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29. Juli 2003, 19:40 Uhr

PDS-Chef Bisky war Stasi-Informant

Die so genannte Rosenholz-Dateien brachten es an den Tag: Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky war beim Auslandsgeheimdienst der DDR als Inoffizieller Mitarbeiter registriert. Bisky selbst bestätigte den Kontakt.

Lothar Bisky als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Hauptverwaltung Aufklärung registriert© dpa

PDS-Chef Lothar Bisky war bei der für Auslandsspionage zuständigen Stasi-Abteilung als inoffizieller Mitarbeiter registriert. Das sei unter anderem durch eine Karteikarte in den so genannten Rosenholz-Dateien belegt, bestätigte eine Sprecherin der Stasi-Akten-Beauftragten Marianne Birthler am Dienstag in Berlin einen Bericht der "Zeit". Die Kontakte Biskys zur Stasi seien aber schon seit 1995 bekannt.

Bisky: "Übliche Reiseberichte"

Der PDS-Vorsitzende erklärte, er habe bereits damals mehrfach öffentlich zu dem Thema Stellung genommen. "Offizielle Kontakte zur Staatssicherheit in meiner Arbeit habe ich von Anfang an bestätigt." Über Reisen ins westliche Ausland habe er die üblichen Reiseberichte "für meine zuständigen Leitungen" angefertigt und sie weitergeleitet, hieß es in einer Erklärung Biskys. "Wer sich diese zusätzlich angeeignet hat, entzieht sich meiner Kenntnis."

Es stand in den Rosenholz-Dateien

Die Sprecherin Birthlers, Cornelia Bull, erklärte, es sei seit 1995 bekannt, dass Bisky bei der Stasi als inoffizieller Mitarbeiter geführt worden sei. Damals sei eine Mitteilung an den brandenburgischen Landtag und den Bundesvorstand der PDS gegangen. Neu sei, dass sich in den Rosenholz-Dateien eine Klarnamen-Kartei dazu befinde. "Das rundet die Materialien ab", sagte Bull.

Auf 'ungeklärtem Weg' zur CIA gelangt

Die so genannten Rosenholz-Dateien der Stasi waren Anfang Juli für Forschungszwecke freigegeben worden. Dabei handelt es sich um 350.000 elektronisch gespeicherte Karteikarten der für die Auslandsspionage zuständigen Hauptverwaltung Aufklärung (HVA). Mit ihrer Hilfe lässt sich unter anderem die Identität von westdeutschen Spitzeln enttarnen. Nach der Wende war das Material auf bislang ungeklärtem Weg an die CIA gelangt und in den vergangenen drei Jahren auf insgesamt 381 CD-ROMs an Deutschland zurückgegeben worden.

Deckname "Bienitz"

Die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete, Bisky sei bereits 1966 unter dem Decknamen "Bienitz" bei der Stasi registriert gewesen. In der Folgezeit habe er Berichte für den "Sektor Wissenschaft und Technik" der HVA geliefert. Darauf deuteten Funde aus einer anderen Stasi-Datei hin, der so genannten SIRA-Datei.

1979 "abgeschaltet", 1986 reaktiviert

Nach einem Umzug von Leipzig nach Berlin sei Bisky "abgeschaltet" und dann - wie aus Unterlagen anderer MfS-Abteilungen hervorgehe - "aus weiter bestehenden Interessen der HVA" vor der Anwerbung durch andere Abteilungen des Ministeriums für Staatssicherheit geschützt worden. Doch als er 1986 Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg geworden sei, habe ihn die HVA unter neuem Decknamen reaktiviert.

 
 
 
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