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14. Februar 2011, 22:10 Uhr

Rösler will pflegenden Angehörigen helfen

Es sind meist Frauen, die ihren Vater, ihre Mutter oder andere Angehörige pflegen - oft eine Dauerbelastung. Nun sollen viele kleine Verbesserungen ihre Situation verbessern - Gesundheitsminister Philipp Rösler will helfen. Offen ist, wie er das finanzieren kann.

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Viele Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen zuhause© DPA

Claus Fussek steht im Atrium des Gesundheitsministeriums in Berlin und schimpft. "Wir waren uns alle einig, dass was passieren muss", sagt der bekannte Pflegeexperte. Doch daran zweifelt Fussek nach einem zweieinhalbstündigen Spitzentreffen bei Minister Philipp Rösler (FDP), in dem es um Hilfen für pflegende Angehörige in Deutschland ging.

Rösler hat sich im Durchgang zu den Aufzügen aufgebaut. "Unser Ziel ist es, ersteinmal Danke zu sagen an all die vielen Millionen Angehörigen, die tatsächlich schon pflegen." Dann berichtet er über geplante Verbesserungen.

Die Menschen, die kranke, demente oder gebrechliche Angehörigen zuhause pflegen, sollten gemeinsam mit ihnen in Kur gehen können. Sie sollen weniger Papierkram abwickeln müssen, schneller Hilfsmittel bezahlt bekommen und - wenn sie nicht mehr können - einen Notfallseelsorger anrufen können.

Vielleicht gibt es auch Pflegegeld, selbst dann, wenn Mutter, Vater oder Schwiegereltern schon finanzielle Hilfe für einen ambulanten Pflegedienst bekommen. Und vielleicht auch eine stärkere Anrechnung der Pflegezeit bei der Rente. Doch all das wird nur Wirklichkeit, wenn die Politik dafür die nötigen Gelder locker macht. "Wir haben nicht über Preise gesprochen", sagt Rösler. Das passiert erst in einigen Monaten, dann wird auch die für Schwarz-Gelb heikle Landtagswahl in Baden-Württemberg vorbei sein.

Rösler hört zu und will verstehen

Rösler will verstehen, was 1,6 Millionen Menschen, die mit Unterstützung aus der Pflegekasse zuhause betreut werden, und die bis zu 2,5 Millionen weiteren Hilfebedürftigen und ihre Angehörigen brauchen. Er ruft immer mal wieder Experten und Verbandsvertreter spontan auf dem Handy an. Er hört zu. Und er berichtet anschaulich auch über psychische Folgen des Dauereinsatzes Pflege zuhause - etwa, wenn die eigenen Eltern ihre Persönlichkeit verlieren. "Das hautnah mitzuerleben, ist häufig ebenfalls eine Belastung."

Doch wirkt sein Einsatz beim Spitzentreffen mit Patienten- und Pflegevertretern auf manche auch aktionistisch, wie Teilnehmer berichten. "Das sind alles viele, viele bekannte Dinge, und uns läuft die Zeit davon", sagt einer hinter vorgehaltener Hand. Kritiker wie Fussek oder Eugen Brysch von der Hospiz Stiftung, die kein Blatt vor den Mund nehmen, beschreiben ein Pflegesystem, das selbst immer mehr zum Pflegefall wird.

Ohne die Leidensfähigkeit der Angehörigen ginge nichts

"Wir müssen das parteienübergreifend zum Thema machen", meint Fussek. Ohne die Leidensfähigkeit der Angehörigen würde es schon heute nicht mehr gehen, meint Brysch. "In 20 Jahren gibt es nicht mehr die Töchter, die pflegen, die Partner, die pflegen", mahnt er. Andere Experten meinen nach dem Treffen, neue Auszeiten nach dem Vorbild von Mütter-Kind-Kuren seien eher Kosmetik. Schließlich brauche es ein Gesamtkonzept, um Mängeln bei Pflege-Fachkräften, Finanzausstattung und Fürsorge für die pflegenden Angehörigen zu begegenen.

Als nächstes will sich Rösler mit den Spitzenvertretern der Branche wohl speziell zum immer gravierenden Problem der Demenz beraten, dann noch einmal über die Ausweitung der Pflegeversicherung auch auf die wachsende Gruppe der Altersverwirrten. Dann muss noch der Koalitionsstreit ausgeräumt werden, ob mit Extrabeiträgen ein Kapitalstock in der Pflege aufgebaut werden soll - wohl eher nicht, wie es heißt. Und schließlich soll beziffert werden, welche neuen Leistungen und finanzielle Zukunftsabsicherung man bezahlen will und was die Beitragszahler das kostet. Im Sommer soll ein Gesetzentwurf Klarheit bringen.

Basil Wegener/DPA
 
 
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