Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Pirinçcis Blog-Betreiber kündigt im offenen Brief die Zusammenarbeit

Es wird einsam um Asif Pirinçci: Verlage kündigen seine Verträge, Pegida-Chef Bachman distanziert sich, und nun weigert sich auch der Betreiber seines Blogs, für Pirinçci zu arbeiten. Der Webmaster wählt harte Worte, doch nicht alle wollen ihm glauben.

Akif Pirinçci: Mit Katzen-Krimis wurde er berühmt, nun hetzt er gegen Ausländer, Muslime und Schwule

Akif Pirinçci: Mit Katzen-Krimis wurde er berühmt, nun hetzt er gegen Ausländer, Muslime und Schwule. Mit dem Satz: "Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb" sorgte er bei der Pegida-Kundgebung am Montag für einen Eklat.

Die verbalen Entgleisungen des deutsch-türkischen Autors und Rechtspopulisten Akif Pirinçci bei der Pegida-Kundgebung in Dresden schlagen hohe Wellen und haben Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft in Dresden ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Seine Verlage weigern sich, weiter seine Bücher zu verkaufen. Selbst Pegida-Chef Lutz Bachmann entschuldigte sich für den hetzerischen Auftritt Pirinçcis. Bei Facebook schrieb er am Dienstag von einem "gravierenden Fehler". Jetzt kündigte auch der Betreiber von Pirinçcis Blog die Zusammenarbeit auf.

In einem offenen Brief schildert Blog-Betreiber Torsten U., warum er nicht mehr bereit ist, Pirinçcis Blog "Der kleine Akif" zu betreiben. "Ich schäme mich für mich. Dafür, die bei der Errichtung deiner Plattform zur Verbreitung deines Unsinns behilflich gewesen zu sein", schreibt Torsten U.. Der Blog ist seit heute nicht mehr aufrufbar. 

Auch der Brief wurde gelöscht, kursiert aber weiter auf Twitter. Hier ist er im vollen Wortlaut. 

Mit starken Worten distanziert sich Torsten U. von seinem nun ehemaligen Auftraggeber. Doch nicht alle wollen an die Ehrlichkeit des Verfassers glauben. Aus Sicht einiger Kritiker ist es bloß ein Versuch, sich rechtzeitig abzuseilen, um nicht zusammen mit Pirinçci unterzugehen. 

Freudscher Versprecher oder unglückliche Formulierung

Tatsächlich erscheinen einige Passagen in dem Text beim genauerem Betrachten als grenzwertig. So begingen die Deutschen seinen Ausführungen nach ein großes Verbrechen, indem sie im Zweiten Weltkrieg "den Heimkehrenden, geflüchteten Landsleuten aus den vom Feind besetzten Gebieten Vertriebenen die kalte Schulter" gezeigt haben, wobei dieser schwer verständliche Satz tatsächlich so in dem offenen Brief steht. Mit dem Begriff "Feind" bezeichnet er dabei die Streitkräfte der Alliierten und spezifisch die der Roten Armee, die Deutschland nach dem allgemeinen historischen Verständnis von Hitler befreit haben. Kritiker entdecken hier ein rechtsextremistisches Vokabular.

Auch eine andere Passage stößt auf Unverständnis. So heißt es in dem Brief, dass die Scham der Deutschen sich auch darauf gründet, "weggeschaut zu haben, als nach den Kommunisten und Sozialdemokraten, auch die Juden verschwanden". Ein Twitter-Nutzer bemerkt süffisant dazu: "Aha, bei Kommunisten und Sozis war es noch ok, oder wie?"

Ob die Formulierungen einem freudschen Versprecher zu verdanken sind, oder bloß unglücklich gewählt sind, bleibt offen. Mit der Distanzierung setzt Torsten U. aber zumindest ein wichtiges Zeichen.

Ellen Ivits
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools