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30. Mai 2005, 16:40 Uhr

Auf den Spuren von Maggie und Indira

Gerade einmal 49 weibliche Regierungschefs hat es seit 1960 gegeben - Angela Merkel wäre die erste in Deutschland. Und Frauen haben es doppelt schwer: fast immer sollen sie den Spagat zwischen (männlicher) Leistung und (weiblicher) Anmut hinbekommen.

Auf dem Weg zur Kanzlerin? Angela Merkel auf Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen© Picture Alliance

Angela Merkel könnte Geschichte schreiben. Die CDU-Chefin wäre die erste Frau in Deutschland, die es ins Bundeskanzleramt schafft. Auf der ganzen Welt gibt es keine zehn Frauen, die als Staats- oder Ministerpräsidentin souveräner Länder amtieren, seit 1960 waren es insgesamt 49. Eine Sonderstellung unter ihnen hatte die langjährige britische Premierministerin Margaret Thatcher (1979-1990) eingenommen. Der Vergleich zur "eisernen Lady" mit dem "männlichen Führungsstil" wird in den nächsten Monaten bis zur Bundestagswahl öfter herhalten müssen.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert "endlich" eine Frau als Kanzlerkandidat in greifbarer Nähe - für Alice Schwarzer eine "Sensation". "Die Chancen von Merkel gegenüber Schröder sind gut, weil die Bevölkerung einen Wechsel der Regierungspolitik will", glaubt Ulla Bock, Geschäftsführerin der Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauenstudien und Frauenforschung an der Freien Universität Berlin. Sie spricht von einem "interessanten Widerspruch": Die Mehrheit sei für einen Machtwechsel, finde aber Schröder sympathischer. "Es wird viel darauf ankommen, inwieweit die Parteigenossen Merkel stützen und keinen Zweifel daran lassen, dass es ihre Kandidatin ist."

Auf dem Weg zur eisernen Lady: Margaret Thatcher nach ihrem Wahlsieg 1979© Picture Alliance

Nicht einmal ansatzweise war eine Frau zuvor im Gespräch für das Kanzleramt. Anwärterinnen für das Bundespräsidialamt gab es einige, sie mussten aber mit dem Stigma der Zählkandidatin fertig werden, auch bei Gesine Schwan war dies 2004 der Fall. Die erste Bundesministerin Elisabeth Schwarzhaupt, die Konrad Adenauer 1961 widerwillig ins Kabinett holte, wurde trotz ihrer 60 Jahre mit "Fräulein" angeredet, weil sie ledig war. Annemarie Renger, Deutschlands erste Bundestagspräsidentin, zog nach ihrer Amtszeit von 1972 bis 1976 Bilanz: "Ich habe in dieser Zeit erreicht, was ich wollte: Es ist bewiesen, dass eine Frau das kann!"

Fast schon resignierend klingt die Einschätzung der Soziologin Ulla Bock: "Eine Frau kann wirkliche Macht nur an sich binden, wenn sie - neben hoher Qualifikation und Leistung - auch noch das Kunststück vollbringt, die in uns wirkenden Bilder von männlich und weiblich in Einklang zu bringen." Das sei nahezu unmöglich. Erfolgreich bei den Wählern könnte Merkel ihrer Meinung nach wegen der Wechselstimmung sein, nicht wegen des Faktors Frau.

Es ist selten ein Akt von Emanzipation, wenn Frauen an die Macht kommen, sieht man von den traditionell als fortschrittlich geltenden nordeuropäischen Ländern ab. In Norwegen brachte es beispielsweise Gro Harlem Brundtland als Ministerpräsidentin auf zehn Jahre in drei Amtszeiten.

In Südostasien und Lateinamerika sind es häufig Ehefrauen oder Angehörige, die nach dem Tod der Männer unmittelbar oder später hohe Staatsämter übernehmen - dazu gehörten Indira Gandhi (Indien), Isabel Peron (Argentinien) und Benazir Bhutto (Pakistan).

Schlagzeilen machte kürzlich Julia Timoschenko, die seit Februar Ministerpräsidentin der Ukraine ist. In Europa amtieren in Irland, Lettland und Finnland Frauen als repräsentatives Staatsoberhaupt. Merkel wäre bei einem Wahlerfolg derzeit die einzige Kabinettschefin auf den von Männern dominierten Familienfotos bei EU- Gipfeln.

Caroline Bock/DPA
 
 
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