheinische Spezialitäten, Sekt des Hauses perlte in den Gläsern. Alkoholfrei, schließlich waren die Besucher auf Motorrädern im Schlosshof vorgefahren.
Der Fürstin war das Abendessen für die Biker von der Gruppe Motorradsport in der Sportgemeinschaft Deutscher Bundestag e.V. 4000 Euro wert. Handelte es sich bei den Teilnehmern der "Euro Tour" von Berlin über Luxemburg nach Brüssel doch um prominente Gäste. In Lederkluft vorgefahren waren: Peter Struck, damals SPD-Fraktionschef, Gila Altmann, grüne Staatssekretärin im Umweltministerium, die Bundestagsabgeordneten Ute Vogt (SPD), Albert Deá (CSU), Ernst Bahr (SPD), die Europaparlamentarier Bernd Lange (SPD) und Karsten Knolle (CDU). Zahlreiche Bundestagsbeschäftigte begleiteten die Volksvertreter, an ihrer Spitze gaben der heutige Bundestagsdirektor Wolfgang Zeh und sein Stellvertreter Hans-Joachim Stelzl Gas.
Die Organisatoren hatten an alles gedacht. Der Industrie-Verband Motorrad (IVM) stellte über 50 Motorräder zur Verfügung, BMW bezahlte Mechaniker samt Werkstattfahrzeug. Den Sprit sponserte Shell, der Nürburgring spendierte eine Gratisrunde auf der Nordschleife, der Stromriese Eon ein "Energiefrühstück". Ein Tour-Pfarrer und ein Arzt sorgten sich ums seelische und körperliche Wohl.
Das war kluge Voraussicht: Struck legte sich und seine BMW wegen stark überhöhter Geschwindigkeit in der Ortseinfahrt im hessischen Sechshelden auf die regennasse Straße - die Folge: ein doppelter Rippenbruch.
Zwar zahlten die parlamentarischen und beamteten Biker 250 Euro für die dreitägige Tour. Aber diese Beiträge deckten bei weitem nicht die Kosten. 136.000 Euro mussten Sponsoren wie Metallgesellschaft, Lufthansa, Bahn und UPS beisteuern. "Das sind unsere Schmiermaxen", lästert ein Organisator. Wer die Sponsorengelder für die Ausflüge addiert, kommt auf rund 400.000 Euro.