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16. Juni 2008, 14:48 Uhr

Beck will wieder in die Offensive

Endlich mal nicht um die K-Frage kreisen, endlich mal wieder über Themen und Konzepte reden - nichts anderes wollte Kurt Beck. Am Montag stellte er in Berlin einen Aktionsplan gegen Kinderarmut vor. Und sah nicht gut dabei aus. Von Lutz Kinkel

Würde lieber über Themen sprechen: SPD-Parteichef Kurt Beck© Markus Schreiber/AP

Teilzeit-Rente, Kinderarmut - in normalen Zeiten wären das die richtigen Themen für SPD. Sie könnte sich als das präsentieren, was sie gerne sein möchte: eine Partei des sozialen Ausgleichs, die nichts und niemanden vergisst, die alle vor den Urgewalten des Kapitalismus und der Globalisierung beschützt. Doch der Auftritt von SPD-Chef Kurt Beck auf der Berliner Konferenz seiner Partei gegen Kinderarmut zeigte, wie weit die SPD von der Offensive entfernt ist. Sie versucht, wieder ins Spiel zu kommen. Und stolpert ständig über die eigenen Leute, die sich in Krisendefinitionen und der K-Frage ergehen.

Kostenloser Bildungsweg

Blass und fahrig wirkte Beck, als er ans Rednerpult trat und zur Kinderarmut referierte. Zehn Punkte hatte der Vorstand zusammengetragen, um die Situation zu verbessern. Jugendämter sollen besser ausgestattet werden, warme Mahlzeiten in den Schulen bereitstehen, Kindergeld und Kinderfreibeträge eher den sozial Schwachen als den Besserverdienenden zugute kommen. Mit Nachdruck verlangte Beck, dass der gesamte Bildungsweg - von der Kita über die Schule bis zur Uni - frei von Gebühren sein müsse. Der vollbesetzte Saal im Willy-Brandt-Haus klatschte freundlich, etwas für die Kleinsten tun, das kam bei den geladenen Vertretern von Kirchen und Sozialverbänden gut an. Bei den Parteimitgliedern sowieso.

Beck hatte schon in der vergangenen Wochen angekündigt, er wolle nun mit Konzepten in die Offensive gehen. Die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan, stieß bei "Berlin direkt" am Sonntagabend ins gleiche Horn und lächelte alle Fragen nach möglichen Linksbündnissen sauber weg. Doch weder Beck noch Schwan konnten verhindern, dass das Wochenende abermals die SPD-Dauerkrise durch die Medien fegte.

Struck dementiert Putsch

Ausgerechnet die Parteilinke Andrea Nahles hatte sich in einem Interview über die mangelnde Teamleistung an der Parteispitze beklagt. "Versetzung gefährdet", lautete ihre Diagnose - eine Warnung, die sich auch an sie selbst richtet, schließlich war sie es, die gegen den Willen Becks Schwans Kandidatur befördert hatte. Umweltminister Sigmar Gabriel, der in der SPD immer wieder für alle möglichen Posten gehandelt wird, vom Fraktionschef bis zum möglichen Parteivorsitzenden, warnte im Tagesspiegel vor internen Machtkämpfen. "Wer über Bande spielen will, dem droht Gefahr, Eigentore zu produzieren. Und davon hatten wir in letzter Zeit nun wirklich genug." Fraktionschef Peter Struck, sah sich genötigt, Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch zu dementieren. Das sei "blanker Unsinn."

Laut dem von Beck vorgegebenen Plan will die SPD ihren Kanzlerkandidaten erst im Herbst oder Anfang kommenden Jahres benennen. Dahinter verbirgt sich die Sorge, dass bei frühzeitiger Nennung ein Kandidat frühzeitig verschlissen werden könnte. Da die Umfragewerte so schlecht sind - laut Forsa liegt die SPD derzeit bei 20 Prozent - steigt der Druck auf Beck jedoch beinahe täglich an.

Keine gesonderten Daten über Kinder

Ob Beck mit dem Kampf gegen Kinderarmut tatsächlich ein zugkräftiges Thema gefunden hat, das die parteiinterne Unsicherheit überspielt, darf bezweifelt werden. Parallel zur SPD-Konferenz veranstaltete der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales eine Experten-Anhörung zur Kinderarmut. Die versammelten Experten gaben sich skeptisch, was die Umsetzbarkeit der Vorschläge betrifft. Bildungspolitik ist Ländersache, daher kann der Bund nicht viel ausrichten. Viel war auch von der fehlenden "Infrastruktur" die Rede, also von Behörden, die darüber entscheiden könnten, welchem Kind ein kostenloses Mittagessen oder eine kostenlose Vereinsmitgliedschaft zukommen könnte. Die Vertreterin des Bundesamtes für Statistik erklärte, dass der Bedarf von Kindern und Jugendlichen bislang nicht einmal gesondert ausgewiesen werde.

Die Besucherränge im Ausschuss waren gefüllt mit Menschen, die jedwedem Fortschritt der Politik auf dem Gebiet der Sozialpolitik ohnehin zu misstrauen schienen. Sie trugen T-Shirts mit Aufschriften wie "Arm trotz Arbeit", "Die Überflüssigen" und "Mindestlohn-Tour 2008". Eine ältere Dame schrie in den runden Saal, man solle sich doch überlegen, wie man von Hartz-IV überhaupt leben könne. Katja Kipping, Aussschussmitglied und stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, nahm es wohlwollend zur Kenntnis. Ihre Partei verschickte noch während der laufenden SPD-Konferenz eine Pressemitteilung, die den Unmut der T-Shirt-Träger genau zu spiegeln schien. "Die Verantwortung für die gestiegene Kinderarmut in Deutschland trägt zum großen Teil die SPD", heißt es in der Mitteilung. Hätte sie Hartz IV nicht eingeführt, müssten nicht so viele Kinder in Armut leben.

Schätzungen zufolge sind es 2,2 Millionen.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Schnaafpaaf (17.06.2008, 12:15 Uhr)
@Buureremmel: Ich ergänze
und Nahles/Ypsilanti und neuerdings Schwan! Und über allen lauert Oskar wie die Spinne im Netz. Fette Beute ESPEDE!
Buureremmel (17.06.2008, 11:36 Uhr)
Lustig ist das hier.
Was Beck will bzw. zu wollen hat, bestimmt immer noch Oskar. Basta!
Preussin (17.06.2008, 05:31 Uhr)
Der Beck darf endlich wieder
aber ob er noch was Retten kann ? Wenn eine Partei sich Volkspartei nennen will , muß Sie die sozialen Belange der Mehrheit der Bevölkerung auf ihre Fahnen schreiben und den Gegenwind den das entfacht als Ansporn nehmen . Die Kapitaleigner haben Macht und Mittel ihre Linie durchzuziehen. Aber wenn die SPD es versteht die Machenschaften der Kapitalisten aufzuzeigen , dann könnte sie wieder eine Mehrheitspartei werden.Dazu gehört auch die Besserstellung der Kinder , Kranken und Alten. Aufzeigen wie das Geld im Staat verwendet wird ! Ausgaben für Kämpfe im Ausland , reichen aus um alle notwendigen sozialen Notstände zu beseitigen . Auf gehts und zwar mit Herz und Verstand, dann könnten die Scheintoten , Manipulierten , nocheinmal Erwachen.
utospatz (17.06.2008, 02:51 Uhr)
Und da setz ich noch einen
drauf. Sag es mit Trappatoni, habe Flasche leer, das fällt der SPD so gar nicht schwer!
utospatz (17.06.2008, 01:11 Uhr)
So hab ich mir Schnaafpaaf+Ganzbaf
eine neue Masche ausgedacht! So über Nacht! Seh den letzten Kanzler ich, übergeb ich mich! Seh seinen Superminister für Arbeit und soziales überkommt es mich, so wie mein verstorbener Papa nach einem Flammenwerfer zu rufen.! Dies Alles ist derzeit die SPD, und das tut weh! Jedoch auch die christlichen sind nicht immer christlich, denn ein Söder zum Bleistift ist immer misslich. Nachdem ich den gesehn, möcht im nächsten Leben ich nicht auferstehn!
MamfredBuchholz (17.06.2008, 00:20 Uhr)
@ganzbaf
Wowereit als Stellvertreter und Lafontaine als Superminister. Vielleicht sollten Sie mal statt dieses Forums eine Drogenberatung aufsuchen
knilch_59 (16.06.2008, 23:29 Uhr)
… allein – es fehlt der Glaube
Heureka – endlich eine Meldung aus der Sozialdemokratie, die tatsächlich die Vermutung zulässt, dass sich jemand dort tatsächlich noch für die „kleinen Leute“ interessiert.
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Aber warum sollten wir denen glauben? Sind das nicht die gleichen Typen, die uns seit 1998 Verzicht und Lohnzurückhaltung gepredigt haben? Die dafür gesorgt haben, dass es in den letzten 10 Jahren die schnellste Umverteilung von Volksvermögen von unten nach oben seit Gründung der Bundesrepublik gegeben hat?
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Jetzt fehlt noch die Trennung von Clement, Schröder und Müntefering und anschließend eine öffentliche Entschuldigung. Dann könnte der Abwärtstrend gestoppt werden. Und wenn man dann noch nach und nach die anderen Agenda-Katastrophen gewendet hat, dann könnte es sogar wieder aufwärts gehen.
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Blöd ist nur, dass der freie politische Raum schon längst von der Linkspartei besetzt ist!
vegefranz (16.06.2008, 23:07 Uhr)
wer hat schuld?
Eltern, die das Kindergeld für Zigaretten und Alkohol verwenden, anstatt die Kinder damit auszustatten, gehören bestraft. Andererseits sind das in nicht seltenen Fällen auch nur Ausprägungen des sozialen Netzes: Warum soll man sich um seine Kinder kümmern? Dafür muss doch der Staat zuständig sein
guenti2477 (16.06.2008, 22:31 Uhr)
Wahlkampfzeit
Der Wahlkampf beginnt und schon werden wieder beliebte Themen mit aufgenommen. Was nützt es denn, wenn man untere Schichten mit mehr Kindergeld und Unterstützung ausstattet. Glaubt da im Ernst jemand, dass es was ändert? Liegt die Kinderarmut am Staat oder an unfähigen Eltern, die nicht mit Geld umgehen können, schon gar keine Kinder erziehen können, nicht arbeiten wollen und zudem Kinder nur haben, damit die Kasse stimmt. Will man wirklich solche Leute fördern? Wie werden die Kinder später?
arniston (16.06.2008, 19:42 Uhr)
cayenne
wer, wie die spd nicht die zeit erkennt verliert. nicht nur den wähler sondern auch sein eigenes profil. weg mit clement und turbokapitalisten. volksverrat an sozialen werten, praktisch die erfindung der spd wird mit schröder und co abgebaut.....danke herr beck endlich wach geworden. was die linke will ist das profif der cdu der 70 - 80 jahren, so haben ,,die linke,, zu recht zulauf bekommen..
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