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27. Januar 2006, 12:25 Uhr

Johannes Rau ist tot

Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau ist am Freitagmorgen gestorben, er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Im In- und Ausland wurde Rau als herausragender Politiker und Mensch gewürdigt.

Wurde 75 Jahre alt: Altbundespräsident Johannes Rau© Ralf Hirschberger/DPA

Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau ist tot. Wie sein Büro mitteilte, ist der 75-Jährige am Freitag um 8.30 Uhr gestorben. Rau war seit längerem schwer krank. Nachdem er am 1. Juli 2004 aus dem Amt geschieden war, musste sich Rau zwei Operationen unterziehen, dabei wurde ihm eine neue Herzklappe eingesetzt. "Er hat sich von den Operationen nie wieder richtig erholen können", hieß es in Raus Büro. Der Sozialdemokrat hinterlässt eine Frau und drei Kinder, die älteste Tochter Anna ist 22 Jahre alt.

Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Matthias Platzeck würdigten den Verstorbenen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hob Raus Verdienste um die deutsch-jüdische Aussöhnung hervor. Köhler sagte: "Deutschland hat einen prägenden Politiker, einen großen Bundespräsidenten und einen Mann verloren, der die Welt menschlicher gemacht hat." Für den 2. Februar hat Köhler einen Staatsakt angeordnet. Bürger haben von Samstag bis Montag Gelegenheit, sich im Berliner Schloss Bellevue und in der Bonner Villa Hammberschmidt in ein Kondolenzbuch einzutragen.

"Versöhnen statt spalten"

Johannes Rau war mehr als 50 Jahre politisch aktiv. Dabei orientierte sich der gläubige Christ an seinem Leitsatz "Versöhnen statt spalten". Über Jahre hinweg galt Rau als einer der beliebtesten deutschen Politiker.

Rau war allein 20 Jahre Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, außerdem SPD-Kanzlerkandidat, schließlich ab 1. Juli 1999 Staatsoberhaupt - eine einzigartige deutsche Politikerkarriere. "Das Ideal meiner Politik ist es, das Leben der Menschen im Laufe der Jahre ein Stückchen menschlicher zu machen", sagte Rau im Dezember 1985.

Enkelin Heinemanns geheiratet

Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal als Sohn eines Predigers geboren. Seine politische Karriere begann er in der "Gesamtdeutschen Volkspartei", die sein politischer Lehrmeister Gustav Heinemann aus Protest gegen die Wiederbewaffnung gegründet hatte. Die Partei konnte sich nicht durchsetzen, deswegen wechselten Rau und Heinemann 1957 zur SPD. Im Alter von 51 Jahren gab Rau sein Junggesellendasein auf und heiratete Christina Delius, eine Enkelin Heinemanns.

Nicht immer ging für "Bruder Johannes" - wie Rau wegen seiner Bibelfestigkeit genannt wurde - alles glatt. 1987 scheiterte er als Kanzlerkandidat an Helmut Kohl. 1994 unterlag er bei der Wahl zum Bundespräsidenten seinem Konkurrenten Roman Herzog von der CDU. 1999 gewann er schließlich die Wahl. Als Richtlinie für seine Amtszeit nannte er: "Ich will der Bundespräsident aller Deutschen sein und der Ansprechpartner für alle Menschen, die ohne einen deutschen Pass bei uns leben und arbeiten." Nachdrücklich setzte er sich dafür ein, dass Ausländer und Deutsche friedlich zusammenleben.

Um Vergebung gebeten

Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählte sein historischer Auftritt vor dem israelischen Parlament am 16. Februar 2000. Rau bat dort um Vergebung für die NS-Verbrechen: "Im Angesicht des Volkes Israel verneige ich mich in Demut vor den Ermordeten, die keine Gräber haben, an denen ich sie um Vergebung bitten könnte. Ich bitte um Vergebung für das, was Deutsche getan haben." Rau bemühte sich auch um die Aussöhnung mit Polen, in China prangerte er Menschenrechtsverletzungen an. Christlich inspiriert waren seine Beiträge zur Debatte um die Gentechnik - Rau warnte vor der neuen Technologie.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wollte Rau - privat ein passionierter Skatspieler und Freund launiger Anekdoten - weiter aktiv bleiben. Am Empfang zu seinem 75. Geburtstag, der am 16. Januar im Schloss Bellevue gegeben wurde, konnte Rau jedoch schon nicht mehr teilnehmen. Bundespräsident Köhler würdigte ihn damals in einer Ansprache als einen Politiker, der das Vertrauen der Menschen nie enttäuscht habe.

Superintendent Rekowski, Wuppertal "Wer ihn persönlich erleben konnte, erlebte einen Politiker, der den Menschen nahe kommen ist. Er konnte mit seinen Worten die Herzen der Menschen aufschließen."
"Rau war ein starkes Stück Kirche, wenngleich kein Lobbyist. Oft genug hat er uns in seinen Reden so manches ins Stammbuch geschrieben. Nicht umsonst wurde Rau 'Bruder Johannes' genannt - er stand immer für eine menschengerechte Politik."
Manfred Rekowski ist Superintendent in Johannes Raus Heimatgemeinde Wuppertal

 
 
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