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"Gorleben ist nicht geeignet"

Die Umweltorganisation Greenpeace ist nach eigenen Aussagen auf Dokumente gestoßen, die Gorleben als Standort für ein Atommüll-Endlager kippen könnten. Die Akten würden darauf hindeuten, dass massiv Wasser in den Salzstock eindringe.

Von Vera Rigert

Die Umweltorganisation Greenpeace hat der Öffentlichkeit am Dienstag ihre Nachforschungen zum möglichen Atommüll-Endlager im niedersächsischen Gorleben präsentiert. Dazu hatten die Umweltschützer 12.000 Seiten Dokumente niedersächsischer Behörden und Ministerien gesichtet. Laut Greenpeace belegen die Akten des Umweltministeriums in Hannover, dass Gorleben als Standort geologisch ungeeignet ist: "Die Benennung Gorlebens zum nuklearen Entsorgungszentrum war eine rein politische Entscheidung. Es hat kein einziges wissenschaftliches Auswahlverfahren mit dem Ergebnis Gorleben gegeben", sagte der Atom-Experte Mathias Edler von Greenpeace gegenüber stern.de.

Greenpeace fordert neue Standortsuche

Die Dokumente, die Greenpeace vorliegen, würden zeigen, dass das Untersuchungsverfahren zum Standort Gorleben völlig intransparent gewesen sei, sagte Edler. Unter anderem habe Greenpeace eine Akte gefunden, die auf ein riesiges Laugenreservoir in der Größenordnung von 100.000 bis einer Million Kubikmeter im Erkundungsbereich hinweise. "Wenn sich das bewahrheitet, müsste [Umweltminister] Röttgen den Antrag auf Fortführung der Arbeiten in Gorleben zurückziehen, den Standort aufgeben und endlich ein alternatives Standortsuchverfahren in der Bundesrepublik durchsetzen", forderte Edler weiter. Denn wenn Grundwasser in den Salzstock eindringe, sei eine sichere Lagerung der radioaktiven Abfälle nicht mehr zu gewährleisten.

Greenpeace zitierte auch aus einer Akte des TÜV Hannover. Darin war das schleswig-holsteinische Nieby favorisiert worden, handschriftlich hatte man auf dem Dokument jedoch den Standort Gorleben ergänzt. Nach Ansicht von Greenpeace verstieß der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht mit der Benennung eines einzigen Standortes sowohl gegen heutige Maßstäbe als auch gegen die damals gültigen Bewertungkriterien seiner eigenen Beamten.

Fortsetzung der Erkundungsarbeiten?

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) stellte Mitte März einen Antrag auf Fortsetzung der Erkundungsarbeiten im Salzstock von Gorleben. Die Untersuchungen waren im Jahr 2000 von der rot-grünen Bundesregierung vorläufig unterbrochen worden, als man sich mit der Energiewirtschaft auf den Atomausstieg geeinigt hatte. Die Bundesregierung erklärte damals, mehrere Standorte prüfen zu wollen, wozu es aber nie kam. Über den Antrag von Röttgen soll im September dieses Jahres entschieden werden.

"Von Ergebnisoffenheit keine Spur"

Im Bundestag verteidigte Röttgen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben. Es sei ein offenes Verfahren mit offenem Ausgang, sagte er. Er sicherte "über das rechtlich Gebotene hinaus volle Transparenz, Bürgerbeteiligung und Information" zu. Diese Aussage stößt Greenpeace nach der Sichtung der Original-Dokumente sauer auf: "Von Ergebnisoffenheit kann keine Spur mehr sein, wenn man bereits sämtliche Anlagen über einen Salzstock baut, von dem man vorgibt, er würde nur erkundet", sagte Atom-Experte Edler. Das geplante Atommüll-Endlager Gorleben soll aus Einrichtungen zur Zwischenlagerung, Weiterbehandlung und möglichen Endlagerung von radioaktivem Abfall bestehen.

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