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Angela Merkel: "Ich bin manchmal auch verzweifelt"

Eine Stunde wirbt Angela Merkel in der Talkshow von "Anne Will" für ihren Kurs in der Flüchtlingskrise. Ihre Botschaft: Sie bleibt bei ihrem europäischen Weg, lehnt nationale Obergrenzen ab - und hat keinen Plan B.

Angela Merkel bei Anne Will

Angela Merkel zu Gast in der Talkshow von Anne Will zur "Debatte über Flüchtlingspolitik in Deutschland"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bevölkerung um Geduld in der Flüchtlingskrise gebeten. Es gehe jetzt auch um Deutschlands Ansehen in der Welt, sagte Merkel am Sonntagabend in der ARD-Sendung Anne Will. "Das ist eine ganz wichtige Phase unserer Geschichte." Es werde sich entscheiden, wie sich Deutschland und Europa für die nächsten Jahre aufstellten. Ihre Priorität sei, Europa zusammenzuhalten und Humanität zu zeigen. 

Die europäischen Partner forderte Merkel eindringlich zu einer gemeinsamen Lösung auf. Dafür wolle sie ihre gesamte Kraft einsetzen. Merkel sagte: "Meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit besteht darin, dass dieses Europa einen gemeinsamen Weg findet." Dazu gehöre auch die Bekämpfung von Fluchtursachen vor allem in Syrien. "Das alles mag manchen zu langsam gehen", räumte die Kanzlerin ein. Sie glaube aber daran, dass dies der einzige Weg zu einer nachhaltigen Lösung sei. "Ich bin manchmal auch verzweifelt", sagt Merkel zu Kritik und Zweifeln an ihrem Kurs. "Aber daraus muss dann wieder Vernunft erwachsen."

Wovor Angela Merkel jetzt Angst hat

Angesichts der Flüchtlingsströme quer durch Europa warnte Merkel vor nationalen Alleingängen. "Das ist genau das, wovor ich jetzt Angst habe, wenn der eine seine Grenze definiert, muss der andere leiden. Das ist nicht mein Europa." Niemand solle glauben, dass durch einseitige Grenzschließungen die Probleme beseitigt werden könnten. Sie leite dabei der Gedanke, "dass Europa nicht kaputtgeht".

Nach der weitgehenden Schließung der Balkanroute für Migranten ist Griechenland ins Flüchtlingschaos gestürzt. Nach Zählungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR setzen täglich weiterhin rund 3000 Flüchtlinge von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln über. Doch im Norden des Landes an der Grenze zu Mazedonien werden pro Tag nur noch ein paar Hundert Menschen durchgelassen. Mehr als 25 000 Flüchtlinge stauen sich deshalb bereits in Griechenland, und ihre Versorgung wird zunehmend schwierig. 

Merkel sagte Griechenland weitere Unterstützung zu: "Dieses Land können wir doch jetzt nicht im Stich lassen." Man habe das Land doch nicht im Euro gehalten, um es jetzt fallenzulassen.

Persönliche Konsequenzen für den Fall, dass der EU-Türkei-Gipfel am 7. März scheitere, schloss Merkel aus. Sie werde dann an ihrem Lösungsansatz weiterarbeiten, der nächste Gipfel sei schließlich schon am 17. und 18. März. Auf die Frage, ob sie einen "Plan B" mit nationalen Lösungen habe, sagte Merkel: "Nein, ich habe ihn nicht." 

"Die SPD und Herr Gabriel machen sich klein"

Merkel kritisierte das Verhalten von Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Dessen Vorstoß zu einem Sozialprojekt für einheimische Bedürftige parallel zur Flüchtlingshilfe lehnte sie ab. Die Koalition habe vieles für Kinder, Eltern, Rentner und Kranke getan - Krankenhausreform, Kindergelderhöhung, Rente mit 63, Mütterrente. "So zu tun, als bräuchten wir eine riesenzusätzliche Anstrengung, sehe ich nicht." Union und SPD hätten bisher gemeinsam Verantwortung gut wahrgenommen und machten das auch Schritt für Schritt weiter.

Merkel monierte auch, dass Gabriel gesagt hatte, er höre den Satz "Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts" auf allen seinen Veranstaltungen und halte ihn für "supergefährlich". Die Kanzlerin sagte, einen solchen Satz solle man sich gar nicht erst zu eigen machen. "Ich finde, die SPD und der Vorsitzende Herr Gabriel machen sich damit klein."

tim/DPA
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