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Der Wissende

Fünf Tage lang stand Carsten S. bereits Rede und Antwort. Es wird immer klarer, dass er mehr wusste, als bislang bekannt. Warum ließen ihn die Behörden nach seinem Ausstieg viele Jahre lang in Ruhe?

Von Lena Kampf

  Der Angeklagte Carsten S. beim Betreten des Gerichtssaals in München

Der Angeklagte Carsten S. beim Betreten des Gerichtssaals in München

  • Lena Kampf

Rund zehn Jahre bevor sich die Terrorgruppe NSU zu ihrer Mordserie bekannte, hat man wohl schon einmal versucht, Carsten S. zum Reden zu bringen. 2001 soll ihm ein Aussteigerprogramm aus dem rechten Milieu angeboten worden sein. So steht es in einem Aktenvermerk des Verfassungsschutzes. Aussteigerprogramme sind meist damit verbunden, dass die Personen erzählen, was sie über die Szene wissen. Im speziellen Fall von Carsten S.: Was er über den Verbleib der drei untergetauchten Bombenbauer aus Jena wusste. Denn dass er zwischenzeitlich als einziger Kontaktmann für das Trio fungierte, war den Behörden bekannt.

Doch Carsten S. lehnte ab. Mehr sogar. Er soll sich über das Angebot beim Staatsschutz beschwert haben. Er fühle sich der "nationalen Bewegung" immer noch zugehörig und "uneingeschränkt verpflichtet" habe er dort gesagt, berichtet eine Quelle. Das widerspricht den Angaben, die S. in den Vernehmungen mit BKA und Bundesanwaltschaft und im Gerichtssaal gemacht hat. Er will schon im September 2000 ausgestiegen sein, spätestens Ende 2000 alle politischen Ämter niedergelegt haben.

"Wir sind immer bewaffnet"

Umso mehr verwundert es, dass die Behörden Carsten S. einfach haben ziehen lassen. Nach Nordrhein-Westfalen, in die Schwulenszene. Schon im nächsten Aktenvermerk steht: Vom Landesamt für Verfassungsschutz NRW liegen keine Erkenntnisse über Carsten S. vor.

Er war kein Gefährder, kein Aktivist mehr, nicht mehr eingebunden in die Szene, die das Terrortrio – den Behörden damals als die "Bombenbauer von Jena" bekannt - hervorgebracht und im Untergrund unterstützt hat. Bestand also kein Grund mehr für die Behörden, an ihm dran zu bleiben, obwohl die Fahndung nach den Dreien immer noch lief? In der Befragung durch die Nebenkläger am Donnerstag, dem fünften Tag im Gerichtssaal an dem er Rede und Antwort stand, sagte Carsten S., es habe nie wieder Kontakte mit Sicherheitsbehörden gegeben. Bis zu seiner Festnahme am 1. Februar 2012.

Dabei war Carsten S. ein Wissender. Einer, der sogar sehr viel mehr wusste, als bislang bekannt. Am Dienstag offenbarte er plötzlich: Im April 2000, bei der Waffenübergabe in Chemnitz, die er bereits bei seiner Festnahme zugegeben hatte, habe er auch erfahren, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bereits über Waffen verfügten. Einer der Uwes habe auf seinen Rucksack getippt und gesagt: "Wir sind immer bewaffnet." Was das für eine Waffe gewesen sei, fragte der Vorsitzende Richter Götzl. "Ich habe eine Uzi oder Maschinenpistole im Kopf", sagte Carsten S.

Rohrbombenanschlag in Nürnberg

Und: Die Untergetauchten haben womöglich noch mehr Taten begangen als ihnen bisher zugerechnet werden. Plötzlich bricht es aus Carsten S. heraus: "Die haben damit angegeben, sie hätten eine Taschenlampe in Nürnberg hingestellt", schluchzt er. Taschenlampe, das habe er abends im Bett mit den Bomben zusammengebracht. Und tatsächlich: Im 1999 gab es einen Rohrbombenanschlag in Nürnberg, selbstgebastelt, einer Taschenlampe ähnlich. Das Lokal, in dem die Bombe explodierte, gehörte einem türkischen Betreiber.

Carsten S. verfügt über viel Wissen. Doch dieses Wissen ist in zehn Jahren verschüttet. Zugeschüttet mit den Erlebnissen eines traumatischen Coming-Outs, einer Ablösung aus der rechten Szene. Einer Psychotherapie. Einem Studium. Einem neuen Leben.

Jetzt ist die tagelange Befragung oft quälend zäh. Kann er nicht, will er nicht, darf er nicht? Das fragen sich Viele. Er erzählt die immer gleichen Anekdoten, es sind traurige Geschichten aus dem Jena der Wendezeit. Wo Jugendlichen aus Winzerla, wie es scheint, fast nichts anderes übrig blieb, als rechts zu werden. Wo man beim "Chinesen abhing" bis einem langweilig wurde.

"Wir haben viel gelacht in der Szene"

Bis man also in die Stadt ging, wo die "Zecken" waren, mit denen man Streit suchte, sich prügelte. Eine Zeit, in der "Nazi" ein Schimpfwort war, wenn es aus dem Mund von Linken kam. Als Linke im Verständnis von Carsten S. Menschen waren, die "Nazis raus"-Sticker hatten, und die Rechten welche mit "Zecke verrecke" am Revers. "Wir fanden das lustig", erklärte Carsten S. mehrmals. Und: "Wir haben viel gelacht in der Szene."

Eine Szene, in der es einem wie Carsten S. möglich gewesen zu sein scheint, den schwarz-weiß-roten Aufnäher an der Jacke zu tragen und mit seinem farbigen Neffen Fußball zu spielen. "Ich war kein Rassist", sagte er irgendwann. Und gleichzeitig, dass er die NS-Zeit glorifiziert hat. "Hakenkreuz und so."

Die Antworten zu seiner Ideologie sind auch nach der Befragung durch den Vorsitzenden Richter, die Ankläger und die Nebenklage unbefriedigend. Sie scheinen alle nicht so recht glauben zu wollen, dass er nur der "Kleene" war, wie Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ihn am Telefon genannt haben sollen. Warum er das alles in seinem Kopf nicht zusammengebracht hat, die ihm bekannte Gewaltbereitschaft der Uwes, die Bewaffnung, die Möglichkeit der Geldbeschaffung durch Banküberfälle? Warum ihn das nicht bewogen hat, zur Polizei zu gehen, wenn er wirklich nicht gewollt hat, dass die Waffe die er besorgte, auch benutzt würde?

Schlüssel zu der bundesweiten Mordserie

Die Angst, die Bauchschmerzen, sie sind immer wieder aufgeblitzt, erzählt er. Doch er hat es "weggepackt", wie er sagt. Gut zehn Jahre lang. Heute wirkt er ehrlich erschreckt über seinen Beitrag zu den Morden. Auf die Frage von Andreas Thiel, Vertreter der Nebenklage Tasköprü aus Hamburg, ob ihm die Ceska-Mordserie irgendwann in der Berichterstattung aufgefallen ist, er vielleicht über die Waffe gestolpert ist, antwortet er fast erschüttert: "Nein, leider nicht."

Statt der Sicherheitsbehörden wollten sich in Düsseldorf nur Antifa-Gruppen mit ihm über die rechte Szene unterhalten. Carsten S. ist fast so etwas wie ein Schlüssel zu der bundesweiten Mordserie – einer, auch das steht in den Verfassungsschutz-Akten, der von seinem Auftraggeber Ralf Wohlleben, als nicht besonders zuverlässig gehalten wurde, als einer, der auch mal was ausplaudert. Anderen entgegen der Abmachung sagte: "Den Dreien geht es gut." Der sich weit, sehr weit von der Szene distanziert hat. Hätte er früher ausgepackt, wenn er die Gelegenheit dazu gehabt hätte? Er hatte sie nicht.

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