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12. November 2009, 13:27 Uhr

Guttenberg auf Blitzbesuch in Kabul

Antrittsbesuch in Afghanistan: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist überraschend in Kabul eingetroffen. Seine ersten Worte nach der Ankunft kamen bei den deutschen Soldaten gut an - bei der afghanischen Regierung möglicherweise weniger.

Zoom
Guttenberg, Besuch, Afghanistan

Im Bundeswehrflieger: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg neben dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan (r.)© Michael Kappeler/DDP

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist unter massiven Sicherheitsvorkehrungen zu einem nicht angekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen. Kurz nach seiner Ankunft forderte er von der afghanischen Regierung klare Zielmarken für die weitere Entwicklung des Landes. "Wir müssen Erfolge sehen", sagte Guttenberg in Kabul. Deutschland stehe zu seinem Einsatz am Hindukusch, die Bundesregierung wolle aber wissen, welche Schritte die afghanische Führung als nächstes plane und welche Ziele sie sich zu setzen bereit sei.

Zugleich bekräftigte Guttenberg bei seinem ersten Besuch in Afghanistan, dass er Verständnis für das Gefühl der Soldaten habe, sich dort in einigen Gebieten im Krieg zu befinden. Ihm gehe es darum, gegenüber der deutschen Bevölkerung realistisch auszusprechen, was ist. Außerdem müsse man auch über eine neue völkerrechtliche Einschätzung der Situation diskutieren.

Bei den deutschen Soldaten in Kabul kamen Guttenbergs Worte gut an. Die Beschreibung des Ministers komme der Realität am nächsten, sagte einer von ihnen. "Die Politiker in Deutschland haben den großen Vorteil, dass sie weit weg sind von Afghanistan. Wir sind der Gefahr hier jeden Tag ausgesetzt, deshalb es ist zu begrüßen, wenn das auch so benannt wird."

Guttenbergs erste Station war das Hauptquartier der internationalen Schutztruppe Isaf in der Hauptstadt Kabul. Dort wollte er sich mit dem amerikanischen Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal treffen. Danach sind Gespräche mit dem afghanischen Verteidigungsminister Abdel Rahim Wardak und Präsident Hamid Karsai geplant. Am späten Nachmittag will der CSU-Politiker Bundeswehrsoldaten im deutschen Verantwortungsbereich in Nordafghanistan besuchen.

Guttenberg hatte zuvor im stern angekündigt, offen über einen möglichen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan diskutieren zu wollen. "Die Sankt-Nimmerleins-Haltung ist politisch nicht mehr tragbar", sagte der Verteidigungsminister. Die Frage eines Abzugs werde immer bedeutender, sollten sich die Verhältnisse in Afghanistan nicht verbessern. Guttenberg lehnt es aber ab, ein Abzugsdatum zu nennen.

Guttenberg setzt auf Afghanistan-Konferenz

Der Bundestag entscheidet im Dezember über die Verlängerung des Mandates für die Beteiligung der Bundeswehr an der Isaf. Derzeit sind 4520 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert. Die Obergrenze des Mandats beläuft sich auf 4500 Mann. Sie darf bei Kontingentwechseln kurzfristig überschritten werden. Das ist derzeit der Fall. In der Regel bleiben Soldaten etwa vier Monate im Afghanistan-Einsatz. Wenn die eine Truppe nach Hause fliegt, rückt die nächste nach. Dabei kommt es mitunter zu Überschneidungen.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, die Bundesregierung könnte auf Druck der USA mehr Soldaten entsenden wollen - von einer Aufstockung der Truppe auf 7000 Kräfte war die Rede. Dies wurde dementiert. Guttenberg setzt auf eine baldige internationale Afghanistan-Konferenz, die klare Ziele und Zeitvorgaben beschließen solle. Ferner will er die neue Konzeption der USA abwarten. Der Minister betonte zugleich, Deutschland werde sich weiterhin stark engagieren. Bei einem Gefecht in der nordafghanischen Region Char Darah wurde am Mittwoch ein Bundeswehrsoldat verwundet.

DPA/AFP
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Administrator (12.11.2009, 13:27 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
HombreUno (12.11.2009, 12:48 Uhr)
@Arno222
Ich gebe Ihnen recht, der Fehler der Amerikaner und Engländer war oft zu spät einzugreifen. Wäre bereits nach dem Überfall auf das Sudetenland Hitler gestopt worden, hätten viele millionen Menschen überlebt.

Es stellt sich die Frage in wie weit der heutige Amerikahaß bei den Unverbesserlichen damit zu tun hat?
auwei (12.11.2009, 12:46 Uhr)
@hamburg123
Dann ist er vermutlich auch gegen die Rente mit 67 und die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Und eigentlich müsste er auch gegen den Afghanistan-Einsatz sein - der wurde weiland von Rot-Grün abgesegnet.
hamburg123 (12.11.2009, 12:27 Uhr)
@x-cube
Tempelhofer hat doch alle Positionen, die als "bürgerlich" einzustufen sind. Da die "bürgerlichen" Parteien für diesen Einsatz sind, ist Tempelhofer natürlich auch dafür. Er denkt eigentlich nie besonders nach, denn wenn was von diesen "Bürgerlichen" kommt, ist er sofort dafür. Selbst wenn die "Bürgerlichen" nun plötzlich den Solarsektor im Energiebereich ausweten wollen würden, wäre er dafür. Es kommt für ihn immer drauf an, welche Partei etwas sagt. Von den "Bürgerlichen" wird sowieso immer alles unterstützt.
STR_EDDS (12.11.2009, 12:01 Uhr)
Denken
hier eigentlich auch Leute einmal nach, bevor sie die contra-Afghanistan Statements loslassen? Das reflexhafte Gezetere geht an der Realität weit vorbei und bildet nicht einen Hauch von dem ab, was dort passiert oder passieren würde, wären keine fremden Truppen stationiert.
.
@confused: und 9/11 war ein inside-job, oder? Den USA kann man vieles unterstellen - aber ab einem gewissen Punkt ist es nur noch lächerlich. Hier über tief verflochtene geopolitische Beziehungen, langfristige Auswirkungen zu diskutieren hat keinen Sinn.
auwei (12.11.2009, 11:00 Uhr)
@arno222
Wie schön, dass hier auch mal eine differenzierte Sichtweise zu lesen ist. Der Einsatz in Afghanistan ist nicht zuletzt wegen des völkerrechtswidrigen Irakkrieges den Bach runter gegangen, aber wer je einen Afghanen selbst über die Taliban-Herrschaft hat reden hören und sich das Leid, das diese bärtigen Deppen anrichten, vergegenwärtigt, kann die Menschen eigentlich nicht guten Gewissens ihrem Schicksal überlassen. So wie bisher funktioniert's nicht - aber einfach sein lassen ist auch keine Option.
nightmare_online (12.11.2009, 10:20 Uhr)
Wir verteidigen dort die Freiheit!
Die Freiheit wahlen zu fälschen, die Freiheit Drogen anzubauen, die Freiheit der Korruption, die Freiheit der Frauen Burkas anzuziehen und vieles mehr. Also da lohnt es sich doch, das deutsche Soldaten ihr Leben lassen!
Arno222 (12.11.2009, 09:57 Uhr)
wo wären wir heute?
Ich denke das ist nicht so einfach, das Thema schwarz oder weiß zu sehen. Ich finde die Umstände unter denen in Afghanistan und im Irak einmaschiert wurde auch mehr als fragwürdig, allerdings frage ich mich auch wie wir heute leben würden, wenn die USA im 2. Weltkrieg gesagt hätte: "Das geht uns nichts an, das ist eine europäische Angelegenheit" Ich bin froh nicht unter Adolfs Erben leben zu müssen. Ich bin nicht der große USA Fan, eher im Gegenteil, aber ich vermisse in den Beiträgen hier oft ein pro und contra. Sich einfach nur hinstellen und dagegen sein, ist halt relativ einfach.
Helmers (12.11.2009, 09:55 Uhr)
Harry Potter am Hindukusch, was nun?
Nun ist unser großer "Zauberlehrling" am Hindukusch angelangt. 70 Prozent der Bundesbürger fordern einen möglichst baldigen Rückzug unserer Soldaten. Was dem EX-Verteidigungsminister Jung bisher nicht gelang und auch nicht als kriegsähnliche Situation bezeichnen konnte, will sich nun der neue kometenhafte Politaufsteiger annehmen. Er hat nun zuerst mal wieder richtig sondiert, ohne Plan gehen gar nichts, weder Verstärkungen noch sonstige Ausweitungen der Szenarien. Er unterhält sich dabei dem oberkorrupten Präsidenten, nach ungültiger Wahl, Kahsai und dem Befehlshaber MC Cristal. Beide werden nicht erfreut sein, wenn ihnen der junge Politstar Arbeit zumutet, da bisher ein gültiger Plan, auch nach der Meinung von Präsident Obama, nicht gefunden wurde. Es wird Zeit, hier endlich mal zu erklären was Sache ist. Die Bundeswehr ist nicht dazu da die Mohnfelder der korrupten Glanchef`s zu bewachen. Die Polizei und das Militär in Afghanistan müssen endlich die Terrorangreifer unter Kontrolle bekommen oder an der Regierung beteiligen. Es muss eine friedlich Koexistenz, zum Aufbau einer Infrastruktur geschaffen werden, sonst geht überhaupt nichts. Nur mit Militäraktionen ist kein Blumentopf zu gewinnen. Das Selbstverteidigungsrecht und der Angriff von Talibanterroristen kann nicht Sache der Staatsanwaltschaft in der BRD sein, sonst können die Soldaten weder moralisch und sachlich ihren Dienst auftragsgemäß verrichten.
x-cube (12.11.2009, 09:16 Uhr)
@ Tempelhofer
Erforderlich für wen?
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