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Islamist bedankt sich bei Deutschland

Der Bonner Islamist Bekkay Harrach droht im Al-Kaida-Terrorvideo mit Anschlägen, wenn sich Deutschland nicht aus Afghanistan zurückzieht. Gleichzeitig bedankt sich der Deutsch-Marrokaner bei der Bundesrepublik für ihre Hilfe während seiner Haft in Syrien und will sich "erkenntlich zeigen".

Wenige Tage vor der Bundestagswahl hat sich das Terrornetzwerk al Kaida mit einem neuen Drohvideo direkt an die deutsche Bevölkerung gewandt. Für den Fall, dass bei der Wahl "das deutsche Volk sich nicht für den Abzug seiner Soldaten aus Afghanistan entscheidet", wird in den zwei Wochen nach dem Wahltag mit Anschlägen gedroht.

Zur Person des jungen Sprechers ist kaum etwas bekannt. Sicher ist, dass Bekkay Harrach Anfang 30 ist, lange Zeit in Bonn lebte und die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Nach unbestätigten Presseberichten soll er von 2002 bis 2004 an der Fachhochschule Koblenz Lasertechnik und Wirtschaftsmathematik studiert haben, bis er sich im Jahr 2004 erst in den Irak und dann nach Syrien abgesetzt habe, wo er vorübergehend in Haft gewesen sei.

In dem neuen Video nimmt Harrach möglicherweise darauf Bezug, denn er bedankt sich bei der Bundesregierung für "ihre schnelle Hilfe aus meiner Haft in Syrien". Zudem bedankt er sich für die schnelle Hilfe der Regierung "nach meiner Schussverletzung in Hebron/Palästina" und dafür, dass seine Frau nach seiner Reise nach Afghanistan nicht belästigt und später auch nicht an der eigenen Ausreise gehindert worden sei.

Angeblich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet

Laut Bundesanwaltschaft wurde Harrach, der sich in den Videos inzwischen "Abu Talha, der Deutsche" nennt, wohl in Deutschland von dem inzwischen zu acht Jahren Haft verurteilten hochrangigen Al-Kaida-Mitglied Aleem N. für das Terrornetzwerk angeworben.

Die Sicherheitsbehörden reagierten mit erhöhter Polizeipräsenz auf die Drohbotschaft. Vor allem an Flughäfen und Bahnhöfen patrouilliert die Bundespolizei nun auch mit schweren Schutzwesten und Maschinenpistolen. "Es geht um die Präsenz, wir wollen den Reisenden Sicherheit geben", sagte eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Die Anweisung für die Bundespolizisten auf Streife gilt demnach zunächst unbefristet. Vor allem in Berlin wurden die Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Terroranschläge weiter verschärft.

Das Bundesinnenministerium erklärte, das Sicherheitskonzept für die Zeit um die Bundestagswahl sei bereits vor einigen Wochen von Bund und Ländern beschlossen worden. Bereits seit längerem weise man auf die Gefährdungslage durch den islamistischen Terrorismus hin. "Das Terrorvideo bestärkt uns in der Richtigkeit der Maßnahmen", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Konkreter Bezug zu Deutschland

Der Sprecher der Bundesanwaltschaft sprach von einem "verdichteten Deutschland-Bezug" des Videos. Bereits im Januar und im Februar war Harrach in zwei Video-Drohbotschaften der Al Kaida aufgetreten. Seitdem wird gegen ihn wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ermittelt. Er soll sich seit 2007 im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhalten.

Mit Harrachs Videos hatte sich das Terrornetzwerk erstmals direkt an Deutschland gewandt. Experten hatten damals von einen neuen Qualität der Bedrohung gesprochen. Anders in den früheren Auftritten ist der Sprecher nun aber nicht teilweise vermummt und mit Waffen zu sehen. Vielmehr wendet sich ein bartloser junger Mann, adrett mit Anzug und Krawatte bekleidet, vor einem roten Stoffhintergrund an die Zuschauer und erklärt mit sanfter Stimme: "Sollte allerdings das deutsche Volk seine zur Auswahl stehenden Parteien mehrheitlich nicht dazu bewegen wollen, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, dann wird es nach den Wahlen ein böses Erwachen geben." Die Muslime in Deutschland fordert er für diesen Fall auf, "in den zwei Wochen nach den Wahlen von allem, was nicht lebensnotwendig ist, fernzubleiben".

Das neue Video wird nun von Spezialisten der Sicherheitsbehörden ausgewertet. Laut Bundesanwaltschaft spricht einiges dafür, dass es authentisch ist. Sicherheitskreise sehen das Video nach ersten Einschätzungen aber nicht als konkrete Anschlagsdrohung, sondern gehen von einer allgemeinen Drohung im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr aus. "Die seit Jahresbeginn verstärkt auch unmittelbar gegen Deutschland gerichteten Drohungen von Al Kaida und anderen islamistischen Organisationen erreichen eine neue Qualität", heißt es auf der Homepage des Bundesinnenministeriums. "Die Bundestagswahl bietet dabei einen besonderen Ansatz für propagandistische und operative Handlungen terroristischer Gruppierungen."

AP/AP
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