Wulffs Rückkehr ins Rampenlicht

21. November 2012, 13:25 Uhr

Eine stern-Umfrage zeigt: Sollte der Ex-Bundespräsident mit einem Comeback liebäugeln, dürfte er es schwer haben. Heute Abend startet Wulff einen Versuch, wieder beliebter zu werden.

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Redet am Mittwochabend im Audimax der Heidelberger Universität: Ex-Bundespräsident Christian Wulff©

So richtig populär war Christian Wulff eigentlich nie. Auch und schon gar nicht als Bundespräsident. Bemitleidet wurde er bei seinem Amtsverzicht auch nicht. Wulff ist, könnte man sagen, im Volke "durch". Seit er als Bundespräsident zurückgetreten ist, ist er abgetaucht. Neun Monate ist das her. An Ansehen zurückgewonnen hat Wulff in dieser Zeit nicht. Einer Umfrage für das Hamburger Magazin stern zufolge haben 86 Prozent der Deutschen kein Mitleid mit dem 53-Jährigen. Selbst 81 Prozent der Unionswähler meinen, der frühere Merkel-Vertraute täte ihnen nicht leid. Lediglich 11 Prozent aller Befragten fühlen mit dem Gescheiterten.

Wulff musste als Bundespräsident zurücktreten, weil er im Verdacht steht, das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten zum privaten Nutzen missbraucht zu haben. Seit er den Staatsposten aufgab, lebt der Christdemokrat, gegen den ermittelt wird, zurückgezogen. Er tauchte kaum noch in der Öffentlichkeit auf und wenn doch, wurde nicht nur über den Gesichts-, sondern auch über seinen Gewichtsverlust diskutiert. Wulff sah mager und ausgezehrt aus, wie einer, der schwere Tage, Wochen und Monate hinter sich hat. Auf den wenigen Bildern, die seit seinem Rücktritt in der Öffentlichkeit von ihm geschossen wurden, sieht man ihn mit neuer, dickrandiger und dunkler Brille und eben wesentlich schlanker.

Für Furore sorgte dafür seine Frau Bettina, die in ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" über ihr Leben in Schloss Bellevue ausplauderte und dabei nicht mit Kritik an ihrem Mann sparte. Sie klagte darüber, quasi gezwungen worden zu sein, ein Leben in der Öffentlichkeit zu führen, das sie so nun gar nicht gewollt habe. Dabei war es Bettina Wulff, die sich gerne vor dem Amtssitz des Bundespäsidenten fotografieren ließ. Die Öffentlichkeit konnte aus all den Erläuterungen hören, dass das Eheglück gelitten hat im Zuge der Affäre um Reisen, Mailboxsprüche und ein Bobbycar.

Nun wagt sich Christian Wulff aus der Deckung. Und das gleich mit einer Rede zu einem "präsidialen Thema": Unter dem Motto "Gesellschaft im Wandel" wird er eine Ansprache auf Einladung der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg halten. Man darf gespannt sein, was Wulff dazu zu sagen hat, ob er Reue zeigt, ob er Schlussfolgerungen für sich und "die Gesellschaft" verkündet, wie er aussieht und wie es ihm geht. Wulff kann aus eigener Erfahrung viel über das Thema sagen, war er doch als Staatsoberhaupt und Ministerpräsident an den Hebeln, die für Wandel in der Gesellschaft sorgen können.

Glaeseker widerspricht Wulff

Am 8. März war Wulff mit dem üblichen großen Zapfenstreich verabschiedet worden. Seither hat er Zeit gehabt, über das Thema nachzudenken. Seine einstigen politischen Weggefährten meiden ihn oder stellen sich gegen Wulff.

Gegen seinen früheren Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Bestechlichkeit. Wulff hatte immer bestritten, Details über dessen Reisen zu kennen. Dieser Darstellung widerspricht Glaeseker jüngst in einer Stellungnahme - ein Affront gegen den ehemaligen Chef in Hannover. In dem mehr als 50 Seiten dicken Dokument verdächtigt er Wulff sogar, in dieser Angelegenheit falsch ausgesagt zu haben. Seit einigen Tagen gibt es ein weiteres Buch zu der Affäre um Wulff - geschrieben von zwei Journalisten der "Bild"-Zeitung, die maßgeblich zur Aufdeckung der Affäre beitragen hat. Das Werk sei frei von jeglicher Häme, meinen die Autoren. "Christian Wulff ist an Christian Wulff gescheitert."

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