Zwischenbilanz einer Kanzlerin. Nach zwei Jahren im Amt und kurz vor dem CDU-Parteitag sagt Angela Merkel im stern, weshalb sie gern mit der SPD weiterregiert, was sie von Gerhard Schröders Angriffen hält und wie sie sich entspannt.

Angela Merkel will mit der SPD durchhalten: "Ich schliesse vorzeitige Neuwahlen aus"© Volker Hinz
Ich freue mich auf Weihnachten, ja. Aber zunächst habe ich noch einige arbeitsreiche Wochen vor mir.
Ich laufe Ski in den Bergen, Langlauf, und wenn ich dann wieder zu Hause erholt bin, brate ich für die Familie eine Gans. Das gehört für mich zu Weihnachten.
Ich gehe Heiligabend in die Kirche, ja.
Ich konzentriere mich einfach nur auf meine Einkäufe. In meiner knappen Freizeit versuche ich, das zu tun, was ich immer getan habe, dazu gehört eben einkaufen.
Das ist ein besonderer Arbeitsort, aber es ist auch mein Alltag.
Ich versuche, am Wochenende an die frische Luft zu kommen und mal eine Nacht ausreichend zu schlafen. Und nachmittags esse ich meistens einen Teller gesundes Gemüse.
Die Arbeit muss innerlich Spaß machen. Dann sind Arbeit und Erholung keine getrennten Welten, sondern gehen mehr ineinander über. Ich habe mich auch als Naturwissenschaftlerin nach der offiziellen Arbeitszeit weiter mit manchen Problemen beschäftigt. Ich bin durch meinen Vater ...
... in einer Familie aufgewachsen, in der Arbeit und Freizeit oft gar nicht zu trennen waren. Mir hilft bei der Erholung, dass ich mich auch ganz gut beim Kochen und anderen praktischen Arbeiten entspannen kann.
Na ja, was soll ich mich an so einem Fleischstück abreagieren?
Ach was. Aber wenn ich ein schönes Essen zubereite, konzentriere ich mich einfach darauf. Deshalb mache ich auch gern Skilanglauf oder wandere im Sommer in den Bergen. Dabei können Sie nicht über Politik nachdenken. Das tut ganz gut.
Ich bin glücklicherweise nicht in einer solchen Situation, aber ich habe großes Verständnis für Franz Münteferings Entscheidung. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.
In grundsätzlichen Fragen, die in einer Koalition nur von den Parteichefs geklärt werden können, ist der SPD-Vorsitzende mein wichtigster Ansprechpartner. Und wenn es ums Regierungsgeschäft geht, stimme ich mich eng mit dem Vizekanzler ab, das wird bei Herrn Steinmeier so bleiben wie vorher bei Herrn Müntefering.
Was ist das denn für eine Frage?
Ich arbeite mit beiden eng und gut zusammen. Wir können unkompliziert reden.
Ich habe ihn nie unterschätzt. Das halte ich auch für völlig unangemessen. Ich nehme jeden SPD-Vorsitzenden so, wie er ist.
Dass wir den Aufschwung verstetigt haben. Ich will mal dran erinnern: Im Winter 2005 gab es mehr als fünf Millionen Arbeitslose. Dass wir heute 3,4 Millionen Arbeitslose haben und den Höchstwert von 40 Millionen Beschäftigten, das ist der größte Erfolg. Jetzt müssen wir die Zahl der Arbeitslosen weiter senken! Und wir hatten die Kraft, schwierige Entscheidungen zu treffen: Rente mit 67, die Erhöhung der Mehrwertsteuer, Kappung von Steuervergünstigungen, um die katastrophale Staatsverschuldung anzugehen.
Misslungen ist nichts. Manchmal haben wir uns aber schwerer getan als nötig, etwa bei der Gesundheitsreform, auch wenn sie in der Sache viel besser ist, als sie bewertet wurde. Ich bin unterm Strich mit den ersten zwei Jahren ganz zufrieden.
Erstens haben wir eine ganze Menge wichtiger Aufgaben vor uns. Und zweitens gibt es keine unüberwindlichen Hindernisse für Union und SPD. Dass bestimmte Dinge aufgrund unterschiedlicher Auffassungen nicht möglich sind, ist dabei kein Widerspruch, sondern war seit dem ersten Tag klar.
Übernommen aus ...
Ausgabe 49/2007
Zur Person Angela Merkel, 53, wuchs im brandenburgischen Templin als Pfarrerstochter auf. Die Physikerin kam in der Wendezeit über den "Demokratischen Aufbruch" zur CDU. Helmut Kohl holte sie 1991 ins Kabinett, als Frauen- und später als Umweltministerin. Seit 2000 ist sie CDUVorsitzende, seit November 2005 Kanzlerin