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27. November 2008, 10:44 Uhr

Die Klempnerin der Macht

Bei Schmidt war es der Terror, bei Kohl die Wiedervereinigung, bei Schröder der Krieg. Nur in schwierigen Zeiten reifen große Politiker - nun ist Angela Merkel an der Reihe. Aber ihr fehlt die Statur. Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Merkel, Krise, CDU, Koalition, Wirtschaft

Angela Merkel kann Krise nicht, heißt es fast unisono© Patrick Sinkel/DDP

Mal wieder leichtes Spiel für die Opposition am Mittwoch im Bundestag: Erst kramte FDP-Chef Gudio Westerwelle in seinem Schulenglisch - "First she came too late and then she was wrong" - und dann in seinem Metaphernschatz: "Sie stehen mitten im Nebel. Sie fahren auf Sicht und wissen nicht wohin".

Nach fast zwei Monaten Dauerkrisenmanagement fallen die Noten für die Führungsfähigkeit der Bundeskanzlerin nicht nur bei der Opposition dürftig aus: Angela Merkel kann Krise nicht, heißt es fast unisono. Es fehlt ihr an Orientierung, an großer Geste, an Überbau. Unmut baut sich auf, ob in der eigenen Partei, wenige Tage vor Beginn des Bundesparteitags der CDU in Stuttgart, ob bei der Europäischen Kommission in Brüssel oder in den EU-Partnerstaaten. An der Grenze zum diplomatischen Affront formulierte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Gegenwart Merkels zu Anfang der Woche: Frankreich arbeite an Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur, Deutschland denke darüber nach. Viel drastischer kann auf internationalem Parkett eine Aufforderung nicht mehr: Angela, tu was!

Lizenz zum Zögern

Doch Merkel, so scheint es, hat die Lizenz zum Zögern. Kleinteilig werkelt sie vor sich hin, eine Klempnerin der Macht. Das ist ihr Politikstil, ihre Auffassung von Gestaltung. Sie kann nicht anders. So ist sie an die Macht gekommen, so hat sie dafür gesorgt, ihre Macht zu erhalten. Große Entwürfe, große Gesten waren dazu nicht nötig. Jetzt aber wären sie es.

Schröder? Der konnte nur Krise. Legte sein Jackett zur Seite, krempelte die Ärmel auf und verkündete. Nur die Harten komm' in'n Garten! Schröder hätte sich aufgepumpt und aufgeputscht in dieser Lage, hätte als erstes die Banken unter den Rettungsschirm geholt, basta und mit breiter Brust, da hätte sich Gordon Brown in London noch nicht einmal umgeguckt gehabt.

Kohl? Der hätte den Mantel der Geschichte ergriffen. Hätte ihn nicht mehr losgelassen. Hätte sich um nichts anderes mehr gekümmert und um niemanden anderes mehr geschert. Kohl hätte sein Handeln mit Pathos vermengt, bis die Bürger kapiert hätten: Au weia, da kommt was.

Kein Entwurf, kein Pathos

Und Merkel? Sie kann Pathos nicht. Dass Deutschland in eine schwierige Phase geht, muss fast mühselig aus ihren Reden herausgelesen werden. Dass das Land irgendwann mal wieder auf Zuversicht umschalten kann, diese Aussicht wird durch ein Gestrüpp von kleinteiligen Maßnahmen eher verstellt denn befördert. Die Kanzlerin hat es bislang versäumt, mit einem großen Auftritt ihren Entwurf von einem Deutschland in und nach der Krise zu präsentieren. Es steht zu befürchten, dass sie ihn nicht hat. Das wäre schlimm. Fast schlimmer noch wäre, wenn sie einen solchen Entwurf nicht für nötig hielte.

Mehr über Merkels Reifeprüfung

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Ein Kommentar von Axel Vornbäumen
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
520i (30.11.2008, 19:01 Uhr)
Lieber Stern,
was ist da los bei Ihnen? Nach Jahren der neoliberalen Lobhudelei machen sie jetzt den Weg frei für den Witzkanzlerkandidat Steinmeier, oder was ist da los? Verspätete Erkenntnis schließe ich aus, die neoliberale Milliardärspresse ist dafür zu berechnend.
Naja vielleicht auch nochmal augenscheinlich "auf der Seite des Volkes" stehen. Was auch immer. Erfolg werdet Ihr keinen haben. Dafür habt ihr uns zu oft beschissen.
utospatz (28.11.2008, 21:38 Uhr)
Was macht eine Klempnerin der Macht,
wenn dann die christliche Spülung denn versagt? Sie ruft den Pabst dann, denn dies wär christlich, denn im Innersten ist's was ein Glück, selbst in Liechtenstein zieht das Mensch den Arsch zurück! Mein Gott was waren wir so christlich!
starmax (28.11.2008, 18:00 Uhr)
Hab ich immer schon gesagt
das Merkel kann vielleicht einen Sportverein verwalten - für so etwas wie Entwicklung und Ausübung von Richtlinienkompetenz fehlt ihr jegliches Format.
Aber wie man hört, leitet ja Prof. Sauer die Befehle aus USA an sie weiter zur Umsetzung; und wenn Marionetten etwas n i c h t brauchen, ist es der eigene Kopf. Dies wird auch Mister Obamba noch erfahren, be sure of it!
kralli19 (28.11.2008, 13:50 Uhr)
Nix Klempner
Was Merkel leistet, ist nicht mal Hilfsarbeiterniveau. Klempner ist da eine Beleidigung an jeden ehrlichen Handwerker.
Aber das wirkliche Kotzen krieg ich jedesmal, wenn von Kohl als Einheitskanzler gesprochen wird, da hat die Medienmanipulation ja voll gegriffen !
NIX KOHL ! Die Bevölkerung, der haben wir die Wiedervereinigung zu verdanken, in erster Linie der Ostdeutschen. Die Politiker, allen voran Kohl, waren bestenfalls Statisten, die regulierend eingreifen durften, die Wiedervereinigung haben wir denen aber nicht zu verdanken, dieser Respekt gebührt allein der Bevölkerung.
knilch_59 (28.11.2008, 13:32 Uhr)
@confused (28.11.2008, 12:19 Uhr), @susiwolf (28.11.2008, 11:59 Uhr)
@confused: Nein – ich bin nicht der Meinung, dass Frau Merkel ihren Job gut macht und habe das auch deutlich geschrieben (letzter Absatz). Aber trotzdem glaube ich nicht, dass sie ihren Job besser machen würde, wenn sie jetzt den obskuren Ratschlägen der „Experten“ nachginge, die sich derzeit so aufspielen.
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Sind wir doch mal ehrlich: zum gegenwärtigen Zeitpunkt wären die Meisten froh, ohne jede Änderung weitermachen zu können – also nicht die Arbeit einstellen, sondern wer bisher gearbeitet hat, arbeitet einfach weiter. Ihre Auslegung meines Beitrags könnte also durchaus als bösartig gewertet werden, auf jeden Fall entstellt Ihre Zusammenfassung den Sinn!
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@susiwolf
Ich entschuldige mich in aller Form für meine andauernde politische Unkorrektheit. Aber ich habe für mich beschlossen, solange im Zweifelsfall mit der männlichen Form im Sinne einer Unisex-Bezeichnung weiter zu machen, bis sich der Rest des Landes auf eine Darstellungsform / Darstellungsformin geeinigt hat, die/der es erlaubt, Sinnzusammenhänge / Sinnzusammenhänginnen so darzustellen, dass es/er/sie wenigstens noch einigermaßen erkennbar bleibt. Sogar für Frau Dr. Merkel wurde das Grundgesetz nicht geändert, in dem es zwar in Artikel 3 (2) heißt, das Männer und Frauen gleichberechtigt sind, aber trotzdem der Artikel 65 sagt, dass „der Bundeskanzler“ (!) die Richtlinien der Politik bestimmt.
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Aber vor dem Hintergrund des Stern-Artikels bekommt das natürlich eine neue Bedeutung. Kann es sein, dass Frau Dr. Merkel gar nicht zuständig ist, weil sie weiblich ist? Dass Ihre Wahl ein schwerer Fehler war, weil sie zwangsläufig ein politisches Vakuum auslösen musste?
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Diese Frau kann es nicht! Und das Einzige, was ich ihr zu Gute halte ist, dass sie jetzt nicht in blinden Aktionismus verfällt, um das Desaster, das sie in 3 Jahren zusammengeschustert hat, jetzt noch hektisch zu verschlimmbessern!
redunicorn (28.11.2008, 12:54 Uhr)
welcher
deutsche Politiker hat denn den grossen Entwurf in und nach der Krise ? Schröder und Kohl sind Geschichte. Ich sehe niemand der den hätte.
demireux (28.11.2008, 12:53 Uhr)
Ooohhh Angela...
...das Problem ist da!! Ja jetzt, ja jetzt, was machst Du da?? Irritieren, ignorieren, dementieren, lamentieren?? Streckst hinfort jetzt alle vieren?? Ach könntest Du Doch halbieren und dezimieren und wir hätten vielleicht am Ende alle nichts zu velieren...denn Dein ewigew Kokettieren, ja das geht voll auf die Nieren!! Denn DEIN Deutschland ist davor sich zu blamieren!
whismerh2 (28.11.2008, 12:50 Uhr)
Vergessen.
Vor Ihrer Amtsübernahme, hatte sie versprochen die Mwst nicht zu erhöhen,
Denn Rest kennen wir, und was ist aus dem Geld geworden ?
verschwenderische Lügentante.basta
confused (28.11.2008, 12:46 Uhr)
den darf und möchte ich niemandem vorenthalten
folgenden Link zum verteilen an alle die noch kein weihnachtsgeschenk haben - wie zu sehen unsere kanzlerin hat es bis in die weihnachtskrippe geschafft LoL
http://portal.gmx.net/de/themen/lifestyle/leben/7070738,cc=000000156300070707381odfoe.html
whismerh2 (28.11.2008, 12:37 Uhr)
Bei mir
hat die Märchentante schon lange geloost, erst so Sprüche, wie der Afschwung kommt bei allen und jüngst den Verweis auf die niedrigsten Arbeitslosen zahlen, zeugt von Ihre Borniertheit.
Wenn ich sehe an was für Vollpfosten die Ministerposten vergeben worden sind, bekomme ich das Gruseln.
Die sogenannte Gesundheitsreform die Sie aus parteilichen Interessen mit durchgeboxt hat, sagt eigentlich alles.Mit Abstand die schlechteste Knazlerinn seit langem, mit der Lizens zum aussitzen, ich hatte mehr erwarted, als in der Welt rumzureisen und unser Geld zu veteilen.
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