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16. Juni 2008, 11:01 Uhr

Genossen, hört auf Müntefering!

Der beginnende Wahlkampf vernebelt der SPD offenbar die Köpfe - anders lässt sich ihre Rolle rückwärts bei der Altersteilzeit nicht erklären. Denn die geplante Renaissance der Frühverrentung wäre angesichts der demografischen Entwicklung ein schwerer Fehler - und nicht finanzierbar. Die Genossen sollten sich an der Politik ihres Ex-Chefs Franz Müntefering orientieren. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Für wie vergesslich hält die SPD-Führung eigentlich die Menschen? Sie kann doch nicht allen Ernstes davon ausgehen, dass sich niemand mehr daran erinnert, wie ihr damals wichtigster Genosse, der Vizekanzler Franz Müntefering, 2005 den Rentenbeginn mit 67 Jahren durchgeboxt hat. Die Idee war richtig. Immer weniger Arbeitnehmer müssen in Zukunft immer mehr Rentner finanzieren. Der Widerstand der Gewerkschaften gegen die Rente mit 67 war und ist falsch. Die Behauptung, es würde damit jüngeren Arbeitnehmern der Zugang zum Arbeitsmarkt versperrt, ist faktisch längst widerlegt. In vielen Branchen fehlt inzwischen der Nachwuchs.

Ausnahmen in bestimmten Branchen sinnvoll

Dass die SPD jetzt dennoch wieder die frühere Rente thematisiert, kann vor diesem schlichten Hintergrund nur damit erklärt werden, dass der beginnende Wahlkampf 2009 ihr bereits heute die Köpfe vernebelt. Leider schon zum zweiten Mal bei diesem Thema. Anstatt - wie 2005 beschlossen - sich zu bemühen, ältere Arbeitnehmer länger im Job zu halten, hat sie (unterstützt von der CDU) den Bezug von Arbeitslosengeld für ältere Arbeitslose verlängert. Sie werden dadurch aus dem Arbeitsmarkt heraus geschmuggelt. Das war eine Ohrfeige für den Exkanzler Schröder und dessen Agenda 2010.

Es steht völlig außer Frage, dass in bestimmten Branchen mit schwerster körperlicher Beanspruchung kranke und ausgebrannte Arbeitnehmer auch künftig vorzeitig in Rente geschickt werden müssen. Nicht akzeptabel ist jedoch, wenn immer mehr Beschäftigte in Altersteilzeit gehen, die ihr Arbeitsleben lang in klimatisierten Büros am Schreibtisch gesessen und überdurchschnittlich verdient haben. Mit dem Prinzip der Rente mit 67 ist diese Entwicklung, auf die die Rentenversicherung zu Recht hinweist, überhaupt nicht zu vereinbaren. Und vollends absurd wird die Aktion, wenn gleichzeitig Beschäftigten schon mit 60 und nicht erst wie jetzt üblich mit 63 der Weg in die Teilrente erlaubt werden soll.

Senkung des Arbeitslosenbeitrags kaum noch finanzierbar

Teuer ist der falsche Weg außerdem: 1,4 Milliarden Euro kostet er bereits jetzt. Würde durch den SPD-Plan der Bundesanstalt für Arbeit jetzt noch mehr zugemutet werden, stellt sich die Frage, wie denn die versprochene Senkung der Arbeitslosenversicherung von 3,3 Prozent auf 3,0 Prozent finanziert werden soll. Die nimmt der Bundesanstalt mindestens vier Milliarden Euro. Und die von der SPD gewünschte Verlängerung der Alterszeit weit über das Jahr 2009 hinaus kostete ebenfalls Milliarden.

Niemand hindert schließlich Gewerkschaften und Arbeitgeber daran, miteinander für bestimmte Betriebe und Branchen Ausnahmeregelungen auszuhandeln. Dann dürfte sicher sein, dass die unbedingt notwendige Frühverrentung auch jenen zugute kommt, die sie sich durch besondere körperliche Belastungen hart verdient haben. Dass dies teilweise zu etwas niedrigeren Lohnerhöhungen für die Aktiven führen könnte, liegt auf der Hand. Das Recht, dafür auch einen Arbeitskampf zu riskieren, darf man beispielsweise der IG Metall nicht absprechen. Der Konflikt muss ausgetragen werden, weil es für bestimmte Fälle eine Anschlussregelung über das Jahr 2009 hinaus geben muss.

Keine staatliche geförderte Altersteilzeit

Was jedoch die SPD propagiert, ist der pauschale Rückmarsch in die von den Steuerzahlern finanzierte Frühverrentung. Man wünscht sich sehr, dass der politische Frührentner Müntefering seinen Genossen laut und unmissverständlich zuruft, dass es ein Ende haben muss mit der staatlich geförderten Altersteilzeit. Selbst der Kampf gegen die Linkspartei rechtfertigt derart unsinnige Aktionen der SPD nicht.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
knilch_59 (17.06.2008, 13:33 Uhr)
@NeoBa
Die von Ihnen für die Versorgung der Rentner eingeforderte Produktivitätssteigerung ist schon verteilt, nämlich in Form von Brutto-Lohnzuwächsen der aktiven Arbeitnehmer. Gemein ist nur, dass die davon auch etwas für sich behalten wollen und keinen Bock haben das alles an die Rentner weiterzureichen. Wenn ein Arbeitnehmer im Verlauf von 10 Jahren 30 % Produktivitätsfortschritt erzielt und daraus – im Idealfall – auch 30 % Lohnerhöhung generiert, dann bleibt für ihn null und garnix übrig, wenn in dieser Zeit die Zahl der Rentner auch um 30 % steigt. Dann müssen nämlich die Rentenversicherungsbeiträge ebenfalls um 30 % steigen, oder die Renten gekürzt werden. Das ist die Demografiefalle, auf die wir derzeit zurennen – mit wachsendem Tempo!
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Ach so: Und Inflation und Steuern mit Rückzahlung der Staatsschulden habe ich in diesem verkürzten Modell noch ganz weggelassen!
NeoBa (17.06.2008, 08:56 Uhr)
@Spock
Kann Ihnen da nur zustimmen. Die Produktivitätssteigerung taucht in keiner Rentenprognose auf. Es wird immer ganz geradeaus gedacht. Weniger arbeitende Menschen, also weniger Rente. Das ist richtig, wenn man in den starren Strukturen denkt, wie sie gegenwärtig in unserer Gesellschaft gelten. Die hohe Produktivität wird nur von der Wirtschaft und den Unternehmen aufgesogen.
bobbys (17.06.2008, 06:07 Uhr)
Tja,
war doch klar...
sternenhagel (17.06.2008, 05:18 Uhr)
Stern schnuppe
Was der Stern da wieder im Kapitalinteresse gut geschmiert schmiert, ist mir schnuppe. Diese Schreiberlinge gehören frühverrentet mit Harz IV Bezügen.
Loewenherz_XL (17.06.2008, 02:58 Uhr)
Ein Schreiberling wie Schütz….
muss ja auch nicht körperlich so hart arbeiten wie einige andereBerufsgruppen in Deutschland.
ELGE (16.06.2008, 23:47 Uhr)
Märchenonkel Schütz
Wieder so ein unqualifizierter Kommentar von Peterle. Hören sie entlich auf mit ihren Halbwahrheiten und ihrem Besserwissertum. Die Rente mit 67 ist ein Irrweg und nicht die Altersteilzeit. Und Mütefering ist ebenso ein Totengräber der SPD wie ihr letzter Kanzler und Energieclement.
knilch_59 (16.06.2008, 22:21 Uhr)
Falsche Überschrift!
Die Überschrift zum Artikel bedarf dringend einer Korrektur:
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„Genossen, hört auf!“
„Müntefering genug genossen, hört auf“
„Genossen, genug auf Müntefering gehört, hört auf“
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Oder so ähnlich. Der Sozialdemokratie steht es nicht gut zu Gesicht, einfach ein tumbes Rentenkürzungsmodell zu entwerfen, das dann auch noch dazu führt, dass die Kürzungen die körperlich arbeitende Stammwählerschaft noch härter trifft als andere Schichten. Für solche Modelle haben wir die FDP, die hat die Zuständigkeit für Umverteilung nach oben gepachtet.
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Klar: das derzeitige Rentenniveau ist nicht finanzierbar, es muss (!) abgesenkt werden. Das wissen wir – streng genommen – seit 1970, haben aber die Lösung immer weiter vor uns hergeschoben. Der Kardinalfehler ist in der Ära Kohl / Blüm passiert, als man mit dem unerträglichen Vorruhestand das Anspruchsniveau noch weiter nach oben geschraubt hat. Dass Nobbi heute noch als Ehrenmann in der Öffentlichkeit auftreten darf, sollte der wahre Skandal unserer Tage sein: Niemand seit 1945 hat so lange so oft so unverschämt die Unwahrheit gesagt!
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Ich erwarte von einer Partei in der Tradition der Sozialdemokratie ein Rentenmodell, das zwar für viele Berufe das Renteneintrittalter auf ein angemessenes Alter heraufsetzt, aber gleichzeitig solidarisch mitträgt, dass es viele Berufe gibt, für die dieses Alter nicht gilt. Und es kann NICHT Aufgabe der Tarifpartner dieser Branchen sein, das auszugleichen, sondern das muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Mit 66 noch in der mobilen Altenpflege? Wer pflegt dann wen? Mit 65 noch als Bauarbeiter bei Wind und Wetter draußen, um dem gleich alten Richter, der sich die Frühpensionierung leisten konnte, den Außenkamin hochziehen, damit der arme Mann seinen Lebensabend auch noch im Herbst auf der Terrasse genießen kann? Das ist Münte-Politik, stattdessen müssen intelligentere Lösungen gefunden werden!
utospatz (16.06.2008, 18:17 Uhr)
Münte war doch einer
der für die SPD das Beste!
Alles was nachrückt, sind doch nur Reste! Die haben weder einen messbaren IQ, tun gegenüber der Bevölkerung auch nix dazu!
Und somit hat das Volk denn ruh!
ecomoc4u (16.06.2008, 17:27 Uhr)
@The_Fiddler
tnx für den tip.
ecomoc4u (16.06.2008, 17:14 Uhr)
wer weniger als 2400,00 euro brutto verdient,
wird mit 67 gerade so an der armutsgrenze vorbeischrammen.
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nachdem mann sich dann nach 30 jahren bildung im callcenter wiederfindet, und von der armutsgrenze nur träumen kann.
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zu marionetten degradiert, unserer grundrechte beraubt, politisch ausgespielt, mit kirchlichen segen, arbeiten bis zum umfallen.
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www.zeitgeistmovie.com
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