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6. Juli 2009, 12:40 Uhr

Störfall für Merkels Wahlkampf

Es ist absolut haarsträubend, was sich nach dem erneuten Störfall im Atomkraftwerk Krümmel ereignete. Der Energiekonzern Vattenfall hat einmal mehr in Sachen Krisenmanagement versagt. Doch auch Angela Merkel hat jetzt ein Problem - weil ihre Partei es versäumte, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Ein Kommentar von Sebastian Christ

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Energie-Riese Vattenfall versucht, die Aufregung um die Atomenergie gering zu halten© Roland Magunia/DDP

Der erneute Störfall im Kernkraftwerk Krümmel ist an sich gesehen eine schlimme Sache. Noch viel schlimmer ist aber, was für ein erbärmliches Krisenmanagement der Energiekonzern Vattenfall einmal mehr zeigte. Das für den Meiler zuständige Aufsichtsamt erfuhr erst durch die Polizei, dass ein Transformator ausgefallen war. Vattenfall hatte es verschlafen, den Vorgang zu melden. Zudem kommen jetzt wieder die Informationen kleckerweise an die Öffentlichkeit: Das Reaktorwasser wies nach der automatischen Abschaltung aufgrund eines defekten Brennelements erhöhte Radioaktivität auf. Öl lief aus dem Trafo aus und sickerte ins Erdreich. Zudem war die vorgeschriebene Audioüberwachung im Kraftwerk nicht angeschaltet. So hätte man nähere Erkenntnisse über die Ursache eines solchen Vorfalls gewinnen können.

Atomkraft - Nein, Danke?

Zwei Jahre hatte Vattenfall für eine gründliche Überprüfung des Atomkraftwerks Zeit. Und genau zwei Wochen hat es gedauert, bis es wieder eine größere Panne gab. Als Bürger macht einen das fassungslos. Die Kernkraft ist schließlich jene Energiequelle, die mit den größten Erzeugungsrisiken behaftet ist. Wenn es mangels derzeit verfügbarer Alternativen so sein muss, dass wir 23 Jahre nach Tschernobyl leider immer noch AKW-Strom produzieren müssen, dann sollten die Verantwortlichen in den Stromkonzernen jede Sekunde zur Vertrauenspflege nutzen. In diesem Punkt hat Vattenfall mal wieder kläglich versagt. Niemand in diesem Konzern sollte sich wundern, wenn Krümmel aufgrund der bewiesenen Mängel in Sachen Fach- und Sozialkompetenz schon bald endgültig abgeschaltet wird.

Auch auf die Berliner Politik haben die Ereignisse in Geesthacht Auswirkungen. Umweltminister Sigmar Gabriel hat urplötzlich ein Wahlkampfthema gefunden. Und er kann sich dafür bei der Union bedanken. In dem kürzlich vorgestellten Wahlprogramm sprechen sich CDU und CSU für eine Laufzeitverlängerung von bestimmten Kernkraftwerken aus: "Die Kernenergie ist ein vorerst unverzichtbarer Teil in einem ausgewogenen Energiemix. (…) Daher streben wir eine Laufzeitverlängerung der sicheren deutschen Anlagen an." Mit Recht fragen jetzt viele: Was sind eigentlich "sichere Anlagen"? Sollte nicht eine Anlage vertrauensvoll sein, die zwei Jahre lang auf Herz und Nieren geprüft werden konnte?

Union verschläft die Energiewende

Es ist ohnehin kaum nachvollziehbar, warum sich die Union weiterhin so Atom-affin geriert. Auf der einen Seite werben die Christdemokraten um die urbane Mittelschicht, führende CDU-Politiker schließen mittlerweile sogar eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene nicht mehr aus. Andererseits versäumen es die Experten in der Union, das Thema erneuerbare Energien für sich zu entdecken. Längst geht es bei Wind-, Solar- und Wasserkraft nicht mehr nur um Öko-Träumereien, sondern um viele hunderttausend Arbeitsplätze. Doch die Union lässt sich immer noch von den Argumenten der Atom-Lobby einlullen.

Dazu gehört übrigens auch, dass Deutschland weiterhin zu den technologischen Marktführern in Sachen Atomenergie gehöre. Wie modern das Kraftwerk Krümmel ist, hat der neuerliche Störfall offenbart: Der ausgefallene Transformator war 33 Jahre alt.

Abstimmung

Braucht Deutschland Atomenergie zur zuverlässigen und sicheren Stromversorgung?

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Ein Kommentar von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 73)
 
vegefranz (08.07.2009, 15:50 Uhr)
Ausstieg aus dem Austieg: Seit 30 Jahren wollen uns Ewiggestrige irgendwelche Atom-katastrophen unterjubeln

Ausstieg aus dem Austieg: Seit 30 Jahren wollen uns ewiggestrige 68er irgendwelche Atom-Katastrophen unterjubeln.
Die einzig echte katastrohe wäre eine Ernergieabhängigkeit von Putin und der Energiemafia, entschuldigung ich meine natürlich GAZPROM
Sveto (08.07.2009, 11:53 Uhr)
@Tom3
Ist doch ganz einfach: Der Atommüll wird gut verpackt und dann mit 'ner Rakete in's Weltall geschossen (grobe Richtung: Grenze unserer Galaxie)! Das ist recht einfach, zumal die verbleibenden Mengen nach Wiederaufarbeitung sehr klein und daher gut zu handhaben sind.
Tom3 (08.07.2009, 10:08 Uhr)
...und es bleibt leider alles beim alten...
...die alles entscheidende Frage, nämlich die, WAS WIR MIT DEM ATOMMÜLL MACHEN SOLLEN! kann auch hier im Forum keiner der Atomkraftbefürworter beantworten!
.
Und solange es hier keine Antwort gibt, gehört diese Technologie so schnell wie möglich abgeschafft!
.
Also nochmals mein Aufruf an die ganzen Atomkraftwerk-Fans, entweder ihr gebt hierauf mal ne vernüftige Antwort oder ihr hört auf die Sache schön zu reden!
aeternitas (08.07.2009, 07:38 Uhr)
Wir alle produzieren CO2
wenn wir atmen!
Der "Dreck" der ansonsten bei den Kohlekraftwerken herauskommt (meinten Sie die Asche? Die Schlacke?) den kann man ohne Probleme z.B. im Bergbau als Füllmaterial entsorgen. Rauchgasentstaubungsanlagen haben mittlerweile alle deutschen Kraftwerke, den Rauch zu Entschwefeln und das dabei entstandene Produkt weiterzuverwerten (REA-Gips) ist auch Standard.
Während man die Abfälle aus Kernkrafwerken derzeit nirgends guten Gewissens lagern kann, ohne, dass die Anwohner ernste Gefahr laufen schwer krank zu werden (Asse, Gorleben, Schacht Konrad). Die Kernkraftwerke sind hochsubventioniert und die AKWs werfen jeden Tag unvorstellbare Gewinne ab, von denen allenfalls ein Taschengeld verwendet wird (wenn überhaupt) für Sicherheit und Instandsetzung... Krümmel hatte doch schon einmal Probleme, weil am Gerät gepfuscht wurde, um mehr Ausbeute zu bekommen...
_meinereiner_ (07.07.2009, 08:43 Uhr)
@esophrad
'Wissensvorgaukelnden Sprache'??? Klar, ohne den unnötigen Balast von Fachwissen diskutiert sich's schon gleich viel einfacher.
Zum Thema: Das die Lagerrung des Mülls nicht geklärt ist mag auch daran liegen, dass man sich von politischer Seiter her dagegen streubt, aber grundsätzlich ist was dran: Die Endlagerrung von radioaktivem Müll (wobei es auch hier gewalltige Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten gibt) ist die Achillesverse der Kerntechnik - allerdings eine die sie mit so ziehmlich allen GRUNDLASTgeeigneten Formen der Stromerzeugung mit Ausbaupotential gemein hat... die lassen nämlich alle Ihren Dreck zurück, egel ob Uran oder CO2, nur dass man letzteres nicht in Container sondern in die Atmosphäre packt (und trotzdem kommen wir ohne nicht zurecht)
_meinereiner_ (06.07.2009, 21:41 Uhr)
ideologische Brille absetzen
vielleicht könnte der eine oder andere Beführworter eines sofort-Ausstieges mal die Mühe machen realistische Alternativen vorzuschlagen, die sind nämlich leider recht dünn gesät.
Kohle&Gas: produziert CO2 + anderen Dreck und muss (zumindest im Fall von Gas) teuer importiert werden
Wind&Sonne: sind leider alles andere als Ausgereift und machen in einem Land in dem es eben wenig Wind&Sonne gibt leider nur bedingt Sinn (ausser dass sie sich klasse für den Wahlkampf missbrauchen lassen und das grüne Gewissen beruhigen). Die installierte Leistung an Windkraftanlagen entspricht jetzt schon mehr als 10 KKWs, aber im Gegensatz zu diesen lässt sich Wind leider nicht befehlen wann er zu wehen hat (Sonne das gleiche) und wenn er's nicht tut (was leider meist der Fall ist) bleibt nix anderes übrig als schnell teures Gas zu verbrennen oder ausländischen (Atom-)Strom zu kaufen... nicht umsonst baut ganz Europa gerade KKWs um Deutschland herrum.
Abgesehen davon: Ein Störfall im Traffo, wie in Krümmel, hat noch lange nix mit einem Sicherheitsrelevanten Störfall im Reaktor zu tun - nukleare und nichtnukleare Komponenten werden bei uns fein säuberlich getrennt in im hier vorliegenden Fall war das Problem niemals dass der ganze Kasten in die Luft gehen könnte, sondern dass Hamburg ohne Strom dastand und Vattenfall ausserdem beim Kriesenmanagement versagt hat (was beides schlimm genug ist).
Wer nahtlos die Brücke von 'Stromausfall' zu 'möglicher Super-Gau' spinnt betreibt nix als Panikmache, was in Zeiten des Wahlkampfes leider recht atraktiv ist.
Und wer jetzt von Tschernobyl anfängt: Einen solchen sowjetischen Kalter-Krieg-Rekator, der in erster Linie billig und millitärisch nutzbar sein sollte - dafür aber mit einem Sicherheitskonzept das dieser Bezeichnung Hohn spricht - mit unseren Anlagen zu vergleichen hinkt ganz gewaltig und ist eigentlich gar nicht möglich. Natürlich muss man hier die verschiedenen Konzepte nicht komplett durchkauen, aber sich drüber informieren bevor man drüber diskutiert schadet trotzdem nicht.
Sveto (06.07.2009, 21:14 Uhr)
@DasBertl
Wer glaubt, dass die aktuelle Krise aufgrund zu geringer Regulierung des Kreditgewerbes entstanden ist, und sich auf diese Weise der evidenten Wahrheit verschließt, dass es sich um eine durch verfehlte Geldpolitik entstandene Überkapazitätenkrise handelt, die durch falsche Regulierungsansätze insbesondere im Kreditgewerbe noch verstärkt wurde, der zeigt einzig, dass er von Ökonomie nichts versteht. Die Folgen dieses gewaltigen Staats- bzw. Regulierungsversagens einem angeblichen Marktversagen in die Schuhe zu schieben und die Lösung in noch mehr (schlechter) Regulierung sehen zu wollen, ist schlicht perfide (wenn auch aus der Sicht der Regulierungsprofiteure verständlich). Lesen Sie doch einfach einmal Stefan Blankertz: "Kritische Einführung in die Ökonomie des Sozialstaats" oder Murray N. Rothbard: "Man, Economy, and the State". Zur "Kritik des Interventionismus" hat Mises im Übrigen bereits 1929 alles Erforderliche gesagt.
Johann58 (06.07.2009, 21:04 Uhr)
@STR_EDDS
Zu diskutieren was gleich und was unterschiedlich zwischen den Reaktoren in Deutschland und denen die einen Super GAU hatten ist muessig und wuerde den verfuegbaren Raum sprengen. Eine Gewissensfrage; wollen Sie ernsthaft und mit 100%iger Sicherheit sagen, dass schwere und schwerste Unfaelle in Deutschen AKW's auszuschliessen sind? Wenn ja dann sind Sie ein Hellseher oder Gott.
Um es darueberhinaus ganz offen zu sagen: bei dem Beitrag von Guzziman haben sich bei mir nicht nur die Nackenhaare getraeubt vor so viel Unsinn den er da in die Tastatur geklimpert hat. Inhaltlich hat da absolut nichts gestimmt und war so was weit weg von der ealitaet, dass der Begiff Luegner zwar falsch gewaehlt war aber irgendwo seine Berechtigung hatte.
OttoB (06.07.2009, 20:58 Uhr)
Wir jammern immer das wit den nachfolgenden
Generationen Schulden hinterlassen, ist der Atommüll nicht viel schlimmer.Wenn dieser Müll nicht mer gefährlich ist, wie viele Generationen sind betroffen.Über die Staatsschulden von heute spricht dann keiner mehr.
STR_EDDS (06.07.2009, 20:36 Uhr)
@eso
Hier jemanden dreist als Lügner zu bezeichnen ist schon frech, finden Sie nicht. Zumal die von Ihnen kolportierten "Fakten" nur ein trauriger Mix aus Halbwissen und Realitätsverweigerung sind. Ich möchte Sie nicht als Lügner bezeichnen - eher als materiefremd und geistig gefordert. Recherchieren Sie besser.
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