25. Februar 2010, 10:04 Uhr

Wenn der Fahrer zur Gefahr wird

Der Fall Margot Käßmann beleuchtet ein Problem, das oft als Kavaliersdelikt abgetan wird: Alkohol am Steuer. Welche Folgen das Fahren im Rausch hat - und was den Tätern droht. Von Gernot Kramper und Manuela Pfohl

Straßenverkehr, Unfall, Unfälle, Unfallstatistik, Alkohol, Steuer, betrunken, Autofahrer

Wer mit zuviel Alkohol am Steuer erwischt wird, muss mit harten Sanktionen rechnen©

Sie steuerte ihren Wagen mit 1,54 Promille im Blut und ignorierte eine rote Ampel. Margot Käßmann, Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland ist aktuell Deutschlands prominenteste Alkoholsünderin. Jetzt zog sie die Konsequenzen und trat von ihrem Amt zurück. Was bleibt, ist die Frage: Warum setzen sich immer wieder Menschen ans Steuer, obwohl sie mehr als nur ein "Gläschen in Ehren" getrunken haben? Und welche Konsequenzen hat das im Straßenverkehr?

Die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen die dramatischen Fakten auf. Demnach wurden im Jahr 2008 bei den insgesamt 48.226 festgestellten Alkoholunfällen 523 Menschen getötet und 24.587 Personen verletzt. Das heißt, es starben 2008 in Deutschland immer noch zwölf Prozent aller Verkehrstoten an den Folgen eines Alkoholunfalls. Das war rund jeder neunte Getötete im Straßenverkehr.

Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) hat deshalb die Bundesregierung zu mehr Engagement in der Verkehrssicherheitspolitik aufgerufen und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer aufgefordert, eine 0,0-Promillegrenze für alle Fahrer verbindlich festzuschreiben.

Werner Korn vom VCD-Bundesvorstand: "Alkohol im Straßenverkehr bedeutet ein erhöhtes Unfallrisiko und hat deshalb am Steuer eines Fahrzeugs nichts zu suchen, auch nicht in geringen Mengen. Wer konsequent alles unternehmen will, um Unfälle mit Toten und Verletzten zu vermeiden, kommt um 0,0 Promille nicht herum."

Einen Schulbusfahrer mit 3,52 Promille erwischt

Immer wieder stehen Polizeibeamte ratlos vor den tragischen Folgen solcher Alkoholunfälle. Immer wieder begegnen ihnen Promillesünder, die ganz offensichtlich überhaupt nicht realisieren, in welche Gefahr sie sich und andere Verkehrsteilnehmer bringen. Stefan Wittke von der Polizeidirektion in Hannover hat die Erfahrung gemacht, dass erwischte Autofahrer sich immer wieder völlig erstaunt geben und meinen, sie hätten doch nur ein Glas getrunken und der festen Überzeugung sind, dass sie sich und ihr Auto eigentlich noch unter Kontrolle haben.

Wittke erinnert sich noch gut an einen spektakulären Fall aus dem Jahr 2008. "Da wurde in Hannover ein 43-Jähriger erwischt, der als Fahrer eines Schulbusses Kinder beförderte, obwohl er sichtlich angetrunken war. Der Alkoholtest ergab schließlich einen Wert von sage und schreibe 3,52 Promille." Wittke kann da nur den Kopf schütteln. Er meint: "Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können." Doch wo liegt die Grenze zwischen "ich glaube, ich habe noch alles im Griff" und "ich habe tatsächlich noch alles im Griff"?

Hat die 0,5-Promillegrenze etwas gebracht?

Andreas Büttner, Leiter der Rechtsmedizin in Rostock, sagt, dass es darauf keine eindeutige Antwort gibt. Zwar lege die Straßenverkehrsordnung klar fest, ab welcher Promillegrenze das Autofahren nach juristischer Definition tabu ist. Doch aus der Praxis sei bekannt, dass viele Faktoren die tatsächliche Beeinträchtigung beeinflussen. "Jemand, der sonst nie trinkt, wird unter Umständen schon nach dem erlaubten Glas Bier nicht mehr fahrtüchtig sein. Ein anderer, der Alkohol gewöhnt ist, kann einen höheren als den erlaubten Alkoholpegel haben, ohne verkehrsgefährdende Ausfallerscheinungen zu zeigen", meint der Professor.

Hat die Einführung der 0,5-Promillegrenze, die seit 1998 beim Führen eines Kraftfahrzeugs in Deutschland gilt, dennoch etwas gebracht? Sie war ja als ein Schritt gedacht, um die Zahl der Alkoholunfälle und damit der Verkehrstoten zu reduzieren.

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KOMMENTARE (10 von 34)
 
SpringbokCT (26.02.2010, 01:14 Uhr)
> chatahootchee
Dass Drogen und Alkohol nicht zum Lenkrad passen waren wir uns schon vor Stunden einig.

Die Frage war nur wie lange, reichen 7 Std. Schlaf, oder sollten es 24 Std. sein.

Dazu nochmal zu dem selben Rechenbeispiel:
Bei einer 50 kg Frau reichen 7 Std. schlaf nicht, bei einem 100 Kg Mann schon.

Wer mit 0,04 promille ins Bett geht kann am nächsten Morgen wieder fahren, der mit 1,5 Promillos ins Bett geht leider nicht.

Sie können das jetzt drehen und wenden wie Sie möchten, es bleibt so.
igel (26.02.2010, 00:40 Uhr)
Was war das für ein Kavalier auf dem Beifahrersitz der Bischöfin?
Was war das denn für ein Kavalier, der die Frau Käßmann an das Steuer läßt und sich auf dem Beifahrersitz chauffieren läßt. Es ist doch selbstverständlich, dass derjenige das Auto fährt, der nichts, oder am wenigsten getrunken hat. Dem würd ich gern was schreiben. Aber leider hat die Polizei vergessen, wer das war. Doppelt schade. Oder?
chatahootchee (25.02.2010, 19:57 Uhr)
HIER HABEN ABER EINIGE MEHR ALS 1.54!
Das wiederum beweist, dass nur 0.00 die Loesung ist.
Was nuetzen die besserwisserischen SpringbokCT- Rechenkuenste, das Wetter, Polemisierkuenste von S-Achte, und andere Kommentare? Alkohol, Drogen und ein Lenkrad passen einfach nicht zusammen. Recht hat er, der Johann!
Sanjoaquin (25.02.2010, 18:46 Uhr)
Und noch was
Die Statistik sagt nur, dass bei diesen rund 12000 Unfällen pro Jahr Alkohol im Spiel war, sie sagt aber nix darüber aus, ob der Unfall ohne Alkohol nicht ebenso passiert wäre. Mit anderen Worten, wenn einer, der zuviel getrunken hat, völlig schuldlos von einem anderen angefahren wird, dann ist das statistisch gesehen auch ein Alko-Unfall.
Sanjoaquin (25.02.2010, 18:41 Uhr)
Johann 58 und die Vernunft
Von den 523 Alkoholtoten im Strassenverkehr sind 50 % die Alkoholisierten selber, verbleiben rund 260 Menschen, die von Alkoholisierten zu Tode gefahren werden. Und jetzt schauen Sie mal beim Aktionsbündnis-Patientensicherheit vorbei, dann werden Sie feststellen, dass rund 17 500 Menschen jährlich von nüchternen Medizinern vom Leben zum Tode gebracht werden. Folgt man Ihren Ausführungen, dann wäre es höchst unvernünftig zum Arzt zu gehen.
SpringbokCT (25.02.2010, 18:22 Uhr)
> NewWorld (25.02.2010, 17:57 Uhr)
Genau das stimmt was Sie sagen, vermutlich hatten sie den Promillerechner benutzt.

Ein ähnliches Beispiel, wenn auch mit etwas anderen Werten hatte ich um 14:08 hier reingestellt. Aufhänger war dabei das berühmte Zitat von Beckstein, 2 Maß in 7Std., das ein anderer Kommentator erwähnte.

Mein Promillerechner-Beispiel auf 7 Std. Trinkzeit war:
Eine 100 kg schwerer Mann hätte nach 2 Maß (2 Liter) 4,8%igen Bier einen Promillewert von maximal 0,04.
Eine 50 kg schwere Frau dagegen bei der gleichen Menge und Trinkzeit einen Maximalwert von 1,24 Promille.

Mit diesem Beispiel wollte ich nur die vom Körpergewicht und Geschlecht abhängigen, extrem unterschiedliche Ergebnisse verdeutlichen.
sachsenwini (25.02.2010, 18:20 Uhr)
@ Johann58 jedes fahrende Kraftfahrzeug ist an sich schon eine Gefahr.

Wer ein Kraftfahrzeug fährt übernimmt damit eine große Verantwortung, derer sich viele nicht bewusst sind. Er kann jederzeit durch irgend einen Umstand einen Unfall herbeiführen.
Wenn jetzt seine Fahrtüchtigkeit zusätzlich noch durch Übermüdung, Krankheit, Medikamente, Alkohol oder gar Drogen eingeschränkt ist, wird die Unfallgefahr noch größer.
Messbar und damit strafbar sind aber nur Alkohol und Drogen, alles andere was nicht weniger gefährlich ist, muss der Fahrer mit seinem Gewissen vereinbaren.
NewWorld (25.02.2010, 17:57 Uhr)
@Johann & Springbok
Beruhigt euch. Man kann doch im Internet alles nachrechnen.

Wenn eine Frau [egal ob Bischöfin oder nicht] mit 1,60cm und 50kg innerhalb von 3 Stunden einen Liter Wein trinkt, dann erreicht sie ca. 1,93 Promille und ist ab Ende des Alkoholkonsums nach ca. 12 Stunden wieder nüchtern. Ein Mann [1,80cm, 75kg] erreicht 1,05 Promille und ist nach ca. 7 1/2 Stunden wieder nüchtern.

Wenn Johann also zum Abendessen 2 Gläser Wein trinkt und am nächsten morgen zur Arbeit fährt ist daran nix auszusetzen.

Johann58 (25.02.2010, 17:53 Uhr)
@S-achte
Ich denke faszinierend ist, dass wieder besseren Wissens die Gefahren bei Alkohol am Steuer unterschaetzt werden und dass es keine Rechtfertigung geben kann wenn man sich selbst und vor allem andere einer Gefahr aussetzt, die man voellig problemlos verhindern kann. Ich kenne kaum ein Land in dem es so leicht moeglich ist nach ein paar Bier eine Alternative zum eigenen Auto zu finden.

Da es keine objektive Messmethode gibt, die nachweisen kann der ist mit 0,5 0/00 noch fahrtuechtig und der nicht kann man nur fuer eine 0/00 Promillegrenze plaedieren. Jeder kenn trinken was er will aber ab dem 1. Glas laesst er die Finger vom Steuer. Das ist keine Ideologie sondern Vernunft.
SpringbokCT (25.02.2010, 17:44 Uhr)
> Johann58
Ganz im Gegenteil,nicht ich wollte die Gefahr des Alkohol im Straßenverkehr verharmlosen, sondern Sie.

Ich war derjeneige, der Ihnen vorrechnete 24 Std. nach Alkoholgenuss nicht zu fahren. Und Sie derjenige, der versuchte "paar Gläser Wein" zu realitivieren.

Sie meinten das Sie dann nach 18 Std. (naja, wers glaubt) wieder fahren könnten.

Da ich annehme, dass Sie als Mann kein absolutes Fliegengewicht sind wird das auch stimmen. Bei einer leicht gewichtigen Frau wie die Bischöfin sieht diese Rechnung nochmal ganz anders aus.

Genau das hatte ich in dem von Ihnen als "schwachsinig" kritisiertem Rechenbeispiel verdeutlicht. Da nach so einem starken Alkoholgenuss im Normalfall auch der berühmte Kater folgt, sollte man auch hinterher nicht am gleichen Tag fahren.

Da es Ihnen bestimmt nochmal gelingt das Besagte um 180° rum zu drehen, bekommen Sie von mir keine Antwort mehr zu dem Thema, egal wie dumpf die Beleidigung diesmal ist.

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