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29. Oktober 2007, 15:41 Uhr

Ex-Geisel spricht über Gefangenschaft

Drei Monate befand er sich in den Händen der Taliban. Nun berichtet der deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt im am Mittwoch erscheinenden stern erstmals ausführlich über seine Geiselhaft in Afghanistan und seine islamistischen Entführer. Dabei widerspricht er der Darstellung der Bundesregierung.

Rudolf Blechschmidt war 84 Tage in den Händern der Taliban© AP Photo/Pajhwak News Agency

Die Taliban, die den deutschen Bauingenieur Rudolf Blechschmidt 84 Tage lang entführt hielten, gehören offenbar zur selben Gruppe, die auch mehrere koreanische Geiseln gefangen gehalten hatte. Im am Mittwoch erscheinenden stern berichtet Blechschmidt, zwar den Koreanern nicht persönlich begegnet zu sein, aber deren Schicksal habe durchaus seines beeinflusst. "Wenn ich die Taliban gefragt hab, wann rufen wir die Botschaft an, hat der Chief abgewunken: Sie seien jetzt vollauf mit den koreanischen Geiseln beschäftigt, hätten keine Zeit für mich", so Blechschmidt imstern. Ende September, kurz nach der gescheiterten Freilassung, seien er und seine fünf afghanischen Mitgefangenen in eine Berghütte verschleppt worden, in der frische, mit Holzkohle geschriebene Inschriften - offenbar der koreanischen Gefangenen - an der Wand standen.

Blechschmidt widerspricht Bundesregierung

Zum ersten Mal nach seiner Freilassung am 10. Oktober erzählt Rudolf Blechschmidt im stern ausführlich über seine dreimonatige Geiselhaft in den Händen der Taliban. Detailliert und präzise beschreibt er die Verbindungen der Entführer zu anderen Taliban-Gruppen und -Kommandeuren: Sowohl nach Helmand und nach Kandahar im umkämpften Süden Afghanistans als auch nach Kabul.

Die Bundesregierung hatte bislang immer behauptet, dass es sich bei Blechschmidts Entführern um lokal operierende Kriminelle gehandelt habe. Dem widerspricht der akribische Beobachter Blechschmidt: So seien drei seiner Bewacher nach und nach zu Selbstmordattentaten in Kabul und Kandahar aufgebrochen, deren telefonisch übermitteltes Gelingen im Lager mit Jubel quittiert wurde. Auf das Konto eines dieser Attentäter gehe mutmaßlich der Selbstmordanschlag in Kabul am 21. September, bei dem ein französischer Isaf-Soldat getötet wurde.

Wohl noch nie hat ein Deutscher über einen solch langen Zeitraum das Innenleben der Taliban aus nächster Nähe beobachten können. Obgleich unfreiwillig, wurde die Geisel Blechschmidt zum Zeugen ihrer Pläne und Streitigkeiten. Er erlebte, wie die Bewegung im Inneren funktioniert und zeichnet ein weitaus facettenreicheres Bild der Taliban, als es bislang bekannt ist.

Mehr lesen Sie...

Mehr lesen Sie... im aktuellen stern, der diesmal schon am Mittwoch erscheint. Hier schildert Blechschmidt ausführlich seine Zeit bei den Taliban in den Bergen Afghanistans

 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Roy05441 (29.10.2007, 19:10 Uhr)
Die Großmannssucht deutscher Politiker
geht doch langsam ins Unermessliche!
Der Steuerzahler blecht ja!
Wer in Gefahr sich begibt, kann darin umkommen!
Schick alle Politiker aus Berlin nach Afghanistan denn hin, wie viele Steuerzahler dann wohl von Steuern entlastet sind?
catchme (29.10.2007, 18:31 Uhr)
Wider jede Vernunft ...
... in eine Krisenregion fahren, dann durch Steuergelder freigekauft worden und nun die große Geschichte erzählen. Ein Paradebeispiel dafür, warum die Bürger aus den Ostzonen-Ländern so beliebt sind ! Schade um jeden Cent, der für diese "Geisel " bezahlt wurde !
Inselgraf (29.10.2007, 16:26 Uhr)
Hinterher große Reden
Wie hätte sich die Regierung dennn verhalten sollen ohne ihr Wissen preiszugeben, was ihr alles bekannt war. Außerdem laufen da wohl die Uhren anders als hier und außerdem ist doch bekannt, was in Afghanistan los ist. Da muß man sich nicht in Gefahr bringen und dann glauben, das Wunder geschehen. Da ist das Schicksal von seinem Kollegen schon bedauerlicher, der nicht wieder zurückkehrte, aber es ist Kriegsgebiet und nichts anderes.Satt danke zu sagen, das man sich um einen einzelnen gekümmert hat, wird nur gemotzt und kritisiert.
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