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15. Juni 2008, 21:56 Uhr

Risse in der Unions-Front

Neuer Streit in der Unions-Fraktion: Noch am Wochenende hatten Spitzenvertreter von CDU und CSU die Pläne der SPD zur Altersteilzeit, die die Genossen heute beschlossen haben, heftig kritisiert. Nun aber kommen ganz andere Töne vom Arbeitnehmerflügel der CDU.

Vor allem für schwer körperlich arbeitende Arbeitnehmer ist Altersteilzeit oft die einzige Möglichkeit, ihren anstrengenden Job durchzuhalten© Rainer Weisflog/DPA

Die Unionsfront gegen die Rentenpläne der SPD zeigt erste Risse. Während Spitzenvertreter von CDU, CSU und Wirtschaft das Konzept der Sozialdemokraten für flexible Übergänge in den Ruhestand vehement abgelehnt haben, zeigt sich der Arbeitnehmerflügel der CDU zumindest für die von der SPD vorgeschlagene frühere Teilrente offen.

"Das kann sinnvoll sein. Wir sollten über eine niedrigere Altersgrenze nachdenken", sagte der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, Gerald Weiß. Nicht jeder Arbeitnehmer könne bis 65 oder 67 Jahre voll arbeiten, erklärte er in der "Berliner Zeitung". "Da brauchen wir mehr Flexibilität." Auch über die derzeitigen Zuverdienstgrenzen müsse gesprochen werden.

Bundesagentur fördert Altersteilzeit

Die von der SPD geforderte Verlängerung der Altersteilzeit lehnte Weiß dagegen ab: "Aus dem Topf der Bundesanstalt für Arbeit darf es keinen Cent mehr für Altersteilzeit oder sonstige Vorruhestandsmodelle geben."

Noch bis Ende 2009 wird die Altersteilzeit aus dem Haushalt der Bundesagentur für Arbeit gefördert. Die SPD will die Regelung bis 2015 verlängern. Voraussetzung sei jedoch, dass Unternehmen dadurch freiwerdende Stellen mit Berufsanfängern besetzten, heißt es in der sechsseitigen Beschlussvorlage. Ausserdem soll Arbeitnehmern eine Teilrente bereits vom 60. Lebensjahr an ermöglicht werden. Bislang ist dies frühestens mit 63 Jahren möglich. Zeitgleich sollen die bisher geltenden Hinzuverdienstgrenzen wegfallen.

SPD beschließt ihr Konzept

Ungeachtet der scharfen Kritik hat die SPD-Spitze ihr Konzept für einen früheren Renteneinstieg einstimmig gebilligt. Dies teilte Generalsekretär Hubertus Heil nach einer Präsidiumssitzung in Berlin mit. Die SPD will damit die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) geförderte Altersteilzeit bis zum Jahr 2015 zu verlängern. Eigentlich soll die Förderung Ende 2009 auslaufen. Voraussetzung für eine Altersteilzeit soll aber sein, dass die frei werdende Stelle in dem Betrieb durch einen frisch ausgebildeten neuen Mitarbeiter besetzt wird.

Zudem setzt die SPD auf einen einfacheren Zugang zur sogenannten Teilrente. Diese soll nach dem Willen der Sozialdemokraten künftig schon ab dem 60. Lebensjahr bezogen werden können. Derzeit geht dies erst mit 63 Jahren. Die Abschläge, die die Arbeitnehmer durch den vorzeitigen Bezug von Rentenleistungen hinnehmen müssen, soll das jeweilige Unternehmen ausgleichen. Zu der Teilrente soll der Arbeitnehmer beliebig viel hinzuverdienen dürfen.

Die CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer gab dagegen in der "Berliner Zeitung" zu bedenken: "Eine Verlängerung der Altersteilzeit nützt niemandem." Die für vorzeitige Renteneintritte notwendigen Milliarden seien besser in Bildung und Ausbildung investiert. "Die SPD ist völlig von der Rolle", sagte sie.

Bereits am Wochenende hatten Union und Wirtschaftsverbände die SPD-Pläne strikt abgelehnt. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff sprach sogar von einem "Bruch des Koalitionsvertrags" und einer "schweren Belastung für die Große Koalition". SPD-Präsidiumsmitglied Franz Maget hielt dem am Sonntag entgegen, Ziel sei eine faire Behandlung älterer Arbeitnehmer und die Abmilderung von Härten bei der Rente mit 67. "Die Menschen wünschen eine solche Regelung", betonte der Spitzenkandidat bei der anstehenden bayerischen Landtagswahl.

AP/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
ganzbaf (16.06.2008, 14:18 Uhr)
So siehts mal aus

Nur weil es manche Abgeordneter noch gelegentlich schafft, sich mit über 65 in einen Plenarsaal-Sessel fallen zu lassen, ohne nach 5 Minuten wegzunicken, ist das noch lange kein Referenzmodell für z.B. Krankenpflegepersonal oder Fließbandarbeit im Akkord.
;-Pp
tagora-sagittara (16.06.2008, 10:58 Uhr)
@Klaus_P
leider ist das so gewollt,... das ist ja das schlimme. Eine fettleibige Möchtegernelite hält sich die Massen als Wahlvieh und Malocher, damit sie sich selbst nicht bemühen müssen und ein langes Leben genießen können auf unser aller Knochen und Kosten. Wenn einer dieser Pappnasen selbst die Kelle in die Hand nehmen müsten,... die ständen dumm und heulend vor etwas, was sie selbst nicht schaffen können.
Theoretisch können sie überleben,... praktisch würden sie ohne uns von der Evolution dahingerafft!!
H.P. (16.06.2008, 10:12 Uhr)
@AchazIII. (16.6.2008, 7:44 Uhr)
###@Die Welt in Deutschland besteht fast nur noch aus dickbäuchigen Vorruheständler als Mittfünfziger.###
Das stimmt nicht immer, es gibt Ausnahmen, ich wiege 80 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,82 Meter. :-) Da ich micht viel bewegen musste, also viel gearbeit habe, bin ich halt schlank geblieben. Grins:-)
Was Fakt ist, man hat vor Jahren schon viele aus dem Arbeitsleben entlassen die sich voller Gesundheit erfreuten. Beamte die noch keine 50 Jahre alt waren. Die meisten hat man mit 55 bis 57 Jahre aus dem Arbeitsleben entlassen und das bei voller Pension und Rente ohne Abzug. Heute werden die dafür bestraft, die jetzt im Arbeitseleben stehen und Rente bekommen, sie müssen die Fehler die man vor Jahren machte nun bitter bezahlen. Geldlich und gesundheitlich.
Is2a3bella (16.06.2008, 10:01 Uhr)
WIKIPEDIA siehe Republik
"Antike
Erste Ansätze einer am Gemeinwohl orientierten Gesellschaft erschienen in der ..... des Aristoteles.
Er teilte die sechs ihm bekannten Herrschaftsformen in zwei Kategorien:
die Guten, am Gemeinwohl orientierten (Monarchie, Aristokratie, Politie) und
die Schlechten, die sich nur nach dem Bedürfnis der herrschenden Gruppe richten (Tyrannis, Oligarchie, Demokratie beziehungsweise Ochlokratie)."
Is2a3bella (16.6.2008, 9:16 Uhr)
*Thema nachlesbar
H.P. (16.06.2008, 09:48 Uhr)
Rentendebatte
###@Die Wirtschaft brauche "ältere qualifizierte Mitarbeiter in den Unternehmen und nicht in der Frühpensionierung".###
Bei Angestellten und Arbeiter gibt es keine Frühpensionierung. Die Frühpensionierung gibt es nur für Beamte, um das einmal klar zustellen.
Ich meine, wer als Arbeiter und Angestellter 45 Jahre hart gearbeitet hat, dem gehört die Rente ohne Abzug. Ich selbst habe mit 14 Jahren schon auf Baustellen arbeiten und schwer heben müssen und habe heute kaputte Bandscheiben und sonstige gesundheitliche Probleme
Es gibt wenige Jobs, wo ältere Arbeitnehmer, die körperlich hart arbeiten mussten, im hohen Alter noch voll arbeitsfähig und gesund sind.
Das ist die Realität, die kein Politiker wahrhaben will, nur die Zahlen zählen, jeder der heute sich kaputt schuftet, wird am Ende dafür noch bestraft.
Is2a3bella (16.06.2008, 09:16 Uhr)
"Risse in der Unions-Front"
Wirklich interessantes Thema* auf 3sat,
21 Uhr am 15.05.08
http://es.wikipedia.org/wiki/Imagen:Escudo_Reyes_Catolicos.png
http://www.youtube.com/watch?v=I540IM8nB-A
http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Isabel_I_de_Castilla.jpg
Salzsteuer (16.06.2008, 09:04 Uhr)
Wenn es nach den CDU-Bonzen geht
dann sollen die Menschen vom 5o. bis zum 65. Lebensjahr von Hartz4 leben, ist ja auch billiger.
So nicht liebe Regierende.
-Dagegen- (16.06.2008, 08:51 Uhr)
Volltreffer!
Hatte ich der SPD überhaupt nicht zugetraut... Die ganze Empörung der CDU zeigt doch nur, dass man mit diesem Schachzug nicht gerechnet hat und weiterhin die Arbeitnehmer in diesem Land ausbeuten will.
Klaus_P (16.06.2008, 08:49 Uhr)
@tagora-sagittara
"...daß Menschen, die ihr Leben lang schwer geschuftet haben, in der Regel die ersten 5 Jahre Rente gar nicht erleben..." Ein Schelm der denkt dass könnte vielleicht so gewollt sein ;-) Irgendwie muss ja das Geld für die total überzogenen Politikerpensionen eingespart werden ;-)
tagora-sagittara (16.06.2008, 08:29 Uhr)
Dummes Geschwätz,...
jeder weiß, daß Menschen, die ihr Leben lang schwer geschuftet haben, in der Regel die ersten 5 Jahre Rente gar nicht erleben... hinzu kommen noch die Alterskrankheiten ect. Aber das erwarte mal von einem Bleistiftstemmer der sein ganzes Leben in den Schreibtischstuhl, (natürlich von der Krankenkasse finanziert) gefurzt hat.
So realitätsfremdes Gelaber kann man auch nur von einem deutschen Lobbykraten erwarten.
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